Verzweifelt und kämpferisch

Ukrainischer Außenminister Kuleba bei Anne Will: "Wir opfern uns in diesem Krieg"

FILE PHOTO: Ukrainian Foreign Minister Dmytro Kuleba attends a news conference after meeting with his counterparts Russian Sergei Lavrov and Turkish Mevlut Cavusoglu, amid Russia's invasion of Ukraine, in Antalya, Turkey March 10, 2022. REUTERS/Murad
Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba war am Sonntag Abend der Sendung "Anne Will" zugeschaltet.
/FW1F/Diane Craft, REUTERS, MURAD SEZER

von Marko Schlichting

Der Krieg in der Ukraine wird immer brutaler. Russische Soldaten machen selbst vor Krankenhäusern nicht halt. Vor allem Kinder, Frauen und alte Menschen leiden, sind den russischen Angriffen wehrlos ausgeliefert.

Über die Auswirkungen des Krieges haben sich am Sonntagabend auch die Gäste bei Anne Will im Ersten unterhalten. Doch ihre Diskussion tritt völlig in den Hintergrund, als sich der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba zu Wort meldet. Mit seinen 40 Jahren gehört er zu den jungen Politikern. Er wird während der Sendung zugeschaltet, macht einen sympathischen, selbstbewussten und kämpferischen Eindruck. Doch gegen Ende des Interviews merkt man auch, wie verzweifelt er ist. Er fürchtet um seine Heimat, sein Land, sein Leben. Denn die ukrainische Hauptstadt Kiew steht unter Beschuss.

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"Wir werden kein Stück Territorium abtreten"

"Dies ist ein Krieg, in dem es um die Existenz des ukrainischen Staates geht", sagt Kuleba im Gespräch mit Anne Will. Und dennoch setzt er auf Friedensgespräche mit Russland. "Der russische Präsident Putin erlebt unerwartete Verluste", sagt Kuleba. Viele Soldaten verlieren ihr Leben, Ausrüstungsgegenstände werden zerstört, beschreibt er die Situation für die russischen Angreifer in seinem Land. "Das drängt Putin dazu, wenigstens ein bisschen seine Position zu ändern", sagt der Außenminister. Doch im Moment setze Russland seine militärische Kampagne in der Ukraine gnadenlos fort, bombardiere Städte, töte Zivilisten.

Eins ist für Kuleba klar: "Wir werden kein Stück unseres Territoriums abtreten und kein Stück unserer Souveränität aufgeben. Wir opfern uns in diesem Krieg, denn wir wissen, dass die Zukunft auf dem Spiel steht", sagt Kuleba. Und er meint nicht nur die Zukunft der Ukraine, sondern auch die Zukunft Europas. "Und wir werden weiter kämpfen", fügt er hinzu.

Waffen, Sanktionen, EU-Beitritt

Der Krieg muss so schnell wie möglich beendet werden. Das wünscht sich Kuleba. "Und da spielt auch Deutschland eine wichtige Rolle; Sie haben mit dazu beigetragen, die aktuelle Macht Russlands aufzubauen. Wir hoffen, dass sie viel leisten werden, um die russische Kriegsmaschinerie anzuhalten", appelliert Kuleba.

An Deutschland hat der Minister drei Wünsche. Da sind zunächst einmal Waffen. Die hätten deutsche Unternehmen bisher an Russland geliefert, sagt Kuleba. Man habe festgestellt, dass in russischen Militärfahrzeugen wichtige Teile von Bosch eingebaut gewesen seien.

Weiterhin sei wichtig, dass Deutschland bei der Verhängung weiterer Sanktionen gegen Russland eine führende Rolle spiele, statt als Bremser aufzutreten. Und schließlich bittet Kuleba die Bundesregierung, den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union zu unterstützen.

"Wir sehen jetzt das wahre Antlitz Russlands", sagt Kuleba am Ende des Gesprächs. "Unsere Kinder werden getötet, unsere Städte dem Erdboden gleich gemacht. Darum stoppen Sie Putin. Denn die Ukraine ist nicht das letzte Ziel für ihn."

Es dauert eine geraume Zeit, bis danach so etwas wie eine Diskussion in Gang kommt. Der Auftritt Kulebas hat alle Talkgäste berührt – und sicher auch manchen Zuschauer.

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