Mutter weiß seit über 20 Jahren nicht, was mit ihrer Tochter passiert ist

Bianca Blömeke aus Essen seit 2000 vermisst: Polizei ermittelt wieder

13. März 2021 - 10:59 Uhr

Bianca Blömeke verschwand im Sommer 2000 in Essen

Seit über 20 Jahren fehlt von Bianca Blömeke jede Spur. Die damals 19-jährige Frau aus Essen-Vogelheim verschwand im Sommer 2000. Nun nimmt die Polizei die Ermittlungen in dem Cold Case wieder auf. Für Erika Schneider, Biancas Mutter, ist das ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits reißt es bei ihr alte, schmerzhafte Wunden wieder auf, andererseits hofft sie, dass ihre Tochter nach all den Jahren endlich gefunden wird und sie abschließen kann.

Mutter lebt seit 20 Jahren in ständiger Ungewissheit

Sie fühle sich "wie eine Seifenblase, die mal hoch und mal runter schwankt", erzählt Erika Schneider im RTL-Interview. Sie war es damals, die ihre Tochter als vermisst meldete. Doch die Polizei habe sie zuerst gar nicht ernst genommen und ihr gesagt, dass eine 19-Jährige schon mal verschwinden könne. Doch die Mutter wusste sofort, dass etwas nicht stimmt, als der Ex-Freund ihrer Tochter sie anrief und sagte, dass Bianca nicht nach Hause gekommen wäre. Er betreute gerade das gemeinsame Kind der beiden.

Sie fragte ihn damals noch, eigentlich im Scherz, wo er ihre Tochter verbuddelt habe. Und tatsächlich geriet der Ex-Freund dann ins Visier der Ermittler. Bianca wollte offenbar kurz vor ihrem Verschwinden den Kontakt zu ihm abbrechen und Nachbarn hatten einen heftigen Streit aus der Wohnung der jungen Frau gehört. Der junge Mann kam in Untersuchungshaft, wurde aus Mangel an Beweisen aber wieder freigelassen.

Erika Schneider sucht ihre Tochter
Erika Schneiders Tochter Bianca Blömeke wird seit über 20 Jahren vermisst.
© RTL

Führen neue Hinweise und Ermittlungsmethoden nun zur Aufklärung?

Auch die Ermittler hatten damals den Verdacht, dass Bianca Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte, aber die Ermittlungen kamen nicht voran und Erika Schneider lebt seit 20 Jahren in Ungewissheit. "Ich rede natürlich auch mit Bianca", erzählt sie im RTL-Interview. "Das macht glaube ich jeder, der einen lieben Menschen verloren hat." Ihre Tochter wäre heute 40 Jahre alt.

Das Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen hat 2017 eine "Cold Case"-Datenbank eingerichtet, in die auch Biancas Fall eingepflegt wurde. Nun wollen sich die Ermittler die alten Akten noch mal anschauen und die damals gesicherten Beweise mit neusten kriminaltechnischen Methoden untersuchen. Außerdem seien nach Medienberichten neue Hinweise eingegangen. Findet sich so doch noch eine neue heiße Spur?

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Mutter macht es traurig, dass es Menschen gibt, die wissen, was mit Bianca passiert ist

Für Erika wäre das eine große Erleichterung. Mit dem Tod ihrer Tochter könne sie umgehen, aber nicht mit der ewigen Ungewissheit. Natürlich habe sie noch einen letzten Funken Hoffnung, dass ihre Tochter doch noch lebe, auch wenn alle Indizien dagegen sprechen. Das Schlimmste sei für sie, dass es Menschen gebe, die wüssten, was mit Bianca passiert ist und die schweigen würden.

Weil Totschlag nach 20 Jahren verjährt, hofft sie, dass sich nun eventuell der Täter oder Mitwisser bei ihr melden – auch anonym. Zusammen mit mehreren Hilfsorganisationen hat sie zuletzt Spenden gesammelt, sodass sie für Hinweise, die zum Auffinden ihrer Tochter führen nun eine Belohnung von 3.000 Euro ausloben konnte. Es gehe ihr gar nicht mehr darum einen möglichen Täter vor Gericht zu zerren. "Meine Wut, die habe ich abgelegt – vor vielen Jahren schon", sagt Erika Schneider. Sie will einfach nur ihre Tochter finden: "Ich brauche für meinen Seelenfrieden die sterblichen Überreste von Bianca."