Ärger um neue Nutzungsbedingungen

Nach Wirbel um Datenschutz: Das sind die besten Alternativen zu WhatsApp

WhatsApp hat seine Datenschutzrichtlinien erneuert. Viele Nutzer suchen nun nach einer Messenger-Alternative.
© picture alliance

11. Januar 2021 - 10:51 Uhr

WhatsApp-Update verärgert Nutzer

Seit ein paar Tagen werden Nutzer von WhatsApp beim Öffnen des Messenger-Dienstes aufgefordert, die neuen Datenschutzrichtlinien zu bestätigen. Diese beinhalten unter anderem, dass WhatsApp Nutzerdaten künftig einfacher mit seinem Mutterkonzern Facebook teilen kann. Wer die neuen Richtlinien nicht mit einem Klick bestätigt, fliegt raus und kann den Messenger ab dem 8. Februar nicht mehr nutzen. Wir zeigen Ihnen, welche Alternativen es zu WhatsApp gibt und was Sie bei der Suche nach einem neuen Messenger beachten sollten.

Welche Whats-App-Alternativen gibt es?

Bei den Messenger-Diensten ist WhatsApp der absolute Platzhirsch. Weltweit tauschen rund 1,2 Milliarden Nutzer Bilder, Text- und Sprachnachrichten über WhatsApp aus. Damit ist die Chat-App der am häufigsten genutzte Messaging-Dienst. Doch schon länger steht WhatsApp wegen unzureichendem Datenschutz in der Kritik. Das neu ausgerollte Update, was Nutzer bestätigen müssen, wenn sich auch in Zukunft über WhatsApp chatten wollen, sorgt jetzt für großen Wirbel. Doch es gibt zahlreiche Alternativen zu WhatsApp, zum Beispiel Signal, Telegram oder Threema.

Threema ist eine anonyme Alternative

Eine der bekanntesten Alternativen zu WhatsApp ist Threema. Dieser Messenger kann anonym, also ohne vorherige Registrierung mit sensiblen persönlichen Daten, genutzt werden. Dazu erhalten Nutzer eine zufällig erzeugte Nutzer-ID, unter der sie für andere sichtbar sind. Ein richtiger Chat-Name ist nicht notwendig. Eine persönliche E-Mail Adresse oder eine Telefonnummer speichert der Messenger-Dienst nur auf Wunsch, heißt es vom Hersteller. Das besondere an Threema ist, dass sämtliche Aktionen, sowohl der Chat, als auch die Registrierung, verschlüsselt stattfinden und Daten hier besonders sicher sein sollen.

Wer mit seinen Freunden und Bekannten über Threema chatten will, hat die Übertragung seiner Kontakte in nur wenigen Minuten erledigt. Dazu gleicht Threema die Daten aus dem Adressbuch ab, übertraget sie mithilfe einer sogenannten "Pseudonymisierungs-Technik" in das Chat-Programm und löscht die Daten wieder. So werden beispielsweise Telefonnummern und Namen aus dem Adressbuch nicht dauerhaft gespeichert und weitergegeben. Anders als bei WhatsApp. Ein Nachteil der App: Sie kostet einmalig 3,99 Euro.

Telegram - Chat-Alternative mit zweifelhaftem Ruf

Telegram ist kostenlos.
Wer Telegram verwenden will, muss dafür nichts bezahlen. Download und Nutzung sind kostenlos.
© picture alliance

Telegram ist vor allem in den letzten Monaten durch den Gebrauch in der Querdenker-Szene aufgefallen. Auch Michael Wendler verbreitet regelmäßig fragwürdige Botschaften auf Telegram und verharmloste auf dieser Plattform erst kürzlich den Holocaust.

Doch wie funktioniert Telegram? Die Nutzungsbedingungen gibt es derzeit nicht in Deutsch, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Wer Telegram trotzdem nutzen möchte, muss einen Namen angeben und seine Telefonnummer mit dem Messenger verknüpfen. Chatinhalte bei Telegram sind generell nicht mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt. Das bedeutet, dass auf Nachrichten, Fotos oder Dokumente von extern, zum Beispiel durch Hacker, zugegriffen werden kann. Nur sogenannte "Secret-Chats" sind ausreichend verschlüsselt. Doch über "Secret-Chats" können nur maximal zwei Personen Nachrichten austauschen, Gruppenunterhaltungen sind nicht möglich.

Wenn die Kontaktsynchronisation bei Telegram genutzt wird, werden automatisch alle Kontakte des Telefonbuchs zu Telegram übertragen. Das hat zur Folge, dass persönliche Daten aus dem Telefonbuch, wie Name oder Nummer der Freunde und Bekannte bei Telegram gespeichert werden. Wer ein Apple-Gerät nutzt, der kann Telegram ohne eine aktive Kontaktsynchronisation gar nicht benutzen. Nach eigenen Angaben löscht Telegram alle Nutzerdaten nach sechs Monaten Inaktivität. Der Download und die Nutzung sind kostenfrei.

Geheimtipp "Signal"?

Schon kurz nachdem WhatsApp sein neues Update mit den veränderten Nutzungsbedingungen ausrollte, haben viele Nutzer die App gelöscht. Zur Freude von "Signal", ein bis vor wenigen Tagen sehr unbekannter Messenger-Dienst. Doch der Ansturm auf Signal war so groß, dass kurzzeitig das Anmeldesystem zusammenbrach, berichtet das Tech-Magazin "heise online". Der Messenger soll so sicher sein, dass sogar der amerikanische Whistle-Blower Edward Snowden und Elon Musk seine Nutzung empfehlen. Doch was macht Signal so besonders?

Die Vorteile von Signal sind zum einen die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, zum anderen ist Signal eine Open-Source-Software. Das bedeutet, dass sämtliche technische Programmierungen und Quellcodes veröffentlicht und von jedem einsehbar sind. Technisch versierte Nutzer können so genau nachvollziehen, wie das Programm funktioniert. Wenn Hersteller ihre Quellcodes und Programmierungen für Softwares einsehbar machen, dann ist das häufig ein vertrauenserweckendes Zeichen für maximale Transparenz. WhatsApp und andere Messenger stellen ihre Programmierungen nicht zur Verfügung.

Doch auch Signal benötigt für Nutzung die persönliche Telefonnummer und einen Nutzernamen. Doch hier reicht schon ein Emoji aus, ein Klarname ist nicht notwendig. Die Kontakte werden nicht automatisch mit dem Dienst synchronisiert, sondern können auch selbst eingetippt und abgespeichert werden. Somit werden keine sensiblen Daten aus dem Telefonbuch auf den Servern von Signal abgespeichert.

Worauf sollte ich bei Messenger-Diensten besonders achten?

Neben Threema, Telegram und Signal gibt es noch eine Vielzahl an Messenger-Diensten für das Smartphone, z.B. Wire oder den Facebook-Messenger. Wer eine Alternative zu WhatsApp sucht, der sollte vor allem auf folgende Punkte achten:

- Gibt es eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Nachrichten?

- Erfolgt die Nutzung anonym oder muss ich eine Mail/Telefonnummer preisgeben?

- Greift der Dienst persönliche Daten ab?

- Ist der Messenger kostenlos oder muss ich für Download und Nutzung bezahlen?

Wenn sie trotzdem weiterhin bei WhatsApp bleiben möchten, zeigen wir Ihnen hier, welche Sicherheits-Tipps sie unbedingt beachten sollten.