"Pädo-Hunter" geben sich als Kinder aus

Aktivisten machen Jagd auf Pädophile – doch ihre Methoden sind illegal

07. Oktober 2021 - 17:24 Uhr

Pädo-Hunter stellen mutmaßliche Täter an den Pranger

Sie nennen sich "Pädo-Hunter" und haben nur ein Ziel: mutmaßliche Pädophile ausfindig zu machen und sie an den Pranger zu stellen. Im Internet geben sich die Privatpersonen als Kinder aus und ertappen Erwachsene, die sich an Minderjährige ranmachen wollen, auf frischer Tat. So werden gefährliche Täter überführt. Das ist im Ergebnis gut, der Weg dahin aber illegal. Wir haben solche Aktivisten getroffen und mit ihnen darüber gesprochen. Mehr dazu im Video.

Aktivisten verteilen Flugblätter mit Foto und Daten des Verdächtigen

Pädo-Hunter
Die Pädo-Jäger geben sich als Kinder aus und ertappen Erwachsene, die sich an Minderjährige ranmachen wollen, auf frischer Tat.
© RTL

"Ich erlebe, dass die Täter überhaupt keine Angst haben vor der Sache, die sie machen", sagt einer der Pädo-Jäger. "Das merkt man schon daran, dass sie ihre Nummer rausgeben und Treffen vereinbaren. Sie haben keine Angst vor den Konsequenzen."

Als die Aktivisten einen mutmaßlichen Täter stellen, konfrontieren sie ihn mit den Vorwürfen und zeigen ihn an. Doch nicht nur das: Sie verteilen Flugblätter mit all seinen Daten – Name, Adresse, Telefonnummer, dazu ein Foto.

Polizei: Pädophilen-Jäger behindern unsere Arbeit

Eine Methode, die bei der Polizei auf harsche Kritik stößt. Nicht nur, weil sich die Pädo-Jäger auf diese Weise strafbar machen: Sie behindern auch die Arbeit der Beamten.

"In dem Moment, wo ein Tatverdächtiger aus der Anonymität an die Öffentlichkeit gezerrt wird, wird er tunlichst alle Beweismittel vernichten", erklärt Anja Dierschke, stellvertretende Pressesprecherin der Berliner Polizei. "Das Vorgehen der Pädophilen-Hunter behindert also tatsächlich Ermittlungsverfahren und auch Strafverfahren bei der Justiz."

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Viele Pädo-Hunter wurden Opfer sexueller Gewalt

Pädo-Hunter
Viel Pädophilen-Jäger sind selbst Opfer sexueller Gewalt geworden.
© RTL

Die Aktivisten hingegen handeln nach dem Motto: Opferschutz vor Täterschutz. Und nehmen in Kauf, dass der von ihnen erwischte Mann seinen Job verliert, nachdem er an den Pranger gestellt wurde. Ihr Vertrauen in die Justiz ist gering. "Nach einer Anzeige tut sich nichts, der Täter lebt trotzdem unbeschwert zuhause weiter, kann trotzdem wieder vor die Tür gehen, irgendwann ein Kind abfangen oder im Netz weitermachen, meint eine Aktivistin: "Wir möchten einfach die Nachbarn und die Kinder in seiner Reichweite warnen."

Der Antrieb vieler Aktivisten ergibt sich aus ihrer eigenen Biographie: Die meisten Pädo-Hunter sind nicht nur Eltern, sondern oft selbst bereits Opfer sexueller Gewalt geworden.

Verein "Innocence in Danger" sieht Pädo-Hunter kritisch

Julia von Weiler vom Verein "Innocence in Danger" kann die Motive der Aktivisten zwar nachvollziehen. Ihre Methoden stellt sie aber in Frage: "Ist das eine gesunde Form der Auseinandersetzung? Ich bezweifele das eher."

So müssen sich die Pädo-Hunter fragen, ob sie wirklich Straftaten verhindern – oder am Ende sogar Tätern in die Hände spielen, weil Ermittlungen gestört werden und Beweise vernichtet werden können. (bst)