Spanisches „Las Luminarias“: Forcierte Feuertaufe für Tiere

Tierquälerei oder Tradition? Pferde werden für Aberglaube durch Flammen getrieben

Pferde werden bei Festival durch Flammen geritten Tierquälerei in Spanien
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Tierquälerei in Spanien
Pferde werden bei Festival durch Flammen geritten

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Der 16. Januar ist für die Bewohner von San Bartolomé de Pinares in Spanien von großer Bedeutung. Denn dann wird das 600-Seelen-Örtchen zum Schauplatz einer großen Tradition – die allerdings sehr umstritten ist. Die Hauptattraktion des Festes mit dem Namen „Las Luminarias“ sind nämlich Pferde, die von ihren Reitern durch große Lagerfeuer getrieben werden. Wie die Tiere durch die Flammen galoppieren, zeigen wir im Video.

Feuer-Zeremonie „Las Luminarias“ wird am 16. Januar groß gefeiert

Um die 100 Pferde haben auch an diesem 16. Januar in San Bartolomé de Pinares eine sogenannte forcierte Feuertaufe erlebt. Bei der traditionellen „Luminarias“-Zeremonie zu Ehren des heiligen Antonius, dem „Schutzpatron der Bauern und Nutztiere“, springen Pferde durch große Lagerfeuer, die in den Straßen entzündet werden. Das „Fest“ wird in der kleinen Gemeinde nördlich von Madrid schon seit rund fünf Jahrhunderten gefeiert – ursprünglich als rituelle Reinigung: Der Rauch der Flammen soll die Tiere vor Krankheiten schützen und das ganze Jahr über gesund halten. „Es kann auch für Menschen funktionieren“, sagt die Festival-Assistentin Almudena Gomez der Nachrichtenagentur „Reuters“ vor Ort.

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Kritik von Tierschützern trifft im traditionsreichen Spanien auf wenig Einsicht

Viele Reiter galoppieren mit den Pferden durch Sträucherhaufen, die in hohen Flammen stehen
Viele Reiter galoppieren mit den Pferden durch Sträucherhaufen, die in hohen Flammen stehen
www.imago-images.de, IMAGO/ZUMA Wire, IMAGO/Guillermo Gutierrez

Tierschutz-Organisationen kritisieren die abergläubische Tradition seit Jahren. Doch die Organisatoren von „Las Luminarias“ beteuern laut „Reuters“ immer wieder, dass das Wohl der Pferde nicht gefährdet werde und die Tiere nicht leiden würden. Unter anderem reibe man sie mit einer schützenden Wachs-Schicht ein. Außerdem würden ihnen die Mähne und der Schweif geschoren oder zusammengebunden, damit es nicht zu Verbrennungen käme. Bislang ist noch nicht dokumentiert, dass ein Tier ernsthaft zu schaden gekommen wäre. Anzeigen gegen die Veranstalter sind deshalb bereits mehrfach gescheitert.

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Viele Einheimische wiederum sind von der Tradition tief überzeugt. „Für uns ist Las Luminarias mehr als eine Party, es ist ein Gefühl. Und deshalb kümmern wir uns um die Pferde das ganze Jahr über. Sie werden nicht schlecht versorgt“, meint eine Festival-Besucherin, die selbst reitet.

Ganz freiwillig machen die Tiere das „Ritual“ aber wohl auch nicht mit. Ihre Reiter treiben die Pferde teilweise mitten durch hohe Feuerhaufen, begleitet von Trommelmusik. In Spanien, wo Traditionen wie der Stierkampf oder das Gänseköpfen noch immer popluär sind, zieht „Las Luminarias“ jährlich viele Besucher an. (lmc)