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„Team Wallraff“: Bewohnerin aus Alloheim Dormagen beschreibt ihr Leid mit durchnässten Einlagen

Urin, Blut und Dreck - würdelos im Pflegeheim

„Einen Tag habe ich geschwommen im Wasser“: Bewohnerin aus Alloheim Dormagen beschreibt ihr Leid

Eine ältere Dame in der Alloheim Senioren-Residenz Dormagen beschreibt ihr Leid mit dem Warten auf einen Einlagenwechsel eindrücklich: „Einen Tag, da habe ich geschwommen im Wasser. Alles war nass, was ich anhatte. Alles war nass“. Wasser steht in ihrer Beschreibung für Urin. Die bettlägerige Frau erzählt der „Team Wallraff“ -Reporterin Judith, dass sie nicht zum ersten Mal auf den Einlagenwechsel wartet. „Ich bin jetzt das fünfte Jahr hier. Am Anfang, da war alles prima. Da war eine Harmonie unter Patienten und Pflegern, das war wunderbar. Das ist alles hin.“ Ein Eindruck, den die Undercover-Reporterin auch in anderen Bereichen hat.

Alloheim Dormagen: Reporterin Judith entdeckt eingetrocknete Flecken - und sucht nach frischen Laken

Am Morgen ihres ersten Tages im Pflegepraktikum hilft Judith einer Bewohnerin, die ins Bett gemacht hat. „Die Flecken im Bett wirken nicht neu, sondern schon alt und eingetrocknet. Ich bin verwundert, dass das Bett noch nicht frisch bezogen wurde“, sagt die „Team Wallraff“-Reporterin, die sich sofort auf die Suche nach frischen Bettlaken macht.

Doch während die ältere Dame schon sagt, dass es im Zimmer keine Laken gebe, wird die Pflegepraktikantin auch auf dem Flur nicht fündig. Fehlanzeige – kein einziges frisches Laken auf der Station der Bewohnerin. Erst auf einer anderen Station, zu der Judith sich durchfragt, findet sie nach über einer Stunde langer Suche frische Bettwäsche.

Als sie endlich das Bett der älteren Dame frisch beziehen kann, wird sie von der Dankbarkeit übermannt. Die Seniorin ist so glücklich, dass sie die Pflegepraktikantin umarmt und sagt: „Ich bin ja ganz alleine. Wenn ich da mal was habe, dann komme ich zu Ihnen.“

Alloheim widerspricht Gewinnmaximierungs-Vorwürfen

Ein Pfleger, der Judith beim Suchen geholfen hat, präsentiert seine Erklärung für teilweise Mängel bei Verbrauchsgegenständen: „Sagen wir mal so: Das Alloheim und all die großen Firmen sind alles Kapitalanlagen. Da kommen Investoren, die investieren in das Alloheim als geschlossenes System. Und die ganzen Investoren wollen natürlich auch irgendwann ihre Kohle wieder haben. Das heißt: minimalste Versorgung.“

Der Heim-Betreiber widerspricht dem Vorwurf, Alloheim spare zur Gewinnmaximierung an Qualitätsaspekten, schriftlich: „Diese Unterstellung ist falsch und entbehrt jeder Grundlage.“ Zum Bettlaken-Mangel schreibt Alloheim: Der wöchentliche Wäscheverbrauch (…) wird kontinuierlich analysiert und angepasst (…). Zu unserem Bedauern kam es im August 2021 in Dormagen aufgrund eines (…) individuellen Fehlers übergangsweise dazu, dass die zentrale Reserve nicht ausreichend gefüllt war.“

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Pflegerin wischt Blut mit Nachthemd der Heimbewohnerin ab

Eine abgemagerte Dame muss besonders behutsam gewaschen werden, sie kann sich auf Grund einer Erkrankung nicht mehr alleine bewegen. „Team Wallraff“-Reporterin Judith fällt dabei Blut am Blasenkatheter der Frau auf: „Es blutet noch mehr. Da ist ordentlich was.“ Die Pflegerin wischt das Blut mit dem Nachthemd der Patientin weg. Judith spricht sie darauf an – die Antwort der Pflegerin: „Ja, was soll ich machen jetzt? Ich habe keine Kompresse.“

Alloheim äußert sich dazu: „In unseren Einrichtungen (…) steht immer ein ausreichender Vorrat an medizinischem Material zur Verfügung. Für Erstversorgungen hält die Einrichtung unter anderem sterile Verbandsmaterialien (…) vor (…). Dies war auch im August 2021 durchgehend und nachweislich der Fall. Qualität und Wirtschaftlichkeit bedingen sich gegenseitig. Alloheim spart nicht an Qualität und auch nicht an Material.“

Video-Playlist zu „Team Wallraff"

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Pflege-Expertin Würtz: „Auch ein dementer Mensch kann durchaus Scham empfinden"

Günter Wallraff hat mit Pflege-Expertin Andrea Würtz über die Beobachtungen der Pflegepraktikantin Judith im Dormagener Alloheim gesprochen. Sie hat eine deutliche Meinung zu den Aufnahmen der bettlägerigen Frau, die beschreibt, „im Wasser geschwommen“ zu haben: „Und auch sie hat eigentlich keine Chance, aktiv an einer Veränderung mitzuwirken. Sie hat es jetzt einmal erzählt, aber wer hört ihr denn sonst zu?“

Alloheim erklärt: „Aufgrund des unterschiedlichen Ausscheidungsverhaltens der Bewohner kann kein fester Turnus festgelegt werden. Das Inkontinenzmaterial wird bei allen Kontrollgängen, Toilettengängen oder wenn sich der Bewohner meldet kontrolliert.“

Expertin Würtz sagt: „Der Toilettengang ist ein Grundbedürfnis. Wir reden hier nicht von wirklich pflegespezifischen Fachthemen, sondern wir reden hier von einem Grundbedürfnis.“ Und sie betont: „Auch ein dementer Mensch kann durchaus Scham empfinden, ja?“ Würtz erklärt im Interview mit Günter Wallraff, wer ins Pflegeheim gehe, verkleinere seinen Wohnraum für mehr Geld und gebe dabei viele Persönlichkeits- und Menschenrechte ab. (swi)