Lieferengpässe in Deutschland

RTL-Reporter in den Niederlanden: Warum sind die Medikamenten-Lager dort voll?

Betroffen vom Medikamentenengpass in Deutschland sind vor allem Fiebersäfte für Kinder. (Symbolbild)
Betroffen vom Medikamentenengpass in Deutschland sind vor allem Fiebersäfte für Kinder. (Symbolbild)
car vco, dpa, Jörg Carstensen

Während in Deutschland schon länger Ebbe herrscht, was Medikamente oder unter anderem Fiebersäfte für Kinder angeht, sind die Lager in den Niederlanden voll. RTL-Reporter Sebastian Auer hat sich vor Ort umgesehen und erklärt, wie Sie an die Medikamente rankommen. Mehr dazu sehen Sie im Video.

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Lieferengpässe könnten 2023 anhalten

Es gibt kaum einen untröstlicheren Anblick als den eines kranken und leidenden Kindes. In einer solchen Situation hofft man auf schnell wirkende Medizin, die den eigenen Nachwuchs munter werden lässt. In Deutschland kann man hierauf zum Teil aber vergeblich warten, denn die Medikamente sind knapp. Die Apotheken sind größtenteils leer gefegt, betroffen sind vor allem Fiebersäfte für die Jüngsten. Schuld an diesem Engpass sind erhebliche Lieferprobleme der in China und Indien hergestellten Arzneimittel. Hausärzte und Apotheker gehen davon aus, dass dieser Missstand auch 2023 anhalten könnte.

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Medikamenten-Pendler nehmen zu

Während die Apotheken in Deutschland einen anhaltenden Engpass befürchten, sind die Geschäfte in den Niederlanden prall gefüllt. (Symbolbild)
Während die Apotheken in Deutschland einen anhaltenden Engpass befürchten, sind die Geschäfte in den Niederlanden prall gefüllt. (Symbolbild)
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Für Familien, die in der Nähe der niederländischen Grenze wohnen, gibt es jetzt aber Licht am Ende des Tunnels. Bei unseren Nachbarn sind die Apotheken und Drogerien prall gefüllt – viele Medikamente sind zudem billiger und rezeptfrei. Von einem Engpass ist hier nichts zu spüren. Diese frohe Botschaft hat sich hierzulande schnell verbreitet: „Wir haben neun Läden in der Grenzregion, die liegen teilweise nur 20 Meter von der Grenze entfernt. Die letzten zwei Wochen war der Andrang hier extrem groß, wir haben sehr viel zu tun“, sagte Bert Hesseling, Geschäftsführer des Unternehmens „Medikamente die Grenze“, in einem Gespräch mit RTL. Das Unternehmen versorgt insgesamt 55 Geschäfte in den Niederlanden mit Medikamenten.

Inzwischen seien hier fast 90 Prozent der Kunden aus Deutschland. „Wir haben die Geschäfte ausschließlich auf Deutsche ausgelegt. Das heißt, es gibt viel größere Mengen an Medikamenten zu kaufen, als in anderen Apotheken oder Drogerien in den Niederlanden. Teilweise haben wir bis zu 1.000 Packungen Paracetamol in nur einem Laden. Besonders gefragt sind aktuell alle Medikamente für Kinder“, sagt er weiter.

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Die Abhängigkeit von China und Indien ist gefährlich

Die Tatsache, dass unsere Nachbarn nicht vor leeren Regalen stehen, hat vor allem mit einer deutschen Reform zu tun. „In Holland dürfen wir leichte Medikamente auch in Drogerien verkaufen, das darf man in Deutschland nicht. Daher ist die Konkurrenz hier viel größer und es liegt mehr auf Lager“, so Hesseling.

Trotz der unmittelbaren Nähe zur Bundesrepublik gibt es auch hinsichtlich der Beschaffung der Medikamente einen kleinen, aber relevanten Unterschied: „Wir beziehen unsere Medikamente zum Großteil auch aus China und Indien, aber ein paar kleine Fabriken in Holland stellen sie noch selbst her. Die sind zwar teurer, aber sie können in Krisensituationen schneller reagieren und uns versorgen.“ Es sei nicht richtig, dass man sich immer mehr in Abhängigkeiten begibt, nur weil alles billiger werden soll. Wenn eine Packung nur 20 bis 40 Cent mehr kosten dürfte, könne man sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden selbst produzieren. „Was durch solche Abhängigkeiten passieren kann, sehen wir ja beim Gas und Russland“, kritisiert Hesseling.

Er geht davon aus, dass der Ansturm auf die niederländischen Geschäfte nicht abnimmt. „So lange die Medizin in Deutschland fehlt, kommen sie zu uns“, prognostiziert er. Sorgen um einen dortigen Mangel müssen wir uns aber nicht machen, die Lager seien auch weiterhin gut gefüllt. (hzi)