Brandbrief vom Personalrat

Pflegepersonal soll horrende Parkgebühren zahlen - oder Bus und Bahn fahren

Charité
© dpa, Jörg Carstensen, car tba olg jhe nie fux pat dna

20. November 2020 - 18:46 Uhr

Pflegepersonal stinksauer

Die Pflegekräfte der Berliner Charité sind stinksauer auf den Berliner Senat – genauer auf die zuständige Verkehrssenatorin. Denn am größten Berliner Klinikum gibt es kaum Parkplätze und für die wenigen, die es gibt, sollen Pfleger und Schwestern die vollen Parkgebühren zahlen. Jetzt hat der Personalratschef einen Brandbrief geschrieben.

Parkgebühren: Etwa 20 Euro pro Schicht

Die Alternative lautet damit auch in Pandemiezeiten: Bus und Bahn fahren. Nur damit setzt sich das Pflegepersonal einem höheren Infektionsrisiko aus. Dabei, so heißt es in dem Brief, empfehlen sogar die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel dringend "den ÖPNV nicht zu nutzen" - wegen des höheren Infektionsrisikos.

Trotz höherem Infektionsrisiko: Krankenschwestern müssen Bus und Bahn fahren

Also hat sich die Klinik bereits im Vorfeld um eine Ausnahmeregelung bei der zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz bemüht. Eine Regelung, die es im Frühjahr so übrigens schon mal gab. Nämlich die Parkplätze für das Pflegepersonal während der Pandemie umsonst zur Verfügung zu stellen. In Pawlowskis Schreiben ist von "umfangreichem Schriftwechsel die Rede". Und weiter: "Dieser endete stets mit der Aussage, dass es auch in Pandemiezeiten keine Ausnahmeregelung für Mitarbeiter der direkten Patientenversorgung geben könne und somit Parkgebühren anfallen".

In der Charité werden 100 schwerkranke Covid-Patienten versorgt

Ärzte, Pfleger und Schwestern ärgert das auch vor dem Hintergrund, dass in der Charité derzeit mehr als 100 schwerst-erkrankte Covid-Patienten auf der Intensivstation versorgt werden müssen und viele bis an die Belastungsgrenze arbeiten. (s.Video) Fällt das Personal aus, weil sie sich auf dem Weg zur Arbeit mit Corona infiziert, kann das Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben. "Die Sorgen der Beschäftigten wurden ignoriert, obwohl dargelegt wurde, wie stark die Mitarbeiter*innen gefährdet sind und somit bei Infizierung von Kolleg*innen die Versorgung der Patient*innen beeinträchtigt wird," schreibt der Klinikpersonalrat.

Von der zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz heißt es, man nehme die Sorgen der Klinikbeschäftigten um die Sicherung ihrer Gesundheit sehr ernst. Gleichzeitig verweist man darauf, dass es im "im Gegensatz zur Darstellung des Klinikpersonals" auch im Frühjahr keine Ausnahmeregelung gegeben habe. Und weiter: Es gibt aus Sicht der Senatsverwaltung auch jetzt keinen Grund dafür, weil die Klinik-Standorte auch mit dem ÖPNV gut und sicher erreichbar sind." In der Behörde geht man davon aus, dass Bus und Bahn fahren "bei Einhaltung der für ihn geltenden Hygieneregeln keine besondere Gefährdung" darstellt. Und darin sehe man sich vom Robert-Koch-Institut bestätigt.