Angespannte Situation in der Klinik

Neue Mitarbeiter kriegen 5.000 Euro Prämie – alte nicht

03. November 2021 - 17:50 Uhr

Personal fühlt sich im Stich gelassen

Durch die Corona-Pandemie hat sich das Arbeitspensum in den Kliniken und auf den Intensivstationen um ein Vielfaches erhöht. Als wäre die Lage aufgrund des Fachkräftemangels und des demographischen Wandels nicht schon angespannt genug gewesen, hat sich die Lage nun deutlich verschlimmert. Um überhaupt noch genug Personal zu bekommen, zahlt das Universitätsklinikum Gießen neuem Personal bei Einstellung nun einen einmaligen Bonus von 5.000 Euro aus. Das alte Personal fühlt sich nun übergangen und ungerecht behandelt.

Überstunden häufen sich

Die medizinisch-technische Radiologieassistentin Regina Trampe arbeitet schon seit 30 Jahren in ihrem Beruf. Dass der Druck nun deutlich angestiegen ist, kann sie bestätigen. "Es ist so, dass ich Kopfschmerzen habe und Rückenschmerzen. Und es ist eigentlich immer so, dass die Kollegen einfach rennen. Es ist sehr unbefriedigend einfach zu wissen, ich kann nicht alles erledigen, was ich erledigen müsste", erzählt sie uns im Interview.

Regina Trampe hat allein in diesem Jahr 350 Überstunden angehäuft. Wie der 55-Jährigen geht es vielen Mitarbeitern am Uniklinikum Gießen Marburg, deshalb haben sie am Mittwoch gemeinsam demonstriert.

Gewerkschaft kritisiert Geldprämie

Laut Klinikdirektor Dr. Werner Seeger möchte man die Leistung derer anerkennen, "die sich dieser Aufgabe stellen wollen, und unter den anstrengenden Bedingungen einer Maximalversorgungsklinik zu arbeiten bereit sind".

Laut Gewerkschaft Verdi führe so ein einseitiger Bonus aber schnell zu Frustration: "Wir mussten wochen-, monatelang kämpfen, dass die Corona-Prämie am Uniklinikum ausbezahlt wird. Und dann sieht man, dass auf einmal 5.000 Euro in die Hand genommen werden, um neue Leute zu begrüßen. Das ist einfach Verarsche", erzählt uns Fabian Dzewas-Rehm von Verdi. (kmü)