"Piks-Prämie"

Supermarkt-Chef belohnt Impfung: 200 Euro bekommt jeder geimpfte Mitarbeiter

19. September 2021 - 9:45 Uhr

Brauchen wir mehr Impfanreize?

Die Impfkampagne ist ins Stocken geraten. Millionen Menschen sind immer noch ungeimpft. Braucht es deshalb jetzt mehr Anreize für die, die sich bisher nicht Impfen lassen wollen? Currywurst, Fußballtickets oder Geld – ist all das der richtige Anreiz? Und wäre eine solche Prämie dann nicht unfair für die, die schon geimpft sind? Ein Regensburger Supermarkt macht es jetzt vor: 200 Euro gibt es für Jeden, der sich bis Mitte Oktober impfen lässt. Und das Beste: Das Geld gibts auch für die Mitarbeiter, die schon geimpft sind. Die ungewöhnliche Aktion – im Video.

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200 Euro Solidaritätsprämie

"Er ist eigentlich der beste Chef der Welt", sagt Marktleiter Arbnor Bytyqi über seinen Chef Raphael Dirnberger. Denn der hat seinen Mitarbeitern einen ganz besonderen Anreiz gegeben, sich jetzt noch schnell Impfen zu lassen. Wer dem Chef des Supermarkts bis zum 11. Oktober vorlegen kann, dass er sich vollständig hat impfen lassen, der bekommt 200 Euro netto. Und das gilt auch für Mitarbeiter, die bereits geimpft sind. 25 Euro gibt es für Minijobber. Knapp 40.000 Euro kostet den Supermarkt die so genannte "Solidaritätsprämie" für ihre Mitarbeiter.

Aber Chef Raphael Dirnberger ist es das definitiv wert: "Ich sehe es ganz klar so wie die Wissenschaft: Dass das Impfen für uns die einzige Chance ist, um aus dieser ganzen Scheiße jetzt einfach mal rauszukommen."

Belohnung statt Impfanreiz

Für Dirnberger hat die Aktion primär eigentlich nichts mit einem "Impfanreiz" zu tun. Er möchte seine geimpften Mitarbeiter belohnen, ihnen seine Wertschätzung deutlich machen: "Einfach die Leute belohnen, die sich freiwillig selber schützen, die die anderen Mitarbeiter schützen und auch den Kunden."

Schließlich haben geimpfte Mitarbeiter auch mehr Vorteile für das eigene Unternehmen: Sie werden mit geringerer Wahrscheinlichkeit krank, müssen nicht in Quarantäne und fallen so also auch weniger aus.

Win-Win also für Mitarbeiter und den Chef? "Ich finde das zeigt uns einfach, dass der Chef uns wertschätzt," bewertet Mitarbeiterin Elisa Unrath die Aktion. Sie selbst, wie viele andere ihrer Kollegen seien zwar schon vor Ankündigung der Prämienaktion geimpft gewesen, doch trotzdem konnten wohl einige Impfunwillige überzeugt werden. Knapp 95 Prozent der Angestellten des Supermarkts seien jetzt durchgeimpft, schätzt sie.

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© dpa, Federico Gambarini, fg sb

Auch Chef Dirnberger hat für die Aktion ausschließlich positives Feedback erhalten. Und so wie es aktuell aussieht, wird sich der allergrößte Teil seiner Mitarbeiter impfen lassen: "Diese 200 Euro waren der letzte Anreiz, den es gebraucht hat. Also vielleicht bringt in der Hinsicht dann schon auch etwas, dass sich mehr Leute impfen lassen."

Die "Piks-Prämie" – eine Strategie für andere Arbeitgeber oder sogar den Staat?
Schon 100 Euro könnten die Impfquote um zehn Prozent anheben - schätzt eine aktuelle Studie des Helmholtzinstituts. In die Staatskasse will aber auch Gesundheitsminister Jens Spahn dafür nicht greifen. Wenn Arbeitgeber – wie Supermarktchef Dirnberger – das tun, könnte man sich das allerdings schon besser vorstellen: "Das kann man meinetwegen gerne auch steuerlich fördern, könnte ich mir gut vorstellen, würde ich gerne mit Herrn Scholz einen entsprechenden Vorschlag machen", sagt der CDU-Politiker. (khe)