9/11-Überlebender erinnert sich

Harry Waizer fuhr im Aufzug nach oben, als das Flugzeug ins World Trade Center einschlug

11. September 2021 - 14:15 Uhr

Terroranschlag am 11. September: Feuerball trifft Harry Waizer im Gesicht

Wenn sich der Terror-Angriff auf die Vereinigten Staaten von Amerika zum 20. Mal jährt, ist das für Harry Waizer kein Tag wie jeder andere. Er gehört zu den Menschen, die unmittelbar von den Anschlägen betroffen waren und sie überlebt haben. Harry Waizer war gerade mit dem Fahrstuhl auf dem Weg in sein Büro im World Trade Center, als das erste Flugzeug in das Gebäude krachte. Vom Einsturz der Türme erfuhr er erst sieben Wochen später, als er aus dem Koma erwachte.

Zu Fuß schafft er es irgendwie 78 Stockwerke herunter

RTL-Reporterin Janina Beck hat den 70-Jährigen zum Interview getroffen. Waizer erzählt der Journalistin, dass er inzwischen nicht mehr jeden Tag an den 11. September 2001 zurückdenkt, obwohl der Tag in seinem Leben allgegenwärtig ist. "Es gibt Momente, da fühlt es sich sehr nah an. Irgendetwas passiert, ich sehe jemanden, ich fühle etwas, und es ist alles wieder da", sagt er.

Dann erzählt er davon, wie er im Aufzug steht, der ihn in sein Büro im 104. Stock des Wolkenkratzers bringen soll. Er weiß nicht, dass wenige Meter oberhalb ein Flugzeug einschlägt. "Durch den Aufzugsschlitz hat mich ein Feuerball im Gesicht getroffen", erinnert er sich.

Töchter dürfen ihren Vater zwei Monate lang nicht sehen

Kate und Harry Waizer
Kate und Harry Waizer

Wie er aus dem Fahrstuhl kommt, weiß er nicht mehr. Waizer schafft es irgendwie zu Fuß die 78 Stockwerke nach unten. Er ist schwer verletzt, 95 Prozent seiner Haut sind verbrannt. Ärzte geben ihm kaum eine Überlebenschance. Unzählige Operationen folgen. Als er Wochen später aus dem Koma erwacht, dürfen seine Töchter ihn zwei Monate nicht sehen. Mutter Karen hat Angst, dass sie ihren Vater abscheulich finden und sich erschrecken könnten, erzählt sie.

Harry Waizer verliert am 11. September 2001 650 Kollegen seiner Steuerkanzlei. Es habe lange gedauert, bis er die Kraft aufbrachte, die Ehemänner und Ehefrauen seiner ehemaligen Kollegen anzurufen, sagt er. "Ich war traurig und habe mich schuldig gefühlt." Schuldig, weil er überlebt hat.

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20 Jahre später überlebt er auch eine schwere Covid-Erkrankung. Seine Ehefrau Karen, berichtet Janina Beck über die bangen Stunden - damals, nach den Anschlägen und jetzt in der Pandemie. Harry Waizer ist mit sich im Reinen, berichtet unsere Reporterin. "Er ist ein Mann, der soviel Glück und Zufriedenheit auszahlt wie kaum ein anderer", findet sie.

Der 11. September hat ihn äußerlich gezeichnet, an seiner inneren Einstellung aber nichts verändert. Er verspürt keinen Hass, keine Wut, keine Rachegelüste. "Wir wissen nicht, wie alles wäre, wenn das nie passiert wäre. Alles ist gut und das ist genug", sagt er. Und lacht. (cgn, uvo)