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Mädchen verschwand aus Klinik in Luxemburg

Vermisste Eva (16) wieder da - Mutter: "Wissen nur, dass sie mit Herrn P. gefunden wurde"

Eva träumte immer davon, einen Jagdschein zu machen.
Eva träumte immer davon, einen Jagdschein zu machen.

18. Februar 2021 - 9:51 Uhr

Eva (16) hielt sich bei einem älteren Mann auf

Seit August 2020 hat Claudia B. kein Lebenszeichen ihrer vermissten Tochter Eva bekommen. Das Mädchen verschwand aus einer Klinik in Luxemburg. Nach Monaten der Suche, jetzt die Erleichterung: Die Polizei informierte die Eltern, dass die 16-Jährige gefunden wurde – bei einem deutlich älteren Mann. "Wir wissen nur, dass Eva mit dem 59-jährigen Herrn P. gefunden wurde", sagte Claudia B. auf RTL-Anfrage.

Vermisste Eva (16) wurde im Saarland gefunden

Die Polizei Trier teilte mit, dass die 16-Jährige im Saarland gefunden und in Obhut genommen wurde. Weil das Mädchen aus Rheinland-Pfalz in Luxemburg als vermisst gemeldet wurde, sei die 16-Jährige an die zuständigen Beamten im Großherzogtum überstellt worden.

Wo Eva sich seit ihrem Verschwinden im August aufhielt und ob sie Opfer von Straftaten geworden sei, werde noch ermittelt, so die Polizei. "Da der Sachverhalt die innere Privatsphäre und das überwiegend schutzwürdige Persönlichkeitsrecht des minderjährigen Mädchens betrifft, können wir zu den Details der Ermittlungen und des Polizeieinsatzes zurzeit keine weiteren Auskünfte erteilen", sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Trier, Uwe Konz.

Als ihre Tochter noch gesucht wurde, richtete sich Claudia B. mit einem verzweifelten Appell an Eva.

Alptraum beginnt, als Eva den Jäger P. (59) kennenlernt

Der Alptraum begann vor knapp zwei Jahren, erzählt die Mutter. Die Familie lebt in einem Dorf in Rheinland-Pfalz, unmittelbar an der Grenze zu Luxemburg gelegen. Dort geht Eva zur Schule, hat viele Freunde. Im Herbst 2019 lernt die damals 14-Jährige einen älteren Mann kennen, einen Jäger (59) aus dem rheinland-pfälzischen Langsur. Der Mann, ein Herr P., ist passionierter Jäger, hat mehrere Reviere gepachtet. Immer wieder heuert er Schüler als Treiber für Jagden an, das ist nicht ungewöhnlich.

Eva träumt vom Jagdschein

Auch Eva verdient sich ein Taschengeld nebenbei, anfangs mit dem Segen ihrer Eltern. "Das wurde gut bezahlt, war in der Natur, sie hatte Freude daran. Deswegen haben wir Eva das erlaubt", erzählt die Mutter. Zumal Eva großes Interesse an der Jägerei bekundet und sogar selbst einen Jagdschein machen möchte.

Doch die Dinge entwickeln sich zum Missfallen der Eltern, P. möchte immer häufiger, dass Eva mit zur Jagd kommt. Immer öfter möchte er das Mädchen abholen. Und sie soll nicht wie andere Jugendliche Tiere aufscheuchen, sondern mit ihm auf dem Hochsitz auf der Lauer liegen.

Emotionale Manipulation: "Er hat sie behandelt wie eine Prinzessin"

Ihre Mutter beschreibt Eva als aufgewecktes und fröhliches Mädchen.
Ihre Mutter beschreibt Eva als aufgewecktes und fröhliches Mädchen.

Die Eltern sind dagegen, möchten nicht, dass ihre Tochter zu viel und zu engen Kontakt mit dem Jäger hat. Doch ein Teenager kann viel Überzeugungskraft aufbringen und so geben sie nach. "Einmal haben wir es erlaubt, was offensichtlich ein großer Fehler war", erzählt die entsetzte Mutter.

