Die wohl umstrittenste Männerfreundschaft dieser Tage

Gerhard Schröder und Wladimir Putin verbindet eine langjährige Freundschaft

Lachend steht der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (r) in Berlin während der Vertragsunterzeichnung über den Bau einer Erdgasleitung durch die Ostsee neben Russlands Präsident Wladimir Putin (Archivfoto vom 09.09.2005). Altbundeskanzler Schröd
Schröder und Putin
dpa/dpaweb, Z1015 Bernd Settnik

von Axel Freundt

Es ist die im Moment wohl umstrittenste Männerfreundschaft der Welt, die Freundschaft zwischen Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die beiden kennen sich nun seit mehr als 20 Jahren.

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Die beiden kamen sich persönlich immer näher

Schröder gratuliert Putin zur Amtseinführung
Im Kreml in Moskau gratuliert Altkanzler Gerhard Schröder Wladimer Putin zur Amtseinführung. Foto: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP
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Kennengelernt haben sich die beiden während Schröders erster Kanzlerschaft von 1998 – 2002. Im Mai 2000 wurde Putin zum Präsidenten der Russischen Föderation gewählt und im September 2001 hielt er eine viel beachtete Rede im Deutschen Bundestag, in der er Russland als „freundlichen Staat in Europa“ bezeichnete und sogar eine NATO-Mitgliedschaft Russlands nicht ausgeschlossen schien. Spätestens jetzt wurden die Bande für die „Männerfreundschaft“ geknüpft.

In den folgenden Jahren verfestigte sich diese Verbindung. Gemeinsame winterliche Schlittenfahrten in Moskau, Einladungen zu Geburtstagsfeiern und, und, und.

Krim-Annexion beeindruckt Schröder kaum

Sewastopol
Menschen in Sewastopol bei einer Fernseh-Ansprache: Auf der Krim wird der fünfte Jahrestag der umstrittenen Vereinigung mit Russland gefeiert. Foto: Anton Pedko/EPA
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Als Schröder 2005 die Kanzlerschaft verliert, dauert es nicht lange, bis Putin ihn zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Nordstream AG macht. Schon während seiner Kanzlerschaft hatte Schröder das Projekt massiv gefördert und scheint jetzt den Lohn dafür zu ernten.

2014, als Putin die Krim annektieren lässt, hagelt es nicht etwa Kritik von Schröder. Nein, er feiert seinen 70. Geburtstag auf Einladung der Nordstream AG in St. Petersburg, dabei natürlich auch Männerfreund Putin. Trotz des Gegenwindes bleibt Schröder seinem „Männerfreund“ treu, Putin „sei keine Persona non Grata“ entgegnet der aufgebrachte Ex-Kanzler.

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Alexej Nawalny
Alexej Nawalny während einer Gerichtsverhandlung aus einem Gefängnis zugeschaltet. Foto: Evgeny Feldman/Meduza/AP/dpa
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2017 macht Putin, den Schröder immer wieder als „lupenreinen Demokraten“ bezeichnet, den Ex-Kanzler zum Aufsichtsratsvorsitzenden des staatlichen Ölkonzerns Rosneft. Auf Kritik reagiert Schröder erneut barsch, "Es geht um mein Leben und darüber bestimme ich - und nicht die deutsche Presse" sagt er.

Schröders Beziehung zu Putin scheint immer obsessiver zu werden. Er kritisiert die Stationierung von Bundeswehrsoldaten in Litauen als „Ein vollkommen falsches Signal“ und erklärt „verglichen mit dem US-Präsidenten können wir froh sein, einen Putin zu haben“.

Auch im Fall des vergifteten und jetzt inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalny weicht Schröder seinem „Männerfreund“ Putin nicht von der Seite. Für eine Verstrickung des Kreml in den Mordanschlag gebe „es keine gesicherten Beweise“ lässt der Ex-Kanzler verlauten.

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