Kolumne von Sebastian Priggemeier

Papa spart: Der Latte-Faktor - wie aus Kleingeld ganz nebenbei 10.000 Euro werden

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6. September 2019 - 6:59 Uhr

Im Alltag Geld sparen? Klar geht das

Ja, ich habe ein Problem. Ich gebe zu viel Geld für unnötigen Killefitt aus. Für Snacks am Arbeitsplatz zum Beispiel. Hier mal ein Becher Frühstücks-Früchtequark - 1,50 Euro weg. Da eine Packung Erdnüsse - 1 Euro Abzug. Klingt nach unerheblichen Minibeträgen, aber das Ganze summiert sich, weil ich leider täglich zugreife. Wenigstens trinke ich am Arbeitsplatz nur Gratis-Automaten-Kaffee, denn Koffein ist scheinbar die größte Kostenfalle (mal abgesehen von Zigaretten). US-Finanzexperte David Bach hat sogar einen Begriff dafür: Den Latte-Faktor*. Tausende von Euro gehen uns durch diesen nebenbei-Konsum flöten. Geld, das sich viel besser sparen lässt. Mit einem einfachen Trick und zwei Formeln.

Spar-Schritt 1: Den persönlichen Latte-Faktor berechnen

Der Trick heißt: *Trommelwirbel* - DISZIPLIN.
Denn mal ehrlich, warum kaufe ich mir jeden Tag bei der Arbeit den Frühstücks-Quark? Weil ich morgens zu faul bin (oder als Papa zu sehr mit dem Kind beschäftigt), um mir selbst ein Frühstück zu machen. Es ist einfach bequemer, bei der Arbeit in der Kantine vorbeizuschauen. Die Erdnüsse könnte ich mir auch deutlich günstiger im 20er-Pack beim Discounter kaufen. Mit etwas Disziplin und langfristiger Einkaufsplanung. Das gleiche gilt für die Pfefferminz-Pastillen, die ich mir einmal pro Woche am Kiosk hole (Preis: 1,40 Euro). Alles Ausgaben, die sich vermeiden ließen. Aber ich bin zu bequem.

Und meine Bequemlichkeit kostet Geld. Verdammt viel Geld. Mit einer speziellen Formel lassen sich die persönlichen Kosten durch den Latte-Faktor ausrechnen:
Einfach die täglichen Nonsens-Konsum-Ausgaben addieren und mit 20 multiplizieren (die 20 steht für die Zahl der Arbeitstage, die jeder Monat im Schnitt hat).

In meinem Fall bedeutet das:

   1,50 Euro für Frühstücks-Quark
+ 1 Euro für Erdnüsse
x 20 
= 50 Euro pro Monat

+ 4 x 1,40 Euro für Pfefferminz-Pastillen
= 5,60 Euro
Monatliche Latte-Faktor-Kosten: 55,60 Euro

Auf ein ganzes Jahr hochgerechnet, ergibt sich eine Summe von 667,20 Euro.
Für das Geld könnte ich auch einen tollen Wochenend-Ausflug mit meiner Familie machen.

Spar-Schritt 2: Latte-Faktor-Summe direkt auf ein Konto überweisen

Latte-Faktor berechnen
Mein persönlicher Latte-Faktor ist eher ein Snack-Faktor. Erdnüsse, Frühstücks-Quark und Minzpastillen kosten mich jeden Monat viel Geld.
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Schon eine ganze Stange Geld. Noch krasser ist aber die Zahl, die herauskommt, wenn man berechnet, was sich mit der Kohle alles anstellen ließe. Das geht mit der "752-Regel" des US-Finanzbloggers Peter Adeney.

Wer seine wöchentlichen Killefitt-Ausgaben mit 752 multipliziert, weiß hinterher, wie viel Geld zusammengekommen wäre, wenn die Summe zehn Jahre lang in einem Fonds angelegt worden wäre.

Hätte, wäre, könnte. Am Ende zählen nur die nackten Zahlen. Bei mir gehen wöchentlich 13,90 Euro einfach so weg. Also, ran an den Taschenrechner und Taschentücher bereitlegen:

13,90 Euro x 752 = 10.452,80 Euro  

Wow. Zeit für eine Spar-Strategie.
Experten empfehlen, die persönlichen Latte-Faktor-Ausgaben zu berechnen (das haben wir hiermit getan) und am Monatsende direkt per Dauerauftrag in einen ETF-Sparplan einzuzahlen. So kommt man erst gar nicht in die Versuchung, das Geld doch auszugeben.

Spar-Schritt 3: Am Tag X richtig Spaß haben

Wenn der Plan steht, kann es losgehen. Aber eine Frage bleibt: Dürfen wir uns dann gar nichts mehr gönnen, oder wie? Keine Sorge, es geht nicht darum, komplett auf Konsum zu verzichten. Ich persönlich werde in Zukunft allerdings drei Mal darüber nachdenken, ob ich die Erdnüsse und die Pastillen wirklich in der Kantine kaufe oder besser beim Discounter - vielleicht lasse ich sie auch gleich im Regal liegen. Mein hart erarbeitetes Geld muss ich ja nicht leichtfertig verschenken. Und es macht garantiert mehr Spaß, sich mit erspartem Geld einmal richtig etwas zu gönnen als jeden Tag minimal.

Den ersten Teil der Papa-spart-Kolumne finden Sie hier. Mit der 2-Euro-Challenge lässt sich im Familien-Alltag problemlos ein kleines Finanzpolster aufbauen.
Und hier erfahren Sie, wie Ihnen durch die Umschlag-Methode mehr Geld am Monatsende bleibt.

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