Hunderttausende Euro erschlichen

Urteil in Chemnitz: Vermögensberater betrog Freunde und Verwandte mit Fake-Verträgen

23. März 2021 - 20:02 Uhr

Detlef Karl-Heinz G. bot vermeintlich lukrative Verträge an

Der 63-jährige Detlef Karl-Heinz G. aus Chemnitz galt bei Freunden und Nachbarn als liebenswerter, freundlicher Mann. Er arbeitete als Vermögensberater und Versicherungsvermittler, sodass niemand aus seinem Umfeld Verdacht schöpfte, als er für Stammkunden der DVAG plötzlich ein besonderes Angebot hatte. Die Kunden sollten ihr Geld bei ihm anlegen und sollten dafür 4,5 bis 9 Prozent Zinsen erhalten. Viele vertrauten G. ihr Erspartes an. Nun wurde der 63-Jährige wegen Betrugs zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Seine Frau, die auch von den Taten wusste, muss eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen leisten. Im Video sprechen ehemalige Bekannte über den unglaublichen Vertrauensbruch.

Kunden wurden mit ausgeklügeltem Schneeballsystem abgezockt

Ralf F. (65) war bis vor etwa fünf Jahren, als der Schwindel aufflog, gut mit Detlef Karl-Heinz G. befreundet. Auch er vertraute seinem Kumpel Geld an und wähnte es bei ihm in guten Händen. Doch hinter dem Rücken seiner Kunden hatte G. ein ausgeklügeltes Schneeballsystem in Gang gesetzt. Immer wenn jemand bei ihm einen angeblich sicheren Vertrag abschloss und Geld einzahlte, nahm der Berater den Betrag und zahlte ihn an ältere Kunden aus, sodass die zunächst keinen Verdacht schöpften und weiter einzahlten.

Einen Teil des Geldes behielt er auch für sich, aber nur um seine Lebenshaltungskosten zu decken, erklärte der Angeklagte vor Gericht. In seinem Betrug habe er auf Provisionsbasis gearbeitet, das habe nicht zum Leben gereicht. Ralf F. bestätigt, dass G. und seine Frau ein einfaches Leben geführt hätten. Trotzdem habe sich sein Freund gerne als großzügiger Gastgeber präsentiert. Er habe einen Sportverein mit Geld unterstützt und häufig Leute eingeladen – offenbar alles mit dem Geld seiner ahnungslosen Kunden.

Anita T. verlor ihre Altersvorsorge durch den Betrug

Auch Anita T. (66) bekam den Kontakt zu Detlef Karl-Heinz G. über Freunde vermittelt. "Ich habe ihm geglaubt", sagt sie im RTL-Interview. "Das hätte jeder geglaubt, so wie sein Auftreten war und in welcher Position er gearbeitet hat", meint sie. Tatsächlich dauerte es Jahre, bis die Betrügereien aufflogen. Erst als der Vermögensberater schwer erkrankte und sich mehreren komplizierten Operationen unterziehen musste, kam er mit den Zahlungen nicht mehr hinterher und das Kartenhaus, dass er aufgebaut hatte, brach nach und nach zusammen.

Freunden, Bekannten, Nachbarn und sogar seiner eigenen Familie schwatze er Fake-Verträge auf, die er mit den Briefköpfen der DVAG glaubhaft aussehen ließ. Vor Gericht musste er sich nun wegen Betrugs und Urkundenfälschung in 93 Fällen verantworten – dabei ging es um knapp 700.000 Euro. Ralf F. glaubt aber, dass noch mehr Leute betroffen sein könnten, die aber keine Strafanzeige gestellt hätten. "In seiner Insolvenz hat er noch Verträge geschlossen", erzählt er. Seinen Informationen zufolge soll sich sein ehemaliger Freund rund zwei Millionen Euro erschlichen haben.

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Betrüger wird wohl nie für den Schaden aufkommen können

Vor Gericht entschuldigte sich G. bei seinen Opfern. "Er macht sich zutiefst Vorwürfe", sagte sein Verteidiger im RTL-Interview. Dass er seine Schulden jemals zurückzahlen kann, ist unwahrscheinlich. "Er ist Sozialleistungsempfänger und wird nie für diesen Schaden aufkommen können", glaubt auch G.s Anwalt. Die Strafe wurde wegen des Alters und wegen der schweren Erkrankungen des Angeklagten zu Bewährung ausgesetzt.

Die Sprecherin des Landgerichts Chemnitz erklärte aber, dass der Staat trotzdem weiter versuchen werde, bei G. Geld zu pfänden. "Sofern da Gelder eingehen, wird man auch versuchen, die dann an die Betroffenen auszuzahlen", sagte sie.

Für Anita T. ist das ein schwacher Trost. Sie investierte rund 25.000 Euro bei dem Betrüger. Das Geld war ihre Altersvorsorge, die sie ihr Leben lang angespart hat, erklärt die Rentnerin. Sie hat keine große Hoffnung, das Geld noch mal wieder zu sehen. "Das habe ich abgeschrieben", sagt sie. Von G. ist sie maßlos enttäuscht, weil er ihr schamlos ins Gesicht gelogen habe. Sie hofft, dass sie den Mann nie wieder sehen muss. "Ich möchte mit ihm kein Wort mehr sprechen", sagt Anita T.