Nicht einfach weiterfahren

So reagieren Sie richtig, wenn Sie einen Unfall mit einem Haustier haben

Wenn Sie ein Tier bei einem Autounfall verletzen, fahren Sie nicht einfach weiter.
© picture alliance / dpa Themendie, Florian Schuh

03. Juni 2020 - 9:08 Uhr

Helfen statt weiterfahren

Eine Sekunde nicht aufgepasst und die Katze oder der Hund der Nachbarn springt vor Ihr Auto. Wenn das Tier dabei verletzt wird oder im schlimmsten Fall sogar stirbt, wissen viele Autofahrer nicht, wie sie richtig reagieren sollen. Für den, der einfach weiterfährt, kann das aber in manchen Fällen ziemlich teuer werden. Wir verraten, wie Sie sich im besten Fall verhalten sollten, wo man am besten den Puls des Haustieres misst und vieles mehr.

Gleiche Regel wie bei jedem Unfall

Wenn ein Tier über die Straße will und von einem Auto erwischt wird, kann das falsche Verhalten des Autofahrerns schlimme Folgen mit sich bringen. Denn bei einem Zusammenstoß sollte man keinesfalls einfach weiterfahren.

​Es gelten die gleichen Regeln wie bei anderen Unfällen auch, sagt Gerrit Reichel vom Automobil-Club Verkehr (ACV): "An sicherer Stelle anhalten, Warnblinker einschalten, Schutzweste anziehen, die Unfallstelle absichern und dann nachschauen, was mit dem Tier passiert ist."

Rufen Sie die Polizei, wenn sie ein Tier angefahren haben

Zunächst sollte man sich vergewissern, ob das Tier verletzt, oder im schlimmsten Fall schon tot ist. Im Zweifel kann dies auch über den Puls festgestellt werden, der sich bei Haustieren wie Hund oder Katze am besten an der Oberschenkel-Innenseite überprüfen lässt.

Ist das Tier verletzt und der Besitzer offensichtlich nicht vor Ort, empfiehlt es sich, die Polizei zu informieren. "Die Polizei sorgt dafür, dass ein Tierarzt zur Unfallstelle kommt. Der wird dann nach einer ersten Untersuchung entscheiden, was zu tun ist", sagt Daniela Mielchen, Fachanwältin für Verkehrsrecht aus Hamburg. Wer ein angefahrenes Tier einfach sich selbst überlasse, müsse sich unter Umständen Tierquälerei vorwerfen lassen. Und das kann eine empfindliche Geldstrafe von bis zu 25.000 Euro nach sich ziehen.

Tierschützer empfehlen, den Transport eines verletzten Tieres möglicherweise auch selbst zu übernehmen, um Zeit zu sparen. "Wer die Möglichkeit hierzu hat, sollte das Haustier auf eine Decke legen und es schnell zum nächsten Tierarzt bringen", sagt Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund. Zeige das Tier aber starke Abwehr- oder Drohreaktionen, sollte sich niemand in Gefahr bringen und stattdessen auf Hilfe durch die Polizei warten.

Manche Dienststellen würden über Chip-Lesegeräte verfügen, über die der Tierhalter ermittelt werden könne, sofern das Tier gechippt und in einem Haustierregister verzeichnet sei.

Ist es tot, sollten Autofahrer sich vergewissern, dass vom Tier keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer ausgeht - etwa, weil es mitten auf der Fahrbahn liegt.

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Andere Pflichten bei einem Wildtierunfall

Rein rechtlich bestehe grundsätzlich keine Verpflichtung, die Polizei nach einem Haustierunfall zu informieren - anders als bei einem Wildtierunfall. Doch seien Autofahrer dann in jedem Fall auf der sicheren Seite, meint die Juristin. "Tiere werden rechtlich als Sache behandelt, daher kann bei einem Unfall auch der Straftatbestand der Unfallflucht im Raum stehen."

Andererseits müssten Besitzer auf ihr Haustier aufpassen und dafür Sorge tragen, dass keine Gefahr von ihm ausgehe, so Mielchen. Die Verantwortung für einen Haustierunfall liege daher in der Regel beim Besitzer oder der Besitzerin des Tieres. Entsprechend müsse der Tierhalter beziehungsweise seine Versicherung für Schäden aufkommen, die durch den Unfall am Auto entstanden sind.

Handelt es sich tatsächlich um ein herrenloses Tier, kommt eventuell die eigene Fahrzeugversicherung für den Schaden auf. "Diese greift jedoch nur dann, wenn es sich um einen Schaden handelt, der im Versicherungsvertrag eingeschlossen ist. Die meisten Standardtarife decken aber nur Wildschäden ab, nicht Tierschäden generell", sagt Mielchen.

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Zusammenstoß meist nicht vermeidbar

Vermeiden lässt sich ein Unfall mit Haustieren meist nicht. Oft passieren diese Zusammenstöße, weil ein Tier plötzlich aus dem Gebüsch auf die Straße rennt. Dann hat der Autofahrer kaum Zeit, zu reagieren. Falls doch, gilt die gleiche Regel wie bei plötzlich über die Landstraße rennenden Wildtieren.

"Auf große Ausweichmanöver sollte man verzichten, um nicht sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr zu bringen. Außerdem könnten die Tiere auch versuchen, in eine andere Richtung auszuweichen", sagt Tierschützerin Pommerening. Daher bleibe nur der Versuch, so schnell und gut zu bremsen wie es geht.

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Quelle: ntv, dpa, RTL.de