Diskussionsthema in Deutschland

Paris Hilton plötzlich Mama dank Leihmutterschaft - wo ist das erlaubt?

Paris Hilton und ihr Partner Carter Reum
Paris Hilton und ihr Partner Carter Reum sind Eltern geworden - durch eine Leihmutter.
zeus axs, dpa, Imagespace

Das US-amerikanische Model und It-Girl Paris Hilton ist Mutter geworden. Sie und ihr Partner Carter Reum haben das Baby durch eine Leihmutter bekommen. Und damit sind sie nicht allein: Auch Stars wie Naomi Campbell oder Robbie Williams und seine Ayda haben zumindest eines ihres ihrer Kinder von einer anderen Frau austragen lassen. Doch in Deutschland ist das Thema weiterhin heikel. Hierzulande ist die Leihmutterschaft nämlich noch immer verboten.

Wie definiert sich eine Leihmutterschaft?

Als Leihmütter werden Frauen bezeichnet, die für die Dauer einer Schwangerschaft ihre Gebärmutter sozusagen "verleihen", um für eine andere Person beziehungsweise mehrere Personen ein Kind zu gebären. In der Regel stammen Samen und/oder Eizelle von den Wunscheltern, können aber auch von Fremdspendern stammen.

Laut dem Expertenportal „beratung.de“ gibt vor allem drei Varianten einer Leihmutterschaft:

  • Der Embryo wird in eine fremde Gebärmutter implantiert

Das genetische Material - also die befruchtete Eizelle - der zukünftigen Eltern wird in die Leihmutter implantiert, die fortan den Embryo in sich trägt und das Baby zur Welt bringen wird. Die Wunschmutter, wird in diesem Fall zur "sozialen Mutter". Dieses Verfahren wird zum Beispiel angewandt, wenn die Frau keine Gebärmutter mehr hat. Die soziale Mutter und die Gebärende sind verschiedene Personen.

  • Die Leihmutter erhält das Sperma des zukünftigen Vaters

Es ist auch möglich, das Sperma des zukünftigen Vaters einer "Tragemutter" zu inseminieren - das heißt: In diesem Fall wird die Eizelle der Leihmutter befruchtet. Dann sind genetisch gesehen austragende und gebärende Frau identisch.

  • Ei- und Samenzelle sind von Fremdspendern

Im dritten Fall ist es möglich, dass die genetische Elternschaft vollständig aufgehoben ist. Dann stammen sowohl die Ei- als auch die Samenzelle von Fremdspendern.

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Wie sieht die derzeitige Rechtslage dazu in Deutschland aus?

Bisher ist Leihmutterschaft in Deutschland verboten. Das Embryonenschutzgesetz (ESchG) verbietet die künstliche Befruchtung von Leihmüttern. Auf Beihilfe stehen für Ärzte bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Die Leihmutter und die Wunscheltern machen sich erst einmal nicht strafbar, außer sie verstoßen gegen das Adoptionsvermittlungsgesetz (AdVermiG).

Das untersagt nämlich die Vermittlung von Ersatzmüttern sowie die öffentliche Suche nach Leihmüttern oder andersherum nach Wunscheltern. Heißt: Jeder, der sich öffentlich als Leihmutter anbietet oder nach einer Leihmutter sucht und dafür in einer Zeitung eine Anzeige schaltet oder auf Facebook ein Suchbescheid postet, macht sich strafbar.

Lese-Tipp: Embryos vertauscht: Frau bringt fremdes Baby zur Welt

In Deutschland ist nach Gesetz nämlich die Frau, die das Kind geboren hat, die rechtliche Mutter, – auch wenn das Kind genetisch von einer anderen Frau abstammt. Das heißt auch, dass das Kind nicht die deutsche Staatsangehörigkeit hat, wenn die Leihmutter aus dem Ausland stammt.

Allerdings weist das Auswärtige Amt hier auch auf eine rechtliche Grauzone hin. Der Bundesgerichtshof habe demnach 2014 bei einem ausländischen Leihmutterschaftsfall die Leihmutterschaft anerkannt. Wenn ein Wunschelternteil nämlich mit dem Kind genetisch verwandt ist und ein ausländisches Gericht die rechtliche Elternschaft den Wunscheltern bereits zugesprochen hat, kann die Leihmutterschaft auch in Deutschland anerkannt werden. Dann bekommt das Kind auch einen Pass und darf aus dem Ausland überführt werden.

Das sagen die Parteien

Politikerin Katrin Helling-Plahr (FDP)
Die Politikerin Katrin Helling-Plahr (FDP) ist für eine teilweise Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland
www.imago-images.de, imago images/Christian Spicker, Christian Spicker via www.imago-images.de

Die letzte große Debatte um Leihmutterschaften in Deutschland hat 2019 die FDP-Politikerin Katrin Helling-Plahr angestoßen. Diese fordert damals eine Legalisierung von Leihmutterschaften und Embryonenspenden in Deutschland, wenn auch unter Auflagen. Eine bezahlte Form der Leihmutterschaft solle weiterhin verboten bleiben, sagt sie damals dem Berliner „Tagesspiegel“, wenn jedoch eine Frau für ihre beste Freundin oder ihre Schwester austragen wolle, solle das möglich sein.

Laut eine Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts „INSA-Consulere“ im September 2022 zeigt, dass 41 Prozent der Deutschen Leihmutterschaften in Deutschland begrüßen würden. Damals sprechen sich vor allem Wähler der Linken, der Grünen und der FDP gegen ein weiterer Verbot aus. Bei den Wähler der CDU/CSU ist die Zustimmung am geringsten gewesen. Im Koalitionsvertrag der jetzige Ampelkoalition steht jedoch, dass das Verbot der Leihmutterschaft und der Embryonenspende noch einmal diskutiert werden soll.

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Wie sieht das Gesetz zur Leihmutterschaft in anderen Ländern aus?

In 16 der 27 EU-Ländern sind Leihmutterschaften laut einer aktuellen Übersicht des EU-Parlaments aktuell möglich. Darunter zählen unter anderem Belgien, Dänemark und Irland. In manchen der Länder ist aber nur die altruistische Leihmutterschaft erlaubt, die Leihmütter dürfen für ihren Dienst also kein Geld verlangen oder bekommen.

In den anderen EU-Staaten ist die Leihmutterschaft entweder komplett verboten – wie in Italien – oder nur teilweise und unter starken rechtlichen Auflagen. In Schweden zum Beispiel dürfen Kliniken keine Leihmutterschaften bewerben, eine privat abgesprochene Leihmutterschaft ist jedoch erlaubt. Allerdings muss hier eine Adoption erfolgen, damit das Kind auch rechtlich gesehen zu seinen Wunscheltern gehört.

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Weltweit wiederum ist Leihmutterschaft zunehmend eine gängige Praxis für Eltern, die selbst kein Kind austragen können oder wollen. So auch in Russland, Thailand und vielen Bundesstaaten der USA. Hier gibt es sogar Agenturen, die Leihmütter vermitteln. Die Vereinbarung und Bezahlung wird in der Regel vertraglich festgehalten. (jbü)