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Prozess am Landgericht Gera: Wurde die kleine Lena von ihrer Pflegemutter zu Tode geschüttelt?

Mädchen starb mit nur elf Monaten

Wurde die kleine Lena von ihrer Pflegemutter zu Tode geschüttelt?

Franziska P. im Landgericht Jena. Sie soll soll ihr elf Monate altes Pflegekind Lena zu Tode geschüttelt haben.
Franziska P. soll ihr elf Monate altes Pflegekind Lena zu Tode geschüttelt haben.
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Es sind schreckliche Vorwürfe, die sprachlos machen: Franziska P. soll ihr elf Monate altes Pflegekind Lena zu Tode geschüttelt haben. Beim Jugendamt galt die gelernte Altenpflegerin immer als zuverlässig. Trotzdem muss sich die 46-Jährige nun wegen Totschlags vor dem Landgericht Gera verantworten.

Prozess am Landgericht Gera: Pflegemutter soll kleine Lena tot geschüttelt haben

Am 29. Januar 2018 soll sich das kleine Mädchen übergeben haben. Die Angeklagte habe daraufhin den Notruf alarmiert. Doch weil die Verletzungen des Kindes so stark waren, konnte kein Arzt ihr mehr helfen. Lena verstarb trotz Not-OP um 22.15 Uhr im Klinikum Jena. Laut Jens Wörmann von der Staatsanwaltschaft Gera war das getötete Kind schon vorerkrankt, hatte wenige Tage vor seinem Tod im Krankenhaus verbracht.

Laut Rechtsmedizin ist das Kind infolge von heftigem Schütteln gestorben. Aber wer hat die kleine Lena geschüttelt? Ihr Pflegemutter Franziska P.? Die lässt die Vorwürfe durch ihren Verteidiger vehement abstreiten. Denn 2018 habe sich auch ihr Verlobter und ihre Mutter um das verstorbene Kind gekümmert: „Es trifft nicht zu, dass sie Lena geschüttelt hat. Sie weiß nicht, wie es zu den Verletzungen kam. Sie ist nicht verantwortlich“, erklärt ihr Verteidiger Markus Kruppa.

Angeklagte Pflegemutter Franziska P. bestreitet die Tat vor Landgericht Gera

Bild von Jens Wörmann (Staatsanwaltschaft Gera)
Jens Wörmann von der Staatsanwaltschaft Gera
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Zudem habe P. bei dem elf Monate alten Mädchen eine Wesensveränderung festgestellt, nachdem sie vom 17.01.-26.01.2018 im Krankenhaus war. Es soll einen leeren Blick und eine Wölbung an der Stirn gehabt haben. Auch die Staatsanwaltschaft beruft sich darauf, dass die Ermittlungen keine Hinweise auf die Täterschaft der Angeklagten ergeben haben, so Jens Wörmann. Sie soll demnach nicht mit der Pflege des Kindes überfordert gewesen sein.

Doch nach bisherigen Erkenntnissen war sie es, die mit dem elf Monate altem Baby in der Wohnung allein war, aber: „Ob die Angeklagte für den Tod des Kindes verantwortlich ist, wird sich erst im Laufe des Prozesses herausstellen. Es besteht für die Anklage der hinreichende Tatverdacht“, erklärt Jens Wörmann. „Überzeugt ist die Staatsanwaltschaft auch nicht davon, dass sie tatsächlich für den Tod des Kindes verantwortlich ist.“ Das Gutachten der Rechtsmedizin sei jedoch so eindeutig, dass das Verfahren nicht eingestellt werden könne.

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Angeklagte droht bei Verurteilung langjährige Freiheitsstrafe

Franziska P. ist ausgebildete Altenpflegerin. Schon vor dem verstorbenen Kind hatte sie mehrere Pflegekinder in ihrer Obhut, die krankheitsbedingt schwierig und besonders pflegebedürftig waren. Laut Wörmann habe sie sich beim Jugendamt „in der Vergangenheit immer als besonders zuverlässig erwiesen“.

Doch eins ist laut RTL-Reporter Frank Vacik auffällig: P. verändere ihre Aussagen im Laufe der Zeit immer wieder: „Anfänglich sprach sie gegenüber Rettungssanitätern davon, dass sich das Kind nur erbrochen habe. Später bei der Polizei berichtete sie dann, dass sich die Kleine gestoßen habe und vor Gericht sagte sie dazu gar nichts“, so Vacik. Sollte die 46-Jährige verurteilt werden, droht ihr wohl eine langjährige Freiheitsstrafe. Für den Prozess sind bis Ende April noch mehrere Termine anberaumt. (jmu)