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Gera: Emma (2) totgeschüttelt - „Dachte am Anfang, ich kann nie wieder lachen"

Prozess um wohl zu Tode geschütteltes Mädchen

Emotionale Worte von Oma der toten Emma (2): „Dachte am Anfang, ich kann nie wieder lachen“

Geblurrtes Bild von der kleinen Emma, deren mutmaßlicher Mord am Landgericht Gera verhandelt wird.
Emma starb mit nur zwei Jahren an einem Schütteltrauma.
privat

Die zweijährige Emma soll 2020 vom Freund ihrer Mutter so stark geschüttelt worden sein, dass dem kleinen Mädchen kein Arzt mehr helfen konnte. Vor dem Landgericht Gera muss sich der mutmaßliche Mörder jetzt wegen Totschlags verantworten. Besonders schwer ist die Situation für den leiblichen Vater von Emma und ihre Großeltern. RTL-Reporter Frank Vacik hat mit ihnen gesprochen.

Emma stirbt mit gerade zwei Jahren an einem Schütteltrauma

Die kleine Emma wurde so sehr geschüttelt, dass sie an den Folgen starb.
Emma starb mit nur zwei Jahren an den Folgen eines Schütteltraumas.
privat

Dennis K. ist Emmas leiblicher Vater. Für den 24-Jährigen ist es unglaublich schwer, den Prozess mit anzusehen. Als Bilder von seiner Tochter auf der Intensivstation gezeigt werden, muss er wegschauen: „Ich habe so schon Albträume, kann jede Nacht nicht schlafen. Ich will sie lieber in Erinnerung halten, als noch alles gut war“, erklärt er gegenüber RTL-Reporter Frank Vacik.

Und so erinnert er sich an den Tag, an dem das Unglück passierte, als wäre es gestern gewesen. Er sei morgens aufgewacht, dann kam der Anruf. Emma ist im Krankenhaus: „Die Ärzte haben direkt gesagt: ‚Wahrscheinlich nullprozentige Chance und wenn überhaupt mit einer schwersten Behinderung.‘“ Doch die Ärzte können die kleine Emma nicht retten. Sie stirbt mit nur zwei Jahren an einem Schütteltrauma.

Freund von Emmas Mutter wegen Totschlags am Landgericht Gera angeklagt

Dennis K. und Manuela K. vor dem Landgericht Gera
Emmas Vater, Dennis K., und ihre Oma, Manuela K., auf dem Weg ins Landgericht Gera.
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Zugefügt haben soll ihr das der Angeklagte Robert S. Ihm wird vorgeworfen, die Tochter seiner Freundin 2020 zu Tode geschüttelt zu haben. S. habe mit Emma im Schlafzimmer gespielt. Dabei sei sie an die Bettkante gestoßen, habe sich wenig später übergeben. Daraufhin habe S. sie geschüttelt, gibt der Angeklagte zu. Zwei Tage nach diesem Vorfall ist Emma tot. S. muss sich dafür vor dem Landgericht Gera verantworten.

Das besonders Tragische: Die Staatsanwaltschaft klagt S. wegen Totschlags an, weil die kleine Emma so verletzt war, dass „ein sehr intensiver Schüttelvorgang erforderlich war“, erklärt Arnd Knoblauch von der Staatsanwaltschaft Gera dem RTL-Reporter. Es sei schwer vorstellbar, dass man sich bei so einer Handlung nicht bewusst ist, dass diese lebensgefährlich ist, erzählt er weiter. Robert S. gibt das Schütteln zu, er habe Emma dadurch helfen wollen, erklärt er unter Tränen.

Nach RTL-Informationen hat der Angeklagte ebenfalls mit Albträumen zu kämpfen, ebenso wie mit Schuldgefühlen. Direkt nach dem Unglück, ist Emmas Mutter zu Robert S. gezogen: „ Wir reden viel darüber, über positive Dinge mit Emma, dass sie viel gelacht hat“, erklärt Jasmin S. Die 24-Jährige berichtet von einer guten Beziehung zwischen ihrer Tochter und ihrem Freund: „Kaum kam Robert in den Raum, war Mutti abgeschrieben. Sie nannte ihn Papa.“

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Bilder, die sich auch die Oma der verstorbenen Emma mit ansieht. Denn auch sie und ihr Mann sind im Gerichtssaal in Gera. Sie sei mit Angst zu dem Termin gekommen, erklärt sie RTL-Reporter Frank Vacik. „Angst, dass es sich im Sande verläuft. Dass es vergessen wird“, so Manuela K. Damit das gar nicht erst passiert, haben sie eine kleine Gedenkstätte in ihrem Hinterhof eingerichtet. Einen kleinen Garten für ihre verstorbene Emma: „Wir schließen sie ja nicht aus, nur weil sie nicht mehr da ist. Sie ist für uns immer da“, bekräftigt Manuela K. nochmal.

Auch nach zwei Jahren fällt ihr, wie auch ihrem Sohn, Emmas Vater, die neue Normalität noch immer schwer. Das wird auch im Gespräch mit RTL-Reporter Frank Vacik deutlich. Immer wieder stockt sie, bricht in Tränen aus. „Am Anfang habe ich gedacht, ich kann niemals wieder in meinem Leben lachen“, so Emmas Oma.

Familie der verstorbenen Emma hofft auf angemessene Bestrafung

Durch Arbeit und Freunde treffen versucht sie den Tod ihrer Enkelin zu verdrängen. Das klappe auch ganz gut. Doch dann kommt immer wieder die Gewissheit: „Dass sie nicht mehr da ist und dass sie nicht mehr wieder kommt, das ist das Schlimme“, so Manuela K.

Für Sie und auch für ihren Sohn ist es besonders wichtig, zu wissen, was mit Emma am Tattag passiert ist. Und dass der mutmaßliche Mörder für das, was er Emma und ihrer Familie angetan hat, angemessen bestraft wird. Denn nur so können sie wenigstens ein bisschen abschließen. (jmu)