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US-Gericht kippt Recht auf Abtreibung: Dieses Land macht Rolle rückwärts ins 18. Jahrhundert - ein Kommentar

Ein Kommentar der RTL-Korrespondentin in den USA

US-Gericht kippt Recht auf Abtreibung: Zurück ins 18. Jahrhundert

US-Gericht kippt Recht auf Abtreibung Paukenschlag-Urteil in den USA
00:31 min
Paukenschlag-Urteil in den USA
US-Gericht kippt Recht auf Abtreibung

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von Hanna Klouth

Ich bin wütend. Enttäuscht. Fühle mich irgendwie hilflos. Und ich bin noch nicht mal US-Staatsbürgerin. Aber ich bin eine Frau. Und dass Frauen im Jahr 2022 ein solch fundamentales Recht genommen wird, ist kaum zu fassen. Offensichtlich ist es immer noch so, dass wir unsere Rechte niemals als selbstverständlich ansehen können. Wir müssen immer darum bangen. Immer wieder aufs Neue darum kämpfen.

Erste US-Staaten verbieten Abtreibungen

Hanna Klouth
Hanna Klouth, RTL-Korrespondentin in den USA.
Privat

Ich wache heute, einen Tag nach der Entscheidung, in einem anderen Amerika auf. Einem Land, das die Rolle rückwärts macht – zurück ins 18. Jahrhundert. Weil sich Entscheider in diesem Land von politischen und christlichen Ideologien leiten lassen. In den ersten Staaten sind Abtreibungen jetzt schon komplett verboten . Weitere werden nachziehen. Insgesamt werden dann in 26 Staaten, also mehr als der Hälfte der US-Bundesstaaten, Abtreibungen noch weiter reguliert oder eben sogar komplett verboten sein.

Das Argument der so genannten Pro-Life-Bewegung (also der Bewegung "für das Leben") – wenn man Abtreibungen verbietet, rettet man Leben – ist ein Mythos. Genau das Gegenteil wird der Fall sein. Schon lange ist die Befürchtung: Frauen werden sich andere Wege suchen, wenn sie dazu gezwungen sind, eine Schwangerschaft durchzuziehen, die sie nicht wollen. Abtreibungen zu verbieten, hat nur einen Effekt: dass sichere Abtreibungen verboten werden. Einen Menschen per Gesetz dazu zu zwingen, ein Kind auszutragen, ohne dabei die Umstände, wie ein Kind gezeugt wird, in welchen Umständen es aufwachsen würde, zu sehen, ist unmenschlich.

USA: Es geht um viel mehr als um das Recht auf Abtreibung

Oberstes US-Gericht kippt liberales Abtreibungsrecht
Die Abtreibungsbefürworterin Lori Williams hört einer Rede während einer Demonstration in West Hollywood, Kalifornien zu.
JCH sei, dpa, Jae C. Hong

In diesem Land werden vor allem die Frauen davon betroffen sein, die es sowieso schon schwer genug haben. Schwarze Frauen mit wenig Einkommen. Leben sie in einem Südstaat wie Arkansas, dann ist ihr Zugang zu einer Abtreibung, jetzt nach dieser Entscheidung, so gut wie unmöglich. Denn auch in den Nachbarstaaten werden sie keine Hilfe bekommen – in liberalere Staaten an West- oder Ostküste zu reisen: finanziell eigentlich nicht machbar.

Doch bei dieser Entscheidung geht es um so viel mehr als um das Recht auf Abtreibung. Es geht um vernünftigen Zugang zum Gesundheitswesen. Es geht darum, die Autonomie der Frau zu respektieren. Und das Recht eines jeden Menschen zu respektieren, über den eigenen Körper zu entscheiden und zu dürfen. All das zählt ab jetzt hier nicht mehr.