Suche nach Schwarzwald-Rambo geht weiter

Was wir über Yves Rausch wissen - und was nicht

18. Juli 2020 - 15:16 Uhr

Oppenau im Ausnahmezustand

Seit Sonntag (12. Juli) herrscht im rund 5.000-Einwohner-Städtchen Oppenau (Schwarzwald) Ausnahmezustand: Der 31-jährige Yves Rausch bedrohte und entwaffnete vier Polizisten, seitdem ist er auf Flucht. Was wir bisher über den sogenannten Schwarzwald-Rambo wissen – und was nicht.

Sonntag, 12. Juli: Yves Rausch entwaffnet vier Polizisten und flieht

Der gelernte Schreiner Yves Rausch saß am Sonntag vor einer Gartenhütte – bewaffnet mit Pfeil und Bogen, Messer sowie mehreren Patronen. Ein Anwohner wurde misstrauisch und alarmierte die Polizei. Die Beamten forderten ihn auf, die Hütte zu verlassen, doch Rausch weigerte sich und zog eine Schusswaffe. Er bedrohte die vier Polizisten und forderte sie auf, ihre Dienstwaffen abzulegen. Yves Rausch sammelte sie ein und floh.

Seitdem ist er auf der Flