RTL News>News>

Prozess wegen Kriegsverbrechen: Russischer Soldat gesteht Mord an Zivilisten

Im Gerichtssaal wischt sich Witwe Tränen aus den Augen

Prozess wegen Kriegsverbrechen: Russischer Soldat gesteht Mord an Zivilisten

Der erste russische Soldat wurde in Kiew wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt.
Er hat sich wegen Kriegsverbrechen schuldig bekannt - jetzt droht dem 21-jährigen russischen Soldaten eine lebenslange Haft.
CNN

Es ist der erste Kriegsverbrecherprozess in der Ukraine – und der angeklagte 21-jährige Panzerkommandant hat sich schuldig bekannt. Jetzt droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Es ist ein Fall von großer symbolischer Bedeutung. Der russische Soldat wurde für den Mord an einem 62-jährigen Zivilisten im nordost-ukrainischen Dorf Chupakhivka angeklagt. Das berichten diverse Medien, darunter CNN, BBC oder Reuters.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen rund um den Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit im Liveticker

Mit einem Sturmgewehr aus dem offenen Auto-Fenster auf den Kopf geschossen

Der russische Soldat bekannte sich schuldig wegen Kriegsverbrechen
Shishimarin habe von einem anderen Soldaten den Befehl erhalten, den Zivilisten zu töten, um ihn daran zu hindern, über die Anwesenheit der Russen zu berichten.
AP

Nach Angaben der ukrainischen Staatsanwaltschaft haben Vadim Shishimarin und vier weitere russische Soldaten auf ein privates Auto geschossen und es gestohlen, um zu entkommen, nachdem ihre Kolonne von ukrainischen Streitkräften beschossen worden war.

Die russischen Soldaten fuhren demnach in das Dorf, wo sie einen unbewaffneten Einwohner sahen, der auf einem Fahrrad fuhr und telefonierte, hieß es. Der Vorfall soll sich Ende Februar ereignet haben.

Shishimarin habe von einem anderen Soldaten den Befehl erhalten, den Zivilisten zu töten, um ihn daran zu hindern, über die Anwesenheit der Russen zu berichten. Er habe mit einem Sturmgewehr mehrere Schüsse durch das offene Fenster des Autos auf den Kopf des Zivilisten abgegeben. Der Zivilist war auf der Stelle tot.

Im Gerichtssaal, nur wenige Meter vom Angeklagten entfernt, saß auch die Witwe des Getöteten, berichtet eine Reporterin von BBC. Als der angeklagte Soldat das Gericht betrat, wischte sie sich die Tränen aus den Augen und saß dann mit gefalteten Händen da, als der Staatsanwalt seinen Fall schilderte und den Moment beschrieb, in dem ihr Ehemann in den Kopf geschossen wurde. Auf die Reporterin wirkte der junge russische Soldat sehr nervös. Er hielt oft den Kopf gesenkt und hörte seinem Übersetzer durch das Glas aufmerksam zu.

Human Rights Watch: Erwiesen, dass russische Truppen Kriegsverbrechen begangen haben

Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sieht es als erwiesen an, dass russische Truppen in der Nordostukraine Kriegsverbrechen begangen haben. Die Menschenrechtler fanden nach eigenen Angaben an 17 Orten Belege für Tötungen, rechtswidrige Haft unter unmenschlichen Verhältnissen, Folter und Vermisstenfälle. „Die zahlreichen Gräueltaten der russischen Truppen, die zu Beginn des Krieges Teile der Nordostukraine besetzten, sind abscheulich, rechtswidrig und grausam“, sagte der für Europa und Zentralasien zuständige Direktor der Organisation, Giorgi Gogia, laut einer Mitteilung anlässlich der Veröffentlichung eines neuen Berichts. Er forderte sofortige Untersuchungen und Gerichtsverfahren.

Für den Bericht wurden insgesamt 65 Überlebende, Familienmitglieder und andere Zeugen zwischen dem 10. April und dem 10. Mai befragt. Menschen seien wegen des Besitzes von funktionierenden Handys, alter Militäruniformen oder wegen des Verdachts, beim ukrainischen Militär gewesen zu sein, erschossen worden. Vor ihrem Abzug hätten russische Soldaten vor allem Männer teils willkürlich getötet. Es sei selbst auf spielende Kinder geschossen worden. Festgenommene mussten demnach auf engstem Raum in kalten Kellern teils ohne Nahrung ausharren. Eimer dienten als Toiletten. Die überlebenden Opfer beschrieben dabei Folter mit Elektroschockern und Scheinexekutionen. (reuters/dpa/eku)

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Unsere Reporter vor Ort, Interviews und Analysen - in unserer Videoplaylist

Playlist: 30 Videos

So können Sie den Menschen in der Ukraine helfen

Helfen Sie Familien in der Ukraine! Der RTL-Spendenmarathon garantiert: Jeder Cent kommt an Alle Infos und Spendenmöglichkeiten hier!