Rüsselsheim wohl zu teuer

Opel droht Mitarbeitern mit Stellenverlagerung nach Marokko

Opel-Mitarbeiter sollen sich nach einem neuen Job umschauen.
Opel-Mitarbeiter sollen sich nach einem neuen Job umschauen.
© dpa, Michael Reichel, mic wst vco nic

14. Oktober 2021 - 20:19 Uhr

Billigere Arbeitskräfte in Marokko

Am Opel-Traditionsstandort in Rüsselsheim sind viele Mitarbeiter besorgt. Denn offenbar plant die Opel-Mutter Stellantis, Stellen aus Rüsselsheim ins billigere Marokko zu verlagern. Angestellten soll nahegelegt worden sein, sich einen anderen Job zu suchen. Die deutschen Mitarbeiter seien "zu teuer". Den geplanten Konzernumbau kritisiert Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und auch der Rüsselsheimer Oberbürgermeister schaltet sich jetzt ein.

Im Mitarbeitergespräch mit Job-Auslagerung gedroht

Nach einer Mitarbeiter-Information des Betriebsrats sei Beschäftigten des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim in Personalgesprächen gedroht worden, ihre Aufgaben aus Kostengründen nach Marokko zu verlagern. Sie sollten sich nach einem neuen Job umsehen. Die Mitarbeitervertretung sieht sich in ihren Mitbestimmungsrechten verletzt, zumal auch im Einkauf umfassende und nicht abgestimmte Präsentationen über eine neue Organisationsstruktur vorgestellt worden seien.

"Es verdichten sich die Hinweise, dass die nächste Stellantis-Reorganisation nicht nur bevorsteht, sondern teilweise in Bereichen schon rechtswidrig ohne vorherige Information, Beratung und Verhandlung mit der Arbeitnehmervertretung umgesetzt werden soll", heißt es in dem Info-Schreiben. Rechtliche Schritte seien eingeleitet worden.

VIDEO: Betriebsrat Uwe Baum sauer auf Stellantis-Führung

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Politiker und Rüsselsheimer Bürgermeister schalten sich ein

Jetzt schalten sich auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) aus Rheinland-Pfalz und Bodo Ramelow (Die Linke) aus Thüringen ein. Sie haben einen Brief an Stellantis-Vorstandschef Carlos Tavares geschrieben haben, in dem sie ihn zur Rede stellen wollten, schreibt das Medienunternehmen VRM unter Berufung auf gut informierte Kreise. In dem Brief sollen sie sich vor allem über die mangelhafte Kommunikation von Stellantis beschweren und die Pläne zur Ausgliederung der Opel-Werke in Rüsselsheim und Eisenach kritisieren.

Auch der Rüsselsheimer Oberbürgermeister Udo Bausch fordert: "Das Know-How bei der Auto-Produktion muss erhalten bleiben!" Er wolle für die Mitarbeiter am Standort Rüsselsheim kämpfen.

Proteste gegen Opel-Umbau angekündigt

Am 29. Oktober will die IG Metall sich mit Protestaktionen wehren. Die drohende Zerschlagung diene einzig und allein dem Ziel, die erfolgreiche Mitbestimmung in Deutschland zu schwächen, hatte Opel-Betriebsratschef Uwe Baum erklärt.

Auch den Mitarbeitern des Traditionsunternehmens Volkswagen droht ein massiver Stellenabbau. VW-Chef Herbert Diess schockierte am Mittwoch mit Plänen, 30.000 Stellen abzubauen. (dpa/mlu)