Erstes TV-Interview: Vom Weihnachtsfest bis Wiedervereinigung

Soyeon Schröder-Kim im Interview: So feiern die Schröders das Fest der Liebe

17. Dezember 2019 - 18:53 Uhr

von Franca Lehfeldt

In einem knallroten Pullover und passendem Lippenstift betritt Seyeon Schröder-Kim (51) das RTL & n-tv Hauptstadtstudio. Die Ehefrau des Altkanzlers Gerhard Schröder hat noch nie zuvor im Fernsehen ein eigenes Interview gegeben. Pünktlich zur Weihnachtszeit spricht sie über das Fest der Liebe im Hause Schröder und ihr Verhältnis zur neuen Wahlheimat Hannover.

Mit 22 Jahren von Seoul nach Deutschland

21.04.2018, Niedersachsen, Hannover: Fußball Bundesliga, 31. Spieltag: Hannover 96 - FC Bayern München in der HDI-Arena. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist mit seiner Freundin So Yeon Kim im Stadion. Foto: Swen Pförtner/dpa - WICHTIGER HINWE
Altkanzler Gerhard Schröder und seine Frau beim Fußball in Hannover.
© dpa, Swen Pförtner, spf gfh

Bevor die Dreharbeiten beginnen, blickt die zierliche Südkoreanerin in den Spiegel, die Länge ihres Haarponys gefällt ihr nicht. Sie erkundigt sich, ob noch etwas Zeit wäre, dann greift sie beherzt zur Schere und schneidet sich mutig selbst die Haare. "Das mache ich immer so", erklärt sie kurz und ergänzt: "Ich arbeite viel und habe keine Zeit, alle paar Tage einen Friseur aufzusuchen".

Auf Wunsch von Schröder-Kim geht es in das "Brücke-Museum" außerhalb der Innenstadt, es sei eine kleine Oase erklärt sie, früher, als sie beruflich in Berlin war, sei sie schon hier gewesen. Früher, sie spricht von der Zeit vor ihrer Ehe mit Gerhard Schröder. Soyeon Schröder-Kim ist Dolmetscherin, hat Germanistik studiert und übersetzte auf internationalen Konferenzen. Sie spricht Koreanisch, Deutsch, Englisch und kann, wie sie sagt, "Small-Talk auf Japanisch" führen.

Mit nur 22 Jahren entscheidet sie sich, ihre Heimat Seoul zu verlassen und in Deutschland zu studieren. Ihre Inspiration lieferte Hermann Hesse, sie hätte den Roman "Demian" gelesen und den Ehrgeiz besessen, das Buch ganz zu lesen. Als junge Frau hätte sie nicht alles verstanden, aber die Liebe zu Deutschland wurde immer größer. Warum dieser Schritt für sie kein leichter war, erzählt sie.

„In meiner Brust schlagen zwei Herzen“

11.02.2019, Berlin: Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und seine südkoreanische Frau Soyeon Kim lachen bei der "Cinema for Peace Gala" im Westhafen Event & Convention Center. Foto: Britta Pedersen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Soyeon Schröder-Kim und Gerhard Schröder beim Besuch einer Gala im Februar in Berlin
© dpa, Britta Pedersen

Das Ehepaar Schröder lebt heute in Hannover, Berlin und Seoul. Die Entfernung von knapp 8.300 Kilometern nach Seoul sieht die Südkoreanerin nicht als Problem an: "Ich pendle diese Strecke und führe mein Leben, versuche, Berufs- und Privatleben in Harmonie zu bringen. Mein Leben hat sich insofern verändert, dass meine Arbeit nicht mit dem Bus oder Taxi erreichbar ist". Auch nach der Hochzeit mit dem Bundeskanzler a.D. arbeitet Schröder-Kim weiter, in Seoul führt sie ihr eigenes Dolmetscherbüro, bezeichnet sich als "Wirtschaftsmanagerin".

Inzwischen arbeitet sie von Deutschland aus und begleitet ihren Mann auf Termine. Auf die Frage, ob sie sich zu einem Land mehr hingezogen fühle, antwortet Schröder-Kim: "In meiner Brust schlagen zwei Herzen, ein deutsches und ein koreanisches".

Wenn sie auf die Teilung ihres Landes blickt, erklärt sie: "Erst einmal beneide ich Deutschland um die Wiedervereinigung und natürlich ist es etwas sehr Besonderes für Koreaner, weil wir immer noch geteilt sind." Dass Korea diesen Schritt vollziehen kann, hält sie nicht für ausgeschlossen: "Ich glaube, eine Wiedervereinigung ist eine großartige, historische Erfahrung. Glauben und Hoffen sollte man nicht aufgeben", sagt sie sichtlich berührt.

Deutsche Weihnachten sind eine andere Dimension

Altkanzler Schröder feiert Hochzeitsparty
Altbundeskanzler Schröder und seine Frau Soyeon Kim (L) mit deren Mutter bei einem Empfang im Hotel Adlon. Foto: Kai-Uwe Wärner
© deutsche presse agentur

Nach dem Besuch im "Brücke-Museum" steht ein Bummel auf dem Weihnachtsmarkt mitten in Berlin auf dem Gendarmenmarkt an. Ihre Liebe zu Glühwein hat Schröder-Kim bereits angedeutet: "Glühwein schmeckt und duftet einfach wie Weihnachten", erklärt sie. Doch ehe sie das Museum verlassen kann, bittet die Leitung des Museums sie, sich in das Gästebuch des Hauses einzutragen.

Schröder-Kim nimmt den Stift und schreibt feinsäuberlich in das Buch, bedankt sich für die Gastfreundschaft. Dann wiederholt sie die deutschen Zeilen in koreanischer Schrift, ohne zu zögern, fließen die Zeichen auf das Papier. Am Ende unterschreibt sie mit "Soyeon Schröder-Kim" und setzt erst ganz zum Schluss die Punkte über das "ö". Auf dem Weihnachtsmarkt erzählt sie, wie im Hause Schröder das Fest der Liebe gefeiert wird – das Interview gibt es im Video.