Eva erlegt bei dem Ausflug ein Reh, erzählt sie. Was nicht in Ordnung wäre, da sie keinen Jagdschein hat. Und P. belohnt sie dafür, gibt ihr 200 Euro. Die Eltern wollten auch das nicht. "Normalerweise gibt man dem Jäger Geld, wenn man in seinem Revier etwas schießt", sagt die 54-Jährige.

Vielleicht ist das der Moment, in dem für Eva eine Spirale beginnt, die sie in immer größere Abhängigkeit von P. bringt. Der habe sie manipuliert, sagt ihre Mutter. Mit Geld, aber auch emotional. Indem er sie behandelte "wie eine Prinzessin". Das ist verlockend für ein Mädchen, dessen Eltern auch mal nein sagen und dem Kind aus Verantwortung nicht alles erlauben.

Eltern kontrollierten Handyrechnung

Immer häufiger ist Eva unterwegs. Sie belügt ihre Eltern, erfindet Ausreden. Irgendwann wird es der Mutter zuviel, sie kontrolliert die Telefonrechnung von Evas Handy. Dabei stellt die 54-Jährige fest, dass Eva oft und lange mit P. telefoniert. Das Mädchen streitet das ab, ebenso wie P., der die Rechnung als "Fake" bezeichnet.

Freundinnen berichten von Sex

Ein guter Bekannter der Familie weist die Eltern darauf hin, dass es bei dem Verhältnis ihrer Tochter zu dem über 40 Jahre älteren nicht mit rechten Dingen zugeht. Spätestens jetzt ist die Mutter alarmiert. P. leugnet ungebührliche Kontakte, droht, dem Freund der Familie "auf die Fresse" zu hauen.

Doch auch Freunde des Kindes berichten von Geldgeschenken, einer großen Nähe der beiden und auch von Sex, den P. und das Mädchen haben. Sie beschreiben auch den Ort, wo sich die beiden treffen. Dort liegen gebrauchte Kondome herum, die sehr gut von den beiden stammen könnten, so die Mutter.

Rein rechtlich gesehen ist es einem Erwachsenen Mann nicht verboten, mit einer 16-Jährigen Sex zu haben. Strafbar würde er sich nur machen, wenn er ein Erziehungsberechtigter der Jugendlichen wäre, die Minderjährige für den Sex bezahlen würde oder ihr pornografisches Material vorführen würde.

Mutter findet Schwangerschaftstest und Pille danach 

Eva mit ihrer Mutter im Urlaub.
Eva mit ihrer Mutter im Urlaub.

Claudia misstraut ihrer Tochter zunehmend, kontrolliert Eva und ist hochgradig alarmiert, als sie einen Schwangerschaftstest bei dem Mädchen findet. Eva wiegelt ab, behauptet, der gehöre einer Freundin. Später findet die Mutter eine gebrauchte Medikamentenpackung – von der Pille danach.

Alle Versuche, das Verhältnis zu unterbinden, misslingen. Bei einer Party im Mai vergangenen Jahres stellt P. Eva sogar öffentlich als seine Freundin vor. Seine damalige Partnerin, mit der er zehn Jahre zusammen war, sei bei ihm ausgezogen, erfahren Evas Eltern. Immer häufiger verschwindet das Mädchen über Tage, mehrfach melden ihre Eltern Eva als vermisst. Einmal wird Eva von der Polizei bei ihm im Auto erwischt.

Richterin verfügt psychiatrische Behandlung

Claudia glaubt, dass Eva es nicht geschafft habe, sich aus dieser Spirale zu lösen, weil sie nicht nein sagen konnte zu teuren Geschenken und Bargeld. "Er hat sie manipuliert", sagt ihre Mutter. Das hätten auch psychiatrische Gutachten gezeigt.

Eine Richterin verfügt schließlich, dass Eva sich in Behandlung begibt. Das tut sie. Im nahegelegene Luxemburg. Dort verschwindet Eva am 20. August aus einer Einrichtung, beim Basketballspiel macht sie sich einfach davon. Sie lässt alles zurück, ihre Wertsachen, ihre Papiere, ihre Klamotten.

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