Nekrose, Bläschen, Pseudo-Frostbeulen

Studie aus Spanien: Diese Hautirritationen können COVID-19-Symptome sein

22. Mai 2020 - 9:10 Uhr

Fünf Muster von Hauterkrankungen

Blau angelaufene Zehen und Hautausschlag wie bei Masern oder Nesselsucht: Spanische Ärzte haben 375 Patienten und deren Corona-Symptome erforscht. Sie entdeckten dabei fünf Muster von Hauterkrankungen - einige davon wurden auch schon von anderen Ärzten in Europa und den USA bei COVID-19-Patienten beobachtet. Welche Irritationen auftreten können und ob die Haut davon bleibende Schäden davontragen kann, erklärt unser Experte Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, im Video.

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus können Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de nachlesen +++

Studie: Von 148 Corona-Patienten hatten 20 Prozent Hautausschläge

Auch eine Studie aus einem norditalienischen Krankenhaus zeigt, dass es sich um ein weiteres Symptom einer Infektion mit dem Coronavirus handeln könnte: Von rund 148 Patienten hatten 20 Prozent Hautausschlag, bevor sie die typische Corona-Symptome wie Fieber und Gelenkschmerzen zeigten.

"Wir sehen bei Corona-Virusinfektionen eine Virämie. Das heißt, der ganze Körper ist befallen. Und dass wir dann Hauterscheinungen sehen, das ist relativ normal", erklärt Dr. Zinn.

Vier Ärzten aus Spanien, zu denen die Dermatologinnen Dr. Cristina Galván Casas des Hospital Universitario de Móstoles in Madrid und Alba Català vom Hospital Plató in Barcelona gehören, analysierten Fotos und Befunde von Hautveränderungen von insgesamt 375 spanischen Patienten, die mit Covid-19 infiziert waren oder wahrscheinlich infiziert waren. Diese Ergebnisse haben sie im Fachblatt "British Journal of Dermatology" veröffentlicht.

Sie entdeckten folgende fünf Muster von Hauterkrankungen:

Pseudo-Frostbeulen

Die Ärzte in Spanien beobachteten bei den Patienten geschwollene Hautstellen, die Bläschen oder auch Pusteln zeigten. Laut spanischer Analyse zeigten 19 Prozent der Untersuchten diese Symptome an den Händen oder Füßen. Ein Drittel davon litt unter Schmerzen und Juckreiz. Von Dermatologen wurden diese Anzeichen auch als Pseudo-Frostbeulen (Pseudo-Chilblain) bezeichnet. Besonders bei jüngeren Patienten mit milden COVID-19-Symptomen wurden sie entdeckt. Diese Reaktionen der Haut traten bei vielen Patienten erst später auf, als schon andere Anzeichen ihrer Covid-19-Erkrankung abgeklungen waren. Die Erscheinungen blieben etwa zehn Tage.

"Als Kinderarzt kann ich sagen: Wir kennen im Zusammenhang mit Infektionskrankheiten bei Kindern häufig sogenannte Vaskulitiden, wo wir blaue Flecken sehen. Insofern ist das sehr gut denkbar", so Dr. Zinn.

Bläschen auf der Haut

Die spanischen Ärzte fanden bei Patienten bläschenartige Ausbrüche, sogenannte vesikuläre Eruptionen. Die oft mit Blut gefüllten Bläschen, die Windpocken ähneln, verbreiteten sich meistens am Rumpf, aber auch an den Gliedmaßen. Oft wurden sie größer und verursachten Juckreiz. Sie traten meist bei Menschen mittleren Alters auf, oft im Anfangsstadium einer COVID-19-Erkrankung. Bei 15 Prozent dieser Fälle traten die Hautirritationen bereits vor anderen Symptomen auf. Nach etwa zehn Tagen verschwanden sie wieder.

Urtikarielle Läsionen oder auch Quaddeln

Quaddeln traten bei 19 Prozent der Testpersonen auf, oft in Verbindung mit Juckreiz. Die sogenannten urtikariellen Läsionen zeigten sich bei den Personen am Rumpf, in einigen Fällen auch in der Handinnenseite. Nach durchschnittlich sechs Tagen gingen sie wieder zurück.

Schuppung und Rötungen als Corona-Symptom?

Schuppungen und Rötungen fanden die Ärzte bei 47 Prozent der Testpersonen. Bei einigen der Patienten waren sie punktförmig oder großflächig. Patienten mit einer schweren COVID-19-Erkrankung zeigten diese Symptome. Die spanischen Forscher wiesen aber darauf hin, dass COVID-19-Patienten mit schweren Krankheitsverläufen mehr Medikamente bekamen als die mit  schwachen Verläufen und die schuppende Haut auch nur eine Nebenwirkung der Medikamente sein könnte.

Nekrose - Absterben von Gewebe

Nekrosen entstehen durch eine Entzündung - hervorgerufen durch eine lokale Durchblutungsstörung, die zum Absterben von Gewebezellen an Extremitäten und inneren Organen führt. Sie wurden bei sechs Prozent der untersuchten Patienten entdeckt - am Rumpf oder auch im Gesicht, an Nase, Ohr, Kinn, Fingern und Zehen. Eine Nekrose entwickelten vor allem ältere Covid-19-Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf. Hierzu gibt Dr. Zinn im Video seine Einschätzung.

Fotos der gesamten Analyse sehen Sie hier.

RTL.de-Doku „Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus: Was lernen wir aus der Krise?“

Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen den Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind? Das sehen Sie hier im dritten Teil der RTL.de-Serie "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus".

Playlist: Alle aktuellen Videos rund um die Corona-Krise