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Putins Propaganda: Vater bricht Kontakt zu seinem Sohn ab - weil ihm sonst 15 Jahre Haft drohen

So hart setzt Putin seine Propaganda durch

Weil er beginnt, ihm zu glauben: 15 Jahre Haft für Kontakt zum eigenen Sohn angedroht!

Misha Kartusin (links) und sein in Russland lebender Vater
Misha Katsurin (links) und sein in Russland lebender Vater.
privat

von Nils Fischer

Vor rund zwei Monaten berichteten wir bereits über Misha Katsurin: Der 33-jährige Ukrainer erzählt uns von seinem in Russland lebenden Vater. Von der russischen Propaganda geblendet, glaubt er seinem eigenen Sohn nicht, dass in der Ukraine gerade Krieg herrscht. Zwischenzeitlich kann Misha ihn durch viele Telefonate überzeugen, doch plötzlich bricht der Vater den Kontakt zu seinem Sohn ab. Die russische Propaganda-Maschine hat erneut zugeschlagen – aber diesmal mit einer unfassbaren Drohung.

Lese-Tipp: Alle Informationen rund um den Angriffskrieg gegen die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveticker

Vater bricht Kontakt zum Sohn ab - von heute auf morgen

„Er hat mich einfach geblockt und ich konnte ihn nicht mehr erreichen“, erzählt Misha im RTL-Interview. „Ich habe mich um ihn gesorgt, wusste nicht, wie es ihm geht, ob ihm etwas passiert ist.“ Mishas Tante, die Schwester seines Vaters, lebt ebenfalls in Russland. Misha kontaktiert sie, um sich nach seinem Vater zu erkundigen, ob es ihm gut geht.

„Als ich sie anrief, sagte sie mir, dass es ihm gut gehe, er aber nicht mehr mit mir reden werde“, berichtet der 33-Jährige. Denn er habe, so erzählt die Tante weiter, einen Anruf von den russischen Behörden bekommen.

15 Jahre Haft bei Kontakt zu eigenem Sohn!

Die klare Botschaft an ihn: Sollte er weiter Kontakt zu seinem Sohn haben, würden er und alle seine Verwandten für 15 Jahre ins Gefängnis gehen! Eine Drohung, die Misha bereits von anderen Ukrainern mit in Russland lebenden Verwandten gehört hat. Der Grund seiner Meinung nach: Putin habe Angst, dass die in Russland lebenden Menschen die Wahrheit erfahren und seine Propaganda untergraben.

Die Folgen für die Familien sind schrecklich. „Es ist fürchterlich. Ich will mit meinem Vater reden können, wann immer ich will“, beschreibt er seine Gefühle im Interview. „Wir fühlen uns alle wie Opfer des russischen Staates.“

Lesetipp: Kriegsverbrechen von Russland. Das erste Urteil ist gefallen.

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"Du weißt nie, wo morgen die nächste Rakete einschlägt"

Misha Katsurin mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, die mittlerweile weiter nach Portugal geflüchtet sind.
Misha Katsurin mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, die mittlerweile nach Portugal geflüchtet sind.
Misha Katsurin

Da es so viele Ukrainer sind, die mit dieser belastenden Situation umgehen müssen, hat Misha eine Anlaufstelle im Internet gegründet. Hier bekommen die Betroffenen nicht nur Strategien an die Hand, wie sie mit ihren Verwandten sprechen sollen, sondern auch kostenlose psychologische Unterstützung. Insbesondere für den Fall, dass die Verwandten den Kontakt abbrechen und die Ukrainer teilweise alleine und einsam im Krieg zurückbleiben.

So wie Misha selbst. Er hat zwar bereits eine eigene Familie gegründet, doch seine Frau ist mit den Kindern über Ungarn nach Portugal geflüchtet. Zurück geblieben ist nur er: „Es ist wirklich schrecklich, dass ich jetzt schon so lange von meiner Familie getrennt bin, ich vermisse sie sehr doll“, erzählt er. „Aber viel mehr bin ich froh, dass sie in Sicherheit sind. Ich würde sie nicht hier bei mir in der Ukraine haben wollen derzeit. Denn du weißt nie, wo morgen die nächste Rakete einschlägt.“

"Der Krieg beginnt Alltag zu werden."

Diese Woche möchte Misha nach Kiew zurückkehren. Mittlerweile habe er sich mit dem Zustand, in dem sich sein Land befindet, abgefunden: „Der Krieg beginnt, Alltag zu werden.“ Der normale Alltag sei derzeit meilenweit entfernt und nur noch eine blasse Erinnerung.

Dennoch ist er sich sicher: „Eines Tages, wenn der Krieg endet, werde ich wieder mit meinem Vater sprechen können, aber heute, zu diesem Zeitpunkt, habe ich diese Möglichkeit nicht“, zeigt sich Misha hoffnungsvoll – und traurig zugleich.

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