Das sagt Psychologe Dr. Dirk Baumeier

Psychische Erschöpfung: Warum Pietro Lombardi es genau richtig macht

Sänger Pietro Lombardi möchte sich zunächst für einige Zeit aus dem Rampenlicht verabschieden, um wieder zu Kräften zu kommen.
Sänger Pietro Lombardi möchte sich zunächst für einige Zeit aus dem Rampenlicht verabschieden, um wieder zu Kräften zu kommen.
© imago/localpic, Rainer_Droese, imago stock&people

06. Juli 2021 - 9:23 Uhr

Mentale Gesundheit ernst nehmen!

Dass neben der körperlichen auch die mentale Gesundheit eine wichtige Rolle für unser allgemeines Wohlbefinden spielt, weiß auch Sänger Pietro Lombardi. Der Vater des 6-jährigen Alessio hat auf Instagram eine Social-Media-Pause sowie einen temporären Rückzug aus der Öffentlichkeit angekündigt, weil es ihm aktuell nicht geht und er sich schonen möchte.

Psychologe Dr. Dirk Baumeier aus Leipzig erklärt, warum genau das die richtige Entscheidung ist.

Sich Pausen zu genehmigen und in sich hineinzuhorchen, ist wichtig

Depressionen, Burnout und Co.: An einer psychischen Erkrankung zu leiden, ist im 21. Jahrhundert längst nicht mehr so brisant wie früher. Die Gespräche rund um das Thema mentale Gesundheit werden offener, es gibt immer mehr Behandlungs- und Beratungsmöglichkeiten, sodass Vorurteile langsam aber sicher verschwinden können. Auch die Stars und Sternchen gehen aufgeschlossener mit ihren Erkrankungen um, wodurch das Thema auch Einzug in die mediale Öffentlichkeit erhält.

Genau das ist jetzt auch der Fall bei Pietro Lombardi. In einer Instagram-Story schüttet der 29-Jährige seinen Fans und Followern sein Herz aus und kündigt an, dass er sich zunächst aus der Öffentlichkeit und den sozialen Netzwerken zurückziehen möchte. Außerdem offenbart er: "Normalerweise bin ich immer ein lustiger, positiv verrückter Pietro. Ich liebe es, euch mitzunehmen, mit euch live zu gehen, euch mit auf meine Konzerte zu nehmen und euch Kraft und positive Energie zu geben. Aber das kann ich alles nur machen, wenn es mir auch gut geht und das tut es aktuell nicht."

Diplom-Psychologe Dr. Dirk Baumeier bewertet Pietros Entscheidung im Interview mit RTL durchaus als positiv: "Haben wir in der zurückliegenden Zeit viel geleistet, ist der Wunsch nach Erholung redlich. Man bringt Saat aus, lässt sie reifen und darf später Ernte einholen. Gerade Künstler leben vom Wechselspiel zwischen Innehalten und Kreativität. Pietro Lombardi hat uns immer als Quickborn guter Laune erfreut. Wenn er seine Kräfte nunmehr als vorübergehend erschöpft wahrnimmt, dann handelt er recht, sie zu schonen. Denn uns ist vor allem an einem vitalen Pietro gelegen."

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Eine junge Frau sitzt bei Sonnenuntergang auf einem Stein am See und schaut in die Ferne.
Sich einzugestehen, dass es einem mental nicht gut geht, fordert ganz schön viel Stärke.
© swissmediavision

Schafft man es nicht, sich aus dem Stimmungstief zu holen, sollte man sich Hilfe holen

Der Sänger gibt zu, sich ausgelaugt zu fühlen, ihm fehlen Kraft und Energie, bestimmte Dinge durchzuziehen. Er selbst habe für sich schon erkannt: "Okay, Pietro, hier stimmt was nicht." Das Bedürfnis, sich in solchen Phasen zurückziehen zu wollen, sei laut Baumeier verständlich: "Das Seelenleben oszilliert zwischen Eintrübungen und Aufhellungen. Insofern ist es normal, dass sich Phasen von Tatendrang mit solchen von eher gedämpfter Aktivität abwechseln. Unsere Psyche benötigt Verschnaufpausen, die der inneren Sammlung dienen."

Der Zeitpunkt des Rückzucks von Pietro Lombardi mache ebenfalls Sinn, meint der Psychologe: "Alle Lebewesen sind mit den Waffen für den Lebenskampf gerüstet. Wir spüren zumeist intuitiv, wenn unsere inneren Flüsse ins Stocken geraten. Dann sind unsere Gründe für Rückzug triftig."

Brauchen wir uns also nicht allzu sehr um den einstigen DSDS-Sieger zu sorgen? Baumeier glaubt nicht: "Im Regelfall können sich Menschen gut aus schwierigen Lebensphasen erholen." Sollte eine depressive Verstimmung, psychische Erschöpfung oder sonstige bedrückende Stimmung aber weiterhin auf einem lasten, sei es wichtig, sich Hilfe zu holen: "Wenn wir dem Trübsinn jedoch nichts mehr entgegensetzen können, ist professionelle Hilfe ratsam." Als Psychologe möchte er vor allem eines mit auf den Weg geben: "Auch hinter dem Berg ist noch Welt." Wir wünschen alles Gute! (vdü)

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