Streit um teure BahnkampagneMillionen für Werbespots – scharfe Kritik beendet Bahn-Serie mit Anke Engelke

Webserie «Boah, Bahn! Wir sitzen alle im selben Zug»  der Bahn
Entertainerin Anke Engelke und Michael Peterson, DB Vorstand Personenfernverkehr (Archivbild)
Helmut Fricke/dpa, Helmut Fricke

Es soll um sieben Millionen Euro gehen!
Die Webserie „Boah, Bahn!” mit Entertainerin Anke Engelke läuft nicht weiter. Grund ist eine Debatte über Sicherheitsmängel. Ein SPD-Politiker nennt die Ausgaben für die Kampagne einen Skandal.

Kritik an den Kosten aus der Politik

Angesichts der Debatte über Sicherheitsmängel bei der Deutschen Bahn gibt es Kritik an den Kosten für eine Bahn-Imagekampagne mit Komikerin Anke Engelke. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Sebastian Fiedler, nannte es in der Bild am Sonntag einen Skandal, dass der Bahn-Vorstand „so viele Millionen Euro für lustige Werbeclips“ ausgebe. „Für dieses Geld hätten mindestens 100 zusätzliche Sicherheitskräfte ein Jahr lang bezahlt werden können“, sagte Fiedler dem Blatt. Das Thema werde im Innen- und Verkehrsausschuss des Bundestags ein Nachspiel haben.

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Es geht um die Miniserie „Boah, Bahn!“, in der Engelke die Hauptrolle der Zugchefin Tina spielt, die mit typischen Problemen der Bahn wie Verspätungen oder defekten Kaffeemaschinen im Bordbistro kämpft. Die Werbekampagne wird nach Bahn-Angaben in diesem Jahr nicht fortgesetzt.

Die Deutsche Bahn machte keine Angaben zu den Kosten und verwies auf Anfrage darauf, dass „Informationen zu Werbeausgaben sowie zu Auftrags- bzw. Vertragsdetails unmittelbare Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Deutsche Bahn AG sind und nicht öffentlich kommuniziert werden”. Das Budget bewege sich im Rahmen vergleichbarer Werbekampagnen in der Branche. Die Bild will wissen, dass es um mehr als sieben Millionen Euro geht!

Bahn stoppt Fortsetzung der Kampagne: „Passt nicht in die Zeit”

Unabhängig davon bestätigte die Bahn, dass es 2026 keine Fortsetzung der Serie „Boah, Bahn!” geben werde. „Eine Fortsetzung der Kampagne passt nicht in die Zeit”, hieß es auf Anfrage. In der im Oktober 2025 gestarteten Webserie „Boah, Bahn!” mit drei- bis vierminütigen Episoden werden nach früheren Angaben der Deutschen Bahn Geschichten aus dem Alltag des Zugpersonals mit einem Augenzwinkern erzählt.

Die Folgen wurden auf den Social-Media Kanälen der Bahn ausgespielt. Der DB-Vorstand für den Personenfernverkehr, Michael Peterson, hatte die Webserie mit Engelke zum Start im Oktober 2025 seinerzeit als „humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeitenden“ der Bahn gelobt.

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Kritik auch von Bahngewerkschaft EVG

Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft EVG, Martin Burkert, fragt laut Bild am Sonntag nun mit Blick auf die Kosten, ob nicht die Sanierung aller Pausenräume oder eine flächendeckende Ausstattung mit Bodycams die bessere Liebeserklärung gewesen wäre.

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Hintergrund der Kritik ist die Tötung eines Zugbegleiters. Er hatte im Regionalverkehr Fahrkarten kontrolliert, wurde von einem Fahrgast ohne Ticket schwer verletzt und verstarb kurz danach. Zahlreiche Mitarbeiter der bundeseigenen Deutschen Bahn wurden nach Angaben des Bundes bereits Opfer von Straftaten. Es werden daher entsprechende Gegenmaßnahmen debattiert. Die EVG verweist seit Jahren auf mehr Übergriffe gegen das Personal und fordert mehr Schutz der Mitarbeiter. (dpa/ajo)

Verwendete Quellen: dpa, Bild