Unter Rechten leben

Wie ein kleiner Ort in Thüringen mit dem Zuspruch für einen Neo-Nazi umgeht

17. September 2019 - 19:51 Uhr

von RTL-Reporter Daniel Spliethoff

Tommy Frenck ist eine lokale Berühmtheit. Er ist im Kreis Hildburghausen in Südthüringen Betreiber einer Gaststätte, richtet Basare für Bedürftige aus und engagiert sich im Kreistag. Und: Er ist Neo-Nazi. Wie das Dorf mit dem großen Zuspruch für den Rechtsextremen umgeht, zeigen wir im Video.

Frenck betreibt Gasthaus in Südthüringen

Tommy Frenck spricht fränkisch, die bayerische Grenze ist hier in Kloster Veßra im Kreis Hildburghausen nah. Sein "K" klingt wie ein "G" und sein "T" wie ein "D". Das gibt allem, was er sagt, etwas Harmloses, manchmal sogar etwas Niedliches. Ich besuche ihn in seinem Gasthaus, dem "Goldenen Löwen".

Seit einiger Zeit richtet Frenck Basare aus, bei denen Bedürftige zum Beispiel nötigste Haushaltsgegenstände gratis oder für wenig Geld bekommen – er geht damit ganz bewusst in Konkurrenz zu der örtlichen Tafel. "Weil dort eben an die falschen Leute alles verteilt wird - und eben nicht mehr an die Einheimischen." Und wer ist falsch? "Es geht darum, dass die ganzen Flüchtlinge und die Leute, die von sozialen Einrichtungen, Kirchen und dem Staat dann eh schon alles in den Arsch geblasen bekommen, dass sie da eben nicht mehr von profitieren."

Neo-Nazi Frenck gibt den Menschen ein Feindbild

Frenck baut sich die Welt um sein Weltbild herum. Der Ausländeranteil hier beträgt knappe drei Prozent. Der weitaus größte Anteil der Menschen, die soziale Leistungen beanspruchen, hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Aber Frenck gibt den Menschen ein Feindbild, in diesem Fall eben Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind. Und das kommt an, zumindest bei sehr vielen Einwohnern Kloster Veßras.

Frenck hat sich erst kürzlich zur Wahl gestellt, als ein neuer Landrat gebraucht wurde: Er erhielt knappe 20 Prozent. "Der hat wenigstens was auf der Kirsche. Blöd ist der Mann nicht. Und warum ist er im Gemeinderat? Weil er endlich mal Veränderung reinbringt. Weil hier ist nämlich alles nur tote Hose", erzählt mir ein Anwohner, als ich durch das Dorf gehe.

Motto: "Bin Ich zu braun, bist Du zu bunt!"

Am Tag meines Besuchs richtet Frenck ein Konzert aus. Das macht er oft, mal groß mit bis zu 6.000 Besuchern aus der gesamten Republik, mal etwas kleiner, so wie heute. 100 Neo-Nazis tummeln sich in dem Garten hinter dem Gasthof. Alles ist schwarz-weiß-rot geflaggt, die Farben des Deutschen Reichs. Die Stimmung: reichlich vor-demokratisch. Auf der Bühne besingt ein Barde im braunen T-Shirt (Motto: "Bin Ich zu braun, bist Du zu bunt!") die weiße Haut seiner deutschen Frau.

Zum anderen Bild von Kloster Veßra gehört Thomas Jakob. Er tritt hier für die SPD an, aber heute leitet er vor allem das Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra. Er engagiert sich seit Jahren gegen Frenck: "Für viele sind wir natürlich auch einfach ein Störer, die halt in einer relativ beschaulichen Region trotzdem immer mediale Aufmerksamkeit ziehen, Leute hierherholen, bewusst sagen: Wir wollen das nicht!"