„Ein guter Tod"

Weideschlachtung für den Tierschutz: Damit auch in Deutschland Rinder nicht unnötig gequält werden

15. November 2019 - 11:00 Uhr

Schlachten auf der Weide: Eine Win-win-Situation?

Videos von Tierschützern über grausame Bedingungen in Schlachthöfen rütteln immer wieder auf. Immer mehr Bauern in Deutschland und dem umliegenden Ausland erschießen ihre Rinder daher direkt auf der Weide. Das erspart den Tieren viel Stress und soll auch die Qualität des Fleisches verbessern. Ist das der Weg in eine tiergerechte Schlachtung?

Im Video zeigen wir, wie die tiergerechte Schlachtung auf der Weide aussieht.

Die Schweiz macht es vor: die Weideschlachtung

Früher einmal war es ganz normal, dass Landwirte ihre Tiere auf dem eigenen Hof schlachten. Mittlerweile werden die allermeisten Tiere in großen Viehtransporten kilometerweit auf Schlachthöfe transportiert und dort der klinischen Atmosphäre und dem damit einhergehendem Stress ausgesetzt.

"Vor ihrem Tod sind manche Tiere so angespannt, dass sie mit Muskelkater sterben. Ihr Fleisch ist dunkel, zäh und trocken", sagt Eric Meili vom Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Er berät Landwirte in der Schweiz dabei, wie sie die Schlachtung möglichst stressfrei in ihren Alltag integrieren können.

Die Schweizer Gesetze erlauben es Bauern voraussichtlich ab 2020, ihr Vieh mit einem Gewehr oder einem Bolzenschuss zu töten. Wichtig dabei ist, dass die strengen zeitlichen Richtlinien eingehalten werden: Vom tödlichen Schuss bis zum Zerteilen des Tiers beim Metzger dürfen aus hygienischen Gründen maximal 45 Minuten vergehen.

Deutsche Bio-Bauern nutzen ein Schlupfloch

Hierzulande ist das Töten durch ein Gewehr nur bei den Tieren erlaubt, die ganzjährig auf der Weide leben. Doch es tut sich was in Sachen Tierschutz. Die "teilmobile Schlachtung" ermöglicht Landwirten, ihren Tieren zumindest den Viehtransport zu ersparen.

Der Metzger kommt dabei mit einer mobilen Schlachtbox zum Rind. Denn das Hygienegesetz sieht vor, dass alle Tiere lebend in einen EU-zugelassenen Schlachthof gebracht werden müssen. Mit der mobilen Box kann dieses Gesetz clever ausgedehnt werden.

Für den Bauern entstehen Mehrkosten, doch die sind vor allem für viele Bio-Landwirte unerheblich. Sven Lindauer ist Rinder-Bauer in Hessen und hat sich die Kosten für seine Fleischproduktion ausgerechnet: Pro Kilo Schlachtgewicht sind es 30 bis 50 Cent mehr. Zumindest seine Kunden würde das nicht abschrecken. Darüber hinaus ist er sich sicher, dass der Anteil an Fleisch aus Hofschlachtung in den kommenden Jahren wachsen werde.

Fleischessen für den Tierschutz

Eric Meili hat auch ermittelt, wie sich die Ernährung der mehr als acht Millionen Schweizer ändern würde, wenn alle Rinder im Land wie beim Schweizer Landwirt Nils Müller leben und sterben dürften; also kein Kraftfutter oder Soja bekämen und nur mit Gras und Heu gefüttert würden.

Auf den Tisch kämen pro Woche und Person: 3,5 Liter Milch, 110 Gramm Butter, 150 Gramm Käse und 300 Gramm Rindfleisch. Meili sagt: "Niemand würde verhungern, und viele meiner Landsleute wären dazu auch noch gesünder. Wir wären weiterhin Fleischfresser, allerdings mit starkem vegetarischen Akzent."

Mehr zum Thema „Ein guter Tod“

Die ganze Geschichte über den Weg zurück zum natürlichen Schlachten finden sie ab heute im Stern und bei Stern Plus.