Tempolimit zum Wohle der Umwelt?

So ignorant reagiert Deutschlands Verkehrsminister auf den Vettel-Vorschlag

Andreas Scheuer (l.) kann mit Sebastian Vettel als Absender der Tempolimit-Forderung offenbar recht wenig anfangen.
Andreas Scheuer (l.) kann mit Sebastian Vettel als Absender der Tempolimit-Forderung offenbar recht wenig anfangen.
© Imago Sportfotodienst

14. Oktober 2021 - 9:24 Uhr

Ein Kommentar von Sebastian Hochrainer

Milliarden Euro versenkt, aber noch immer für einen Spruch zu haben! Verkehrsminister Andreas Scheuer hat auf die Forderung von Sebastian Vettel, ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen zum Wohl der Umwelt einzuführern, reagiert und die Glaubwürdigkeit des viermaligen Formel-1-Weltmeisters angezweifelt. Dabei steht Scheuers Politik derart unter Beschuss, dass er selbst jeden Rat gebrauchen könnte.

Auch Rennfahrer können sich für die Umwelt einsetzen

Sebastian Vettel hat es wahrlich nur gut gemeint. Über die mögliche Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen in Deutschland sagte er der "Bild": "Jedes Leben zählt. Ich fühle mich auch nicht in meiner Freiheit beschnitten, wenn ich in die Türkei, in die USA oder nach Großbritannien komme." Denn solche Geschwindigkeits-Einschränkungen gibt es überall, nur eben nicht in Deutschland. "Ich fahre gerne schnell, sonst hätte ich einen anderen Beruf ergriffen. Aber wenn man das tun möchte, sollte man es auf einer Rennstrecke tun."

Die Kritiker kamen schnell hervor. Vettel, der Rennfahrer, der mit über 300 Kilometern pro Stunde über den Pisten braust, fordert ein Tempolimit – damit die Umwelt weniger belastet wird. Vettel kämpft schon lange dafür, und das obwohl er in der Formel 1 dabei ist. Er ist auch einer derjenigen, die sich immer wieder dafür einsetzen, dass der Sport klimafreundlicher wird. All das ist aber egal, wenn der Mann, der das Tempolimit (noch) beschließen würde, einen solchen Rat hört.

Tempolimit würde positive Wirkung haben

Andreas Scheuer, Deutschlands Verkehrsminister, reagierte auf den Vettel-Vorschlag recht verschnupft. "Wohnort in der Schweiz, mit dem ganzen Tross eines Formel-1-Teams in der Welt unterwegs, viele Flüge jedes Jahr – ich gehe fest davon aus, dass Sebastian Vettel selbst und sein Arbeitgeber Aston Martin den eigenen Ausstoß an klimaschädlichen Gasen ausgleichen, indem sie CO2-Zertifikate aus Klimaschutzprojekten kaufen", sagte Scheuer voller Sarkasmus.

Schade eigentlich, dass sich Politiker noch immer so sehr gegen mögliche Maßnahmen wehren. Zumal Scheuer selbst kein unbeschriebenes Blatt ist. Mit seiner gescheiterten LKW-Maut hat er Milliarden Euro an Steuergeldern versenkt. Außerdem leidet die Umwelt auch unter seiner Politik, ein Tempolimit von 130 km/h würde laut Studie jährlich 1,9 Millionen Tonnen Treibhausgabe einsparen. Wenn das ein Formel-1-Fahrer vorschlägt, ist das aber offenbar keine Überlegung wert, sondern eher einen dummen Spruch…