Neue Studie zur Corona-Impfung

Wer sind die Ungeimpften?

Die Bundesregierung hat zu einer bundesweiten Impfaktion aufgerufen.
Die Bundesregierung hat zu einer bundesweiten Impfaktion aufgerufen.
© imago images/epd, Rolf Zoellner via www.imago-images.de, www.imago-images.de

17. September 2021 - 9:26 Uhr

Wer zögert? Wer verweigert? Wer darf gar nicht?

Immer wieder sind sie Thema: Die Ungeimpften. Im Kern steht die Frage: Wie schaffen wir es, diese Gruppe von Menschen davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen, um endlich die langersehnte Herdenimmunität zu erreichen. Und um das zu beantworten muss man natürlich eins wissen: Wer sind diese Menschen überhaupt? Wer zögert, wer verweigert, wer darf gar nicht? Eine aktuelle Studie zeigt: Es ist eine Gruppe von Menschen mit völlig unterschiedlichen Motivationen. Die Details:

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Gründe gegen eine Corona-Impfung sind unterschiedlich

Die Impfkampagne in Deutschland gerät immer mehr zur Enttäuschung. Knapp über 62 Prozent der Bevölkerung sind bisher vollständig geimpft. Sollte die Impfquote sich nicht deutlich steigern lassen, rechnet das Robert-Koch-Institut (RKI) mit Tausenden Intensivpatienten in den kommenden Monaten. Bereits jetzt füllen sich die Intensivstationen wieder mit Covid-19-Patienten. Die am Montag gestartete bundesweite Impfaktionswoche soll daher neuen Schwung in den Impffortschritt bringen. Doch was weiß man eigentlich über jene, die noch umgestimmt werden sollen?

Ganz klar: Wegen des höheren Risikos richtete sich die Impfkampagne zuerst an die ältere Bevölkerung. Die Impfquote ist hier deshalb höher. Nur rund 13 Prozent der über 60-Jährigen sind ungeimpft; in der Altersgruppe zwischen 18 und 59 Jahren ist es schon jeder Dritte. Bei den 12- bis 17-Jährigen sind es noch gut 70 Prozent, allerdings war für sie die Impfung erst Mitte August empfohlen worden. Und Kinder unter 12 Jahren können noch gar nicht geimpft werden.

Aber nicht alle derzeit noch Ungeimpften lehnen eine Impfung grundsätzlich ab. Laut einer aktuellen Cosmo-Studie sind ungefähr 20 Prozent dieser Gruppe durchaus willens, sich noch impfen zu lassen. "Das sind glaube ich die, die sehr gut erreichbar sind durch die Aktion in dieser Woche", sagte die Leiterin der Cosmo-Studie, Cornelia Betsch von der Universität Erfurt.

Die meisten Ungeimpften sind Impfverweigerer

Allerdings offenbart die Umfrage auch: Die meisten Ungeimpften sind mittlerweile Impfverweigerer. Ihr Anteil an der Bevölkerung verringerte sich seit dem Jahreswechsel zwar um mehr als die Hälfte auf knapp 10 Prozent. Unter den Ungeimpften machen sie mit 56 Prozent aber den größten Anteil aus. Es ist jedoch eine Gruppe, die nicht so recht unter einen Deckel passt. In ihr seien vor allem viele Frauen, Jüngere, Menschen mit niedrigerer Bildung und Menschen, "die niemanden kennen, die oder der schon Covid-19 hatte", so Betsch. Auch Ostdeutsche und Menschen mit Migrationshintergrund zählt sie zu jenen, die noch erreicht werden müssten.

Was sind die Gründe?

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  • Bei den Jüngeren spiele natürlich eine Rolle, dass diese noch nicht so lange ein Impfangebot hätten, so Betsch. Aber beim Alter spiele auch der individuelle Nutzen der Impfung eine Rolle. "Nehme ich wahr, dass ich das jetzt brauche oder denke ich, dass es mich sowieso nicht so stark treffen wird?"
  • Bei der Befragung von Schülern sei zudem beobachtet worden, dass Fragen rund um die Fruchtbarkeit extrem relevant seien, so Betsch. "Ich würde sagen, dass die Frauen sich da ein bisschen zurückhalten, kann auch damit zusammenhängen."
  • Die Cosmo-Studie fördert zudem ein Ost-West-Gefälle bei der Impfbereitschaft in Deutschland zutage. Was mit einem Blick auf die Impfquoten der Bundesländer nicht verwunderlich ist: In allen ostdeutschen Bundesländer - bis auf Mecklenburg-Vorpommern - liegt die Quote der vollständig Geimpften derzeit noch unter 60 Prozent. In allen westdeutschen Bundesländern darüber. In Sachsen sind sogar erst knapp über 53 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. "Die Impfbereitschaft in Ostdeutschland ist signifikant niedriger als in Westdeutschland", so die Studie. Ostdeutsche Befragte hätten "geringeres Vertrauen in die Impfung, halten die Impfung eher für überflüssig.

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"Migranten mit hoher Bildung sind geimpft"

  • Eine geringere Impfbereitschaft unter Menschen mit Migrationshintergrund zeichnete sich bereits in der frühen Phase der Impfkampagne ab. Die vorletzte Covimo-Studie des RKI, welche Ende Juni erschien, bestätigte die Befürchtungen: Die Impfquote unter Erwachsenen mit Migrationshintergrund war Anfang Juni mit 51 Prozent deutlich niedriger als bei jenen ohne Migrationshintergrund.
  • Der Berliner Amtsarzt Nicolai Savaskan warnte jedoch Anfang August in einem Interview mit der "Welt" vor falschen Schlüssen. "Statistiken zeigen: Je niedriger der Bildungs- und Sozialstatus, desto schlechter der gesundheitliche Zustand", so Savaskan. Dies gelte unabhängig von der Ethnie, der Anteil der Migranten unter den Einkommensschwachen sei jedoch hoch. Zu sagen, nur Migranten ließen sich seltener impfen, sei daher "ein Fehlschluss à la Thilo Sarrazin", meinte Savaskan. "Unsere Erfahrung zeigt: Migranten mit hoher Bildung sind geimpft."

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Nicht impfen eine Möglichkeit, Unzufriedenheit mit Regierung auszudrücken

  • Der Unwille, sich impfen zu lassen, hat aber auch eine politische Komponente, ergab die Cosmo-Studie. Denn für fast jeden Fünften unter den kaum Impfbereiten sei das Nichtimpfen eine Möglichkeit, die Unzufriedenheit mit der Regierung auszudrücken. Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland gebe es dabei nicht. Etwa die Hälfte der wenig Impfbereiten möchte sich zudem nicht impfen lassen, weil sie sich gedrängelt fühlen. Eine weitere Ernüchterung: Mehr als jeder Dritte unter den Ungeimpften schließt laut der Studie eine Impfung unter allen Umständen aus.

Alle erwähnten Studien sind jedoch mit Unsicherheiten verbunden. So wird in der Cosmo-Studie betont, dass die Teilnehmer dem Impfen vermutlich positiver gegenüber eingestellt seien als die Allgemeinbevölkerung - wodurch der Anteil der Impfunwilligen sogar noch unterschätzt sein könnte.

Dieser Text erschien zunächst bei ntv.de