Kampf gegen das Perioden-Tabu

17-Jähriger entwickelt nachhaltige Binden für Schulmädchen in Afrika

© Ziyaan Virji/ AASW

18. Oktober 2019 - 15:58 Uhr

Menstruation ist für viele Mädchen eine große Hürde

Zwar ist die Menstruation Teil des Alltags einer Frau, in vielen Länder ist sie für Mädchen und Frauen aber gleichzeitig eine große Hürde: In vielen afrikanischen Ländern ist sie noch ein absolutes Tabuthema. In manchen Regionen der Welt gelten Mädchen während ihrer Menstruation sogar als unsauber, sollen das Haus in dieser Zeit nicht verlassen. Laut der Hilfsorganisation Plan International brechen 20 Prozent der Mädchen in Indien die Schule ab, sobald sie ihre Periode haben. In vielen Ländern Afrikas können sie jeden Monat vier bis fünf Tage lang nicht zur Schule gehen - weil sie nichts haben, mit dem sie in der Zeit den Blutstrom aufhalten können.

Ein Umstand, den Ziyaan Virji endlich ändern will. Der 17-jährige Schüler aus Tansania hat eine wiederverwendbare Binde entworfen - und arbeitet jetzt daran, möglichst viele Schulmädchen mit seinem Hygieneset auszustatten.

Die Binde hält bis zu drei Jahre und ist biologisch abbaubar

"Ich habe von Frauen gelesen, die sich während ihrer Periode mit alten Klamotten, Blättern, Sand oder Taschentüchern behelfen", erzählt Ziyaan gegenüber "ze.tt". Vor zwei Jahren nahm er sich - ursprünglich im Rahmen eines Schulprojekts - vor, günstige und nachhaltige Hygieneartikel zu entwerfen und damit möglichst vielen Mädchen und Frauen zu helfen.

Nach der Entwicklung eines Binden-Prototyps aus Watte und Flanell, den er an Schülerinnen in seinem Heimatort Dar es Salaam in Tansania verteilte, wollte er mehr: Er gründete die Initiative "Affordable and Accessible Sanitation for Women" (AASW), deren Leiter er heute ist. Zusammen mit ein paar Bekannten entwickelte Ziyaan eine Binde, die zwischen fünf und acht Dollar kostet, komplett biologisch abbaubar ist und bis zu drei Jahre lang hält.

Die bunten Binden erinnern eher an ein kleines Handtuch

Bunte nachhaltige Binde
Der bunte Stoff der Binde erinnert eher an ein kleines Handtuch.
© AASW

Und das funktioniert so: Die nachhaltige Binde kann mit Seife ausgewaschen und danach wiederverwendet werden. Sie besteht aus Baumwolle und einem festen, bunt bedruckten afrikanischen Stoff namens Kitenge. Teil des Hygiene-Sets ist auch eine Unterhose aus nylonartigem Material, in deren Einschub die Binde platziert wird. Diese ist absichtlich nicht klinisch weiß, sondern in bunten Farben gehalten und erinnert in ihrer Form eher an ein kleines Handtuch: "Falls die Frauen und Mädchen unterwegs sind und ihre Binde waschen müssen. Vielen wäre es zu unangenehm, etwas zu waschen, das nach Menstruationsprodukten aussieht", sagt Ziyaan.

Jedes der nachhaltigen Hygiene-Sets, die kostenlos an Schulmädchen verteilt werden, enthält zwei Unterhosen, acht Stoffbinden, antiseptische Seife sowie eine wasserdichte Tasche, um gebrauchte Binden unterwegs transportieren und später reinigen zu können.

Tabu um das Thema Periode soll endlich gebrochen werden

Zu der Initiative gehören mittlerweile Teams in Tansania, Indien, Kenia, Nigeria, den Vereinigten Emiraten und Pakistan. Sie organisieren sich vorwiegend über das Internet und finanzieren sich durch Spenden. Die Jugendlichen dort statten nicht nur Mädchen mit Binden aus, sie geben auch Workshops an Schulen, um Kinder und Jugendliche besser aufzuklären - und um endlich das Tabu zu brechen, das das Thema Menstruation immer noch umgibt. Ihr Ziel: Kein Mädchen soll darunter mehr leiden müssen.

Für Ziyaan selbst ist es wichtig, als junger Mann einen anderen Blickwinkel zu bieten und andere Männer aufzurütteln: "Ich weiß nicht, wie sich die Periode anfühlt, ich weiß nicht, wie es ist, deshalb nicht zur Schule gehen zu können. Aber ich sehe, wie groß die Auswirkungen sind."