Erschreckende Details zum Prozessauftakt: Er sah mit an, wie sein Vater Mutter und Bruder tötete

Sohn (11) überlebte Familiendrama in Tiefenbronn nur knapp: "Papa, ich habe dich doch lieb"

24. Februar 2020 - 11:06 Uhr

Schockierende Details zum Prozessauftakt

Im Mai vergangenen Jahres soll ein Familienvater in Tiefenbronn (Baden-Württemberg) seine Frau und seinen 8-jährigen Sohn getötet haben. Sein elfjähriger Sohn überlebte schwer verletzt. Jetzt hat der Prozess im Landgericht Karlsruhe begonnen - mit erschütternden Details aus der Tatnacht. "Papa, ich habe dich doch lieb", soll der flüchtende Elfjährige noch gesagt haben, als der Vater ihn zurück ins Haus zerren wollte und lebensgefährlich verletzte. Zuvor musste das Kind offenbar mitansehen, wie der 61-Jährige seine Mutter und seinen jüngeren Bruder erstach. Was der Vater zum Prozessauftakt sagt, sehen Sie im Video.

Vater soll Familie fast vollständig ausgelöscht haben

"Es ist für mich kaum vorstellbar, mit der Tat weiter zu leben", hieß es in einer Erklärung, die die Anwältin des Angeklagten zu Beginn des Prozesses vorlas. Der Familienvater hat die Tötung seiner Frau und seines Sohnes eingeräumt. Er werde jede Entscheidung des Gerichtes annehmen. Seine Familie sei für ihn das Wichtigste im Leben gewesen, ließ er mitteilen. Für die Tat habe es keinen Anlass gegeben. Er habe weder finanzielle, noch berufliche oder private Probleme gehabt. "Bei mir wurde eine bipolare Störung diagnostiziert", sagte der Medizin-Technik-Ingenieur.

Der 61-Jährige hatte deshalb Medikamente genommen, sie vor geraumer Zeit aber selbst abgesetzt, sagte Dr. Peter Winkler vor Gericht. Der Facharzt für Psychiatrie hatte mehrere Gespräche mit dem Familienvater geführt. Demnach soll es ihm einige Wochen vor der Tat schlecht gegangen sein. Er habe das Gefühl gehabt, sein Leben mache keinen Sinn mehr und er sei davon überzeugt gewesen, seine Familie von einem Fluch befreien zu müssen. Nach der Tat wollte er sich selbst das Leben nehmen, scheiterte jedoch.

Familiendrama erschütterte Tiefenbronn

Tiefenbronn Drama: Ein Familienvater soll im Mai vergangenen Jahres seine 38 Jahre alte Frau und den achtjährigen Sohn umgebracht haben.
Tiefenbronn: Polizisten, ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes und ein Mitglied des Kriseninterventionsteams der Malteser stehen in der Einfahrt zu dem Wohnhaus der Familie.
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Die Bluttat in dem 5.000-Einwohner-Örtchen Tiefenbronn am 25. Mai 2019 hatte die Republik erschüttert. Die 38-jährige Frau und der 8-jährige Junge starben beide an schweren Schnitt- bzw. Stichverletzungen. Dem Elfjährigen gelang die Flucht. Ein Zeuge fand den schwerst verletzten Jungen auf der Straße und rief die Polizei. Das Kind war vor dem Vater in Todesangst geflüchtet, konnte aber noch Hinweise geben. Die Beamten durchsuchten daraufhin das Haus und entdeckten die Leichen der Mutter und des kleinen Bruders, und auch den Vater im Schlafzimmer.

Für den Prozess sind 15 Zeugen und mehrere Sachverständige geladen. Ein Urteil könnte am 10. März gesprochen werden.