Forscher finden die Gründe

Warum duften Babys für die Eltern zum Reinbeißen gut?

"Ich habe dich zum Anknabbern lieb" - Eltern kennen das Gefühl, das Babys auslösen.
"Ich habe dich zum Anknabbern lieb" - Eltern kennen das Gefühl, das Babys auslösen.
© iStockphoto, iStock, GeorgeRudy

07. Oktober 2021 - 12:47 Uhr

Studie: Mütter erschnüffeln ihre Babys

Wo riecht Ihr Baby am besten? Riecht es überall gleich - und vor allem: Sind Sie als Mutter oder Vater in der Lage, getragene Kleidung ihres Kindes allein anhand des Geruchs zu erkennen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Wissenschaftler von der Forschungsgruppe Neuromarker der Medizinischen Fakultät der TU Dresden schon länger. Vergangenes Jahr suchten sie dafür junge Mütter mit Babys, die nicht älter als ein Jahr sind, um das Phänomen des Wohlgeruchs zu erforschen. Forschungsleiterin Dr. Laura Schäfer verriet jetzt erste Erkenntnisse.

Dresdner Forscherin untersucht Duft von Babys

Viele Eltern machen die Erfahrung, dass ihre Babys am Kopf besonders gut riechen - so gut, dass die das Gefühl mit "zum Reinbeißen" beschreiben. Natürlich wird da nicht gebissen: Aber geknuddelt, was das Zeug hält. Aber: "Jeder Körpergeruch ist individuell, er stellt den olfaktorischen Fingerabdruck eines Menschen dar, der sich im Laufe des Lebens allerdings verändert", schreiben die Forscher 2020 im Aufruf zur Studie.

Riechen alle Babys gleich?

In der Juli-Ausgabe der Zeitschrift Eltern verriet die Psychologin: "Nein, Mütter können ihr Baby schon wenige Stunden nach der Geburt am Geruch erkennen. Lässt man sie an verschiedenen Bodys riechen, finden sie den, in dem ihr Baby eine Nacht lang geschlafen hat. Sie mögen den Duft ihres eigenen Babys auch lieber als den anderer Kinder." Das liege höchstwahrscheinlich an der genetischen Ähnlichkeit, so die Forscherin. Bei Vätern verhalte sich das vermutlich nicht anders - aber um das sicher zu sagen, sei bisher zu wenig mit Männern geforscht worden.

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Was passiert im Gehirn, wenn wir unser Baby riechen?

Der Mechanismus sei ganz ähnlich wie beim Kindchen-Schema, so die Psychologin. "Riechen wir an einem Baby, werden in unserem Gehirn dieselben Areale aktiviert, wie wenn wir ein süßes Kindergesicht mit großen Augen und Stupsnase sehen", erklärt sie bei Eltern.de. "Beides löst in uns angenehm belohnende Gefühle aus – ähnlich wie Schokolade oder andere Drogen." Die dahinter liegende Funktion: Die positiven Gefühle würden dafür sorgen, dass wir einem Baby Zuwendung und Fürsorglichkeit entgegenbringen. "Der Duft verstärkt also die Bindung der Eltern zu ihrem Kind", so Schäfer.

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Aber irgendwann lässt der Wohlgeruch nach: Warum?

Wenn die Kinder klein sind und viel Zuwendung brauchen, schätzen Eltern deren Geruch auch angenehmer ein als später, wenn sie älter sind. Eine drastische Änderung setzt mit der Pubertät ein. Hormone und Schweiß sorgen für einen Körpergeruch, der vielen Eltern dann erst einmal fremd ist.

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Forscherin Schäfer hat eine Annahme, warum das so sein könnte: "Dahinter steckt eventuell eine Strategie der Evolution, die der Arterhaltung dient. In der Phase der Geschlechtsreifung könnte der Geruch genetisch ähnlicher Wesen eher als abstoßend empfunden werden, um Inzest zu vermeiden." Die beruhigende Nachricht: Mit der Zeit gewöhnen sich Eltern an den neuen Geruch, in der späten Pubertät können sie ihre Kindern dann wieder gut riechen. (dpa/ija)