Rollentausch bei den Grünen?

Bald könnte Robert Habecks große Stunde schlagen

28. September 2021 - 21:14 Uhr

Robert Habeck: Grünen-Chef unter Strom

von Maximilian Storr

Robert Habeck hat es in diesen Tagen besonders eilig. Das beweist ein Video, das gerade in den Sozialen Netzwerken trendet. Der Grünen-Vorsitzende steuert auf die Mikrofone der Pressevertreter zu, schmeißt aber vorher noch eilig seine braune Umhängetasche auf den Boden, die dann von einem eifrigen Herren schnell aufgehoben und aus dem Bild getragen wird. Für Habeck scheint derzeit jede Sekunde zu zählen. Und schon bald könnte seine große Stunde schlagen. Obwohl er das öffentlich noch dementiert.

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Baerbock wird Kanzlerkandidatin - Habeck: "Schwerster Tag meiner politischen Laufbahn"

Vor fünf Monaten sah das noch völlig anders aus. Denn in der Kanzlerfrage hatte Habeck gegen seine Co-Vorsitzende Annalena Baerbock das Nachsehen. "Wir beide wollten es, aber am Ende kann es nur eine machen", hatte Habeck damals mit leicht zitternder Stimme gesagt. Und es wird noch emotionaler: "Nichts wollte ich mehr, als dieser Republik als Kanzler zu dienen. Und das werde ich nach diesem Wahlkampf nicht", sagte Habeck damals auch. Er sei nicht in der Position, auf die er hingearbeitet habe. "Insofern ist das heute der schmerzhafteste Tag in meiner politischen Laufbahn. Oder sagen wir lieber: der schwerste."

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Habeck entledigt sich vor einem TV-Interview noch schnell seiner Tasche

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In einer neuen Regierung: Wird Habeck Vizekanzler?

Danach ist viel passiert – Kanzlerkandidatin Baerbock geriet wegen ihres Lebenslaufes, zu spät gemeldeten Nebeneinkünften und Plagiatsvorwürfen in die Kritik. Nach diesem missglückten Wahlkampf kamen die Grünen auf 14,8 Prozent der Stimmen. Das beste Ergebnis aller Zeiten, das gleichzeitig auch die größte Enttäuschung gewesen sein dürfte. Schließlich sah es in den Umfragen zwischenzeitlich so aus, als würden die Grünen nach dem Kanzleramt greifen können.

Das ist jetzt Geschichte. Teil der neuen Regierung werden sie mit ziemlicher Sicherheit dennoch sein. Am Mittwoch soll ein erstes Gespräch mit der FDP um Chef Christian Lindner stattfinden, wie der "Spiegel" berichtet. Bestätigt ist der Termin nicht. Und derzeit sieht es sogar so aus, als könnte es bei den Grünen zu einem Rollentausch kommen. Habeck könnte Baerbock an der Spitze ersetzen. Und damit könnte der Verlierer von vor fünf Monaten bald der Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland sein!

"Die Frage, wer Vizekanzler wird, ist völlig irrelevant. Wir haben noch nicht einmal einen Kanzler."

Auf die Frage auf der Bundespressekonferenz, ob er selbst oder Annalena Baerbock im Falle einer Regierungsbeteiligung Vizekanzler oder Vizekanzlerin werden würde, antwortete er lediglich: "Gehen Sie davon aus, dass wir komplett sortiert sind." Und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" meldet, dass die Sache schon geklärt sei. Habeck soll bei möglichen Verhandlungen an die Spitze rücken, Baerbock habe ihre Chance gehabt.

Habeck stellte aber in einer Pressekonferenz am Dienstag klar: "Die Frage, wer Vizekanzler wird, ist völlig irrelevant. Wir haben noch nicht einmal einen Kanzler." Die Partei stehe in 120-prozentiger Geschlossenheit hinter dem Bundesvorstand und hinter Baerbock als Person. Baerbock und er würden in großer Geschlossenheit und Stärke die Sondierungsgespräche führen und vorbereiten. Das betonte auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter. Personalentscheidungen für die künftige Regierung würden erst am Ende getroffen.

Habeck hält sich bedeckt

Dennoch wird in den Sozialen Netzwerken kontrovers diskutiert, dass die Rollen der beiden Grünen-Vorsitzenden angeblich getauscht werden sollen. Einige sehen in der möglichen Entmachtung Baerbocks in dieser Situation einen Beleg für fehlende Gleichberechtigung, andere finden, dass ein Kurswechsel jetzt genau das richtige ist. Es herrscht also Uneinigkeit an der Basis. Trotzdem sieht es so aus, als könnte Habecks große Stunde schon bald schlagen.

Nicht alle befürworten den möglichen Rollentausch