Baby Jonna stirbt kurz vor der Geburt

Sternenmama Sonja: "Du kannst nicht mal mehr ein Telefon bedienen"

06. Januar 2021 - 8:17 Uhr

Eine Mutter bricht das Schweigen vieler Betroffener

Offen über Kinder zu sprechen, die kurz vor oder kurz nach ihrer Geburt sterben, ist in unserer Gesellschaft zwar kein Tabuthema, aber dennoch eines, über das viele nicht so gern sprechen. Und gerade dieses Schweigen macht es für Betroffene oft noch schwerer, das Erlebte zu verarbeiten. Sonja Völkner ist eine von ihnen – eine Sternenmama.

Wie sie den Tod ihrer Tochter Jonna erlebt hat und wie sie heute mit dem Schmerz lebt, sehen Sie im Video.

Über den Verlust zu sprechen kostet Kraft

Vier Monate ist es her, dass Sonja Völkner und ihr Mann den schlimmsten Tag ihres Lebens durchleiden mussten. Ihre zweite Tochter Jonna stirbt Ende August 2020 kurz vor ihrer Geburt. "Wir haben uns unser Leben ganz anders ausgemalt [...] mit unseren zwei Mädchen", erzählt die junge Mutter im RTL-Interview am Grab ihrer Tochter in Hannover-Stöcken. Dass sie heute über den Schicksalsschlag sprechen kann, ist nicht selbstverständlich. Es hat gedauert und viel Kraft gekostet: "Es ist absolut wichtig, dass man von Minute eins irgendwie aufgefangen wird. Da ist als erstes der Kontakt im Krankenhaus, die sagen, an wen man sich wenden kann: Seelsorger, Bestatter – das sind Fragen, die kommen auf dich zugerollt, und du kannst nicht mal mehr ein Telefon bedienen, weil es dir so schlecht geht – körperlich und seelisch. Du bist ja am absoluten Tiefpunkt."

"Willkommen im Club, in den keiner rein will“

Nadine Weske ist Trauerrednerin. Sie hat auch Jonnas Beerdigung organisiert. Sie weiß ganz genau, worauf es bei einer Kindertrauerfeier ankommt und wie man mit den hinterbliebenen Eltern spricht. Denn sie hat selbst ein Kind verloren. "Der Tod eines Kindes raubt Sprache. Wir alle wissen nicht so genau, wie sollen wir eigentlich mit den Hinterbliebenen umgehen, wie können wir mit denen umgehen. Dürfen wir die Namen nennen? Sollen wir sie ansprechen? Sollen wir auf Abstand gehen? Wir alle freuen uns lieber über die Kinder, die hüpfend über die Spielplätze laufen, als über die Kinder, die leider glücklos in irgendeinem Erdenbettchen liegen. Ich sag immer: Willkommen im Club, in den keiner rein will und keiner mehr raus kann." Nadine Weske ermutigt die Eltern, über ihren Verlust zu sprechen, auch mal über morbide Themen zu lachen und Frust abzulassen. Nur so kann man das Erlebte auch verarbeiten.

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Aktion Lichtpunkt schafft Transparenz

Mit einem kleinen Anstecker an der Kleidung, einem Lichtpunkt, können Eltern, Geschwister, Großeltern signalisieren, dass sie ein Kind verloren haben. Auch online kann man einen virtuellen Lichtpunkt setzen und so auf sein Sternenkind aufmerksam machen. Die Aktion hat Nadine Weske ins Leben gerufen, um Zusammenhalt zwischen den Betroffenen zu schaffen und Sternenkinder zu einem Thema zu machen, über das man reden kann und muss. Die Aktion hilft auch Sonja Völkner und ihrer Familie. Und so kann Sonja auch mit dem Tod von Tochter Jonna weiterleben.