"Ständig eine Einstweilige Verfügung, nur weil man mal ne Frage hat"

Seine Ex lebt in ständiger Angst vor ihm: Das sagt Carsten E. zu den Stalking-Vorwürfen

27. Juli 2020 - 11:00 Uhr

Nina B. wird seit dreieinhalb Jahren von ihrem Ex terrorisiert

Seit Nina B. sich von ihrem Ex-Mann getrennt hat, lebt sie in Angst. Carsten E. terrorisiert sie seit dreieinhalb Jahren mit Anrufen und Nachrichten oder lauert ihr auf. Nina B. fühlt sich nicht mehr sicher, wenn sie das Haus verlässt, denn sie weiß, dass ihr Ex-Mann hinter jedem Busch lauern könnte. RTL hat den Stalker getroffen und mit den Vorwürfen konfrontiert. Was der Mann dazu sagt – in unserem Video.

Carsten E. versteht nicht, warum Nina sich von ihm getrennt hat

Stalking-Expertin Sandra Cegla konnte Carsten E. zu einem Gespräch bewegen. Carsten E. bestreitet, jemals gewalttätig gegen Nina B. geworden zu sein. Er verstehe überhaupt nicht, was los sei. Warum seine Frau nach 13 Jahren Beziehung plötzlich die Trennung wollte. "Ständig eine einstweilige Verfügung, nur weil man mal eine Frage hat. Nach 13 Jahren hat man mal eine Frage", meint er.

Er habe gegen die Anordnung, sich von seiner Ex fernzuhalten verstoßen, weil er das einfach nicht eingesehen habe. "Ich würde mir wünschen, dass wir uns einfach mal in die Augen gucken und sagen, was los ist", erklärt er. Auf die Frage, was er Nina denn gerne noch sagen würde, findet E. aber offenbar nur schwer eine Antwort. "Dass sie auf sich aufpassen soll", sagt er schließlich.

Nina B. hat Angst, dass ihr Ex sie umbringen will

Nina B. ist im Moment Tag und Nacht damit beschäftigt, auf sich aufzupassen. Sie lebt in ständiger Angst vor ihrem Ex. Mehrere einstweilige Verfügungen hat Nina schon gegen den Stalker erwirkt. Trotzdem muss sie ständig zur Polizei, weil sich ihr Ex nicht an die Anordnungen hält. Er terrorisiert sie immer weiter, taucht vor ihrem Haus auf, bei ihrer Arbeit, bestellt teure Dinge auf ihren Namen, droht und beschimpft sie und beteuert immer wieder seine Liebe. "Ich werde so lange weitermachen, bis es einen von uns nicht mehr gibt", habe er mehrfach gesagt.

In einer seiner letzten SMS drohte der Stalker Nina ganz konkret mit einer Sechs-Millimeter-Waffe. Seitdem traut sie sich gar nicht mehr alleine auf die Straße – noch nicht einmal um den Müll aus dem Haus zu bringen. Um ihrem Ex zu entkommen ist Nina mehrfach umgezogen, doch Carsten E. spürte sie immer wieder auf. 

Nina B. geht mit ihrem Freund und ihren Hunden spazieren
Nina B. möchte einfach nur mit ihrem neuen Freund ein glückliches Leben führen. Ihr Ex will das nicht zulassen.
© RTL

Carsten E. saß bereits zweimal im Gefängnis

Es sei alles nicht so, wie es von seiner Ex-Frau dargestellt würde meint Carsten E. "Ich wollte eine saubere Trennung, aber sie wollte das nicht", wirft er ihr vor. Sie sei einfach gegangen, ohne eine Erklärung. Seine Mutter habe das auch schon so gemacht. Er wolle einfach noch ein paar von den Lügen klarstellen, die seine Ex aus seiner Sicht in die Welt gesetzt habe.

Darum hielt er sich nicht an die Einstweiligen Verfügungen, die Nina gegen ihn erwirkte. Zweimal saß er deswegen auch schon im Gefängnis. Er ist der Meinung, Nina habe sein Leben zerstört. Er wolle neu anfangen, aber das sei nicht so einfach.

Expertin: "Ich halte ihn für gefährlich"

Dass Nina Angst um ihr Leben hat, findet die Stalking-Expertin berechtigt. "Ich halte ihn für gefährlich", meint Sandra Cegla, nach intensiven Gesprächen mit dem Opfer. Der Stalker habe auch nach dreieinhalb Jahren immer noch nicht mit der Beziehung abgeschlossen.

Er handle aus zwei verschiedenen Motiven heraus: Er wolle einerseits seine Liebe wiederholen, andererseits versuche er Rache zu nehmen. Darum sei der Mann so fixiert auf sein Opfer und habe sich gewissermaßen festgebissen. In den meisten Stalkingfällen ist es so, dass Täter und Opfer vorher eine intime Beziehung hatten, darum sei der Fall von Nina und Carsten sogar der Klassiker.

Hier finden Opfer von Gewalt Hilfe

In Deutschland versucht im Schnitt jeden Tag ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Die wenigsten Opfer suchen sich Hilfe. Hier haben wir eine Liste mit den Beratungsstellen zusammengestellt, an die sich Opfer von Gewalt wenden können. "Uns ist wichtig, dass sich die Betroffenen wirklich bei der Polizei melden, damit man Handhabe hat", sagte Polizeisprecherin Julia Breitenstein im RTL-Interview. Auch wenn es zermürbend ist: Stalking-Opfer sollten am besten jeden auch noch so kleinen Verstoß bei der Polizei anzeigen, dass man eine Handhabe gegen den Täter habe.

Selbst ein Stalking-Opfer?

Telefonterror, bedrohliche SMS und E-Mails und unerbetene Besuche – wenn auch ihr euch gestalkt fühlt und Hilfe von Stalking-Expertin Sandra Cegla braucht, dann meldet euch bei uns unter: Stalking@rtl.de