Angehöriger eines Opfers verliert im Gericht die Beherrschung

Prozess in Ellwangen: Italienische Familie soll drei Männer ermordet und zerstückelt haben

21. Mai 2021 - 15:05 Uhr

Verwandter eines Toten geht auf Angeklagten Alfonso P. los

Die Anklage liest sich haarsträubend: Alfonso P., ein Familienvater aus Sontheim an der Brenz (Baden-Württemberg) und seine beiden erwachsenen Söhne Giovanni und Giacomo stehen in Ellwangen vor Gericht, weil sie drei Männer brutal ermordet haben sollen. Mindestens zwei Leichen wurden zerstückelt und verscharrt, eine davon sogar in ihrer sizilianischen Heimat der Familie. Von der ersten Leiche fehlt bis heute jede Spur. Für die Angehörigen ist das eine große Belastung. Beim Prozessauftakt ging einer der Verwandten des Toten auf Alfonso P. los. Die dramatischen Szenen zeigen wir im Video.

Vater soll Schwiegersohn umgebracht haben

Spurensuche in Sontheim
Die Polizei sucht im Haus der Familie in Sontheim nach Beweisen für die drei Morde.
© dpa, Stefan Puchner, puc jat bwe

Der 55-jährige Alfonso P. soll in alle drei Morde verwickelt sein, sein Sohn Giovanni (33) in zwei und sein Sohn Giacomo (31) in einen der Fälle. Die Anklage geht davon aus, dass der Familienvater im Februar 2008 zum ersten Mal tötete: den Ehemann seiner Tochter Concetta. Offenbar war der Vater nicht mit dem Schwiegersohn einverstanden, weil er der Mann Türke und Muslim war, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Zu Prozessbeginn sagte der ältere der beiden Söhne aus und erklärte, wie er gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder im Oktober 2014 den nächsten Mord beging. Diesmal musste der Lebensgefährte von Concetta dran glauben. "Marco hat die Kinder geschlagen und ihnen mit der Klobürste die Zähne geputzt", erklärt der Angeklagte. Die Familie lockte den Mann in die Garage und erdrosselte ihn. "Ich habe das Seil gehalten und mein Vater und Bruder Arme und Beine", erklärt Giovanni P. "So lange, bis er nicht mehr geatmet hat."

Sohn vor Gericht: „Ich konnte eine Woche nicht mehr schlafen“

Prozessbeginn nach Dreifach-Mord in Sontheim
Alfonso P. und seine beiden Söhne Giovanni und Giacomo müssen sich in Ellwangen vor Gericht verantworten.
© dpa, Stefan Puchner, puc kno

Die Leiche versteckten die Brüder und der Vater zuerst eine Woche lang in einer Tiefkühltruhe. Danach zerteilten Alfonso und Giovanni die Leiche mit einer Kettensäge. "Es war schrecklich, ich wünsche das niemandem", sagte der 33-Jährige vor Gericht. "Ich konnte eine Woche nicht mehr schlafen." Die Leichenteile betonierten die Männer in verschiedenen Gefäßen ein, die sie Monate später mit nach Sizilien nahmen und dort im Wald versteckten.

Im Mai 2019 soll der Vater gemeinsam mit dem Giovanni einen weiteren Mord begangen haben. Diesmal war das Opfer der 59 Jahre alte Besitzer einer Garage, die die Familie angemietet hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass in diesem Fall Habgier das Motiv der Täter war. Denn die Männer hoben mit der EC-Karte des Garagen-Besitzers 15.000 Euro von dessen Konten ab.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Viele Tränen zum Prozessauftakt in Ellwangen

Der Mann wurde offenbar vor seinem Tod auch noch gezwungen, gefälschte Verträge zu unterschreiben. Die Angeklagten wollten damit den Anschein erwecken, sie hätten 130.000 Euro für ein Grundstück an den Garagenbesitzer gezahlt. Damit wollten sie offenbar die Erben des Mannes betrügen.

Beim Prozessauftakt in Ellwangen waren viele Hinterbliebene der drei Opfer vor Ort. Vor der Verhandlung wurde viel geweint, wie unser RTL-Reporter berichtet, der im Gerichtssaal dabei war. Kurz vor Ende der Mittagspause ging einer der Verwandten des ersten Opfers mit erhobenen Fäusten auf Alfonso P. los. Drei Justizbeamte überwältigten den Mann und führten ihn in Handfesseln ab. Er wurde des Gerichtsgebäudes verwiesen. Das Urteil in dem aufsehenerregenden Prozess wird für den 20. Dezember erwartet.