Vom Ex verfolgt, und mit Morddrohungen terrorisiert

Stalking-Opfer Nina B. lebt seit dreieinhalb Jahren ständig in Angst

27. Juli 2020 - 11:00 Uhr

Nina B. fürchtet bei jedem Busch, ihr Ex könnte ihr dahinter auflauern

Was Nina B. (Name von der Redaktion geändert) nun seit fast dreieinhalb Jahren durchmacht, kann man sich kaum vorstellen: Im Februar 2017 trennte sie sich von ihrem gewalttätigen Mann. Seitdem gibt der Ex keine Ruhe und terrorisiert sie mit Anrufen und Nachrichten oder lauert ihr auf. Nina B. fühlt sich nicht mehr sicher, wenn sie das Haus verlässt, denn sie weiß, dass ihr Ex-Mann hinter jedem Busch lauern könnte. Im RTL-Interview im Video erzählt sie, wie sehr ihr normales Leben durch den Stalker eingeschränkt wird.

Todesangst seit der Trennung

Ihr Ex sei drogenabhängig und völlig unberechenbar, sagt Nina. "Ich glaube, er hat immer noch nicht verkraftet, dass ich damals gegangen bin", sagt sie. Zuerst hatte sie noch den Eindruck, dass er versuchte, sie um jeden Preis zurück zu bekommen. Inzwischen glaubt sie, dass er einfach nur verhindern will, dass sie glücklich ist.

Schon während der Ehe mit ihm, fing der Psychoterror an. Ihr Partner war krankhaft eifersüchtig. Nina B. durfte irgendwann gar nicht mehr mit anderen Männern sprechen. Der Kontakt zu bestimmten Freunden wurde ihr verboten. Auf der Arbeit bekam sie Kontrollanrufe von ihrem Mann. Als ihr das irgendwann alles zu viel wurde, trennte sie sich. Dann eskalierte die Situation: Psychische Gewalt schlug auch in körperliche Gewalt um. "Wäre meine Schwester nicht gewesen, wäre ich nicht wieder aufgestanden", erinnert sie sich. Am Ende schloss sich Nina ein, weil sie Angst hatte, ihr Mann würde sie sonst totschlagen.

RTL hat den Ninas Stalker konfrontiert. Was er zu den Vorwürfen sagt, sehen Sie im zweiten Video.

Auch einstweilige Verfügungen halten Ninas Stalker nicht ab

Ihr neuer Freund holte sie damals mitten in der Nacht aus ihrer Wohnung heraus und brachte sie in Sicherheit. Doch Ruhe kehrte daraufhin nicht ein – im Gegenteil. Jedes Mal, wenn sie zurück in ihre Wohnung wollte, wartete ihr Ex dort auf sie, griff sie und ihren neuen Partner an, musste von der Polizei abgeführt werden. Nina beschloss, die Wohnung zu wechseln und die Scheidung einzureichen. Über die Unterlagen vom Anwalt bekam ihr Peiniger jedoch auch ihre neue Adresse heraus und der Terror begann von neuem.

Mehrere einstweilige Verfügungen hat Nina schon gegen den Stalker erwirkt. Trotzdem muss sie ständig zur Polizei, weil sich ihr Ex nicht an die Anordnungen hält. Er saß deswegen sogar schon in Ordnungshaft. Das brachte ihn aber nicht dazu, aufzugeben. Er terrorisiert sie immer weiter, taucht vor ihrem Haus auf, bei ihrer Arbeit, bestellt teure Dinge auf ihren Namen, droht und beschimpft sie und beteuert immer wieder seine Liebe. "Ich werde so lange weitermachen, bis es einen von uns nicht mehr gibt", habe er mehrfach angekündigt.

Nina B. geht mit ihrem Freund und ihren Hunden spazieren
Nina B. möchte einfach nur mit ihrem neuen Freund ein glückliches Leben führen. Ihr Ex will das nicht zulassen.
© RTL

Stalker drohte ihr in einer SMS mit einer Schusswaffe

In einer seiner letzten SMS drohte der Stalker Nina ganz konkret mit einer Sechs-Millimeter-Waffe. Seitdem traut sie sich gar nicht mehr alleine auf die Straße – noch nicht einmal um den Müll aus dem Haus zu bringen. Wenn sie mit den Hunden spazieren gehen will, steigt sie ins Auto und fährt 30 Kilometer weit, irgendwo ins Nichts. Trotzdem drehe sie sich dann alle paar Schritte um, um sich zu überzeugen, dass sie nicht verfolgt wird. Man müsse permanent darauf achten, dass sich keine Routinen bilden, die es ihrem Ex einfacher machen, sie zu finden.

"Ich war eigentlich immer ein sehr selbstbewusster Mensch, aber er hat mich kaputt gemacht", sagt sie. "Meine schlimmste Befürchtung ist, dass er sie erneut vergewaltigt vor meinen Augen und sie dann tötet und dann bin ich dran", sagt ihr neuer Freund.

Nina ist inzwischen bereits vier Mal umgezogen, um ihrem Ex zu entkommen. Doch jedes Mal hat er sie wieder aufgespürt. Weil sie die Todesdrohung ihres Ex ernst nimmt, folgt nun ein weiterer Umzug. Diesmal will Nina B. weiter weg. Sie hat in Süddeutschland einen neuen Job gefunden und will dort ein neues Leben anfangen. Sie und ihr Lebensgefährte hoffen, endlich ein bisschen zur Ruhe zu kommen und nicht mehr ständig auf der Flucht leben zu müssen.

Hier finden Opfer von Gewalt Hilfe

In Deutschland versucht im Schnitt jeden Tag ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Die wenigsten Opfer suchen sich Hilfe. Hier haben wir eine Liste mit den Beratungsstellen zusammengestellt, an die sich Opfer von Gewalt wenden können. "Uns ist wichtig, dass sich die Betroffenen wirklich bei der Polizei melden, damit man Handhabe hat", sagte Polizeisprecherin Julia Breitenstein im RTL-Interview. Auch wenn es zermürbend ist: Stalking-Opfer sollten am besten jeden auch noch so kleinen Verstoß bei der Polizei anzeigen, dass man eine Handhabe gegen den Täter habe.

Selbst ein Stalking-Opfer?

Telefonterror, bedrohliche SMS und E-Mails und unerbetene Besuche – wenn auch ihr euch gestalkt fühlt und Hilfe von Stalking-Expertin Sandra Cegla braucht, dann meldet euch bei uns unter: Stalking@rtl.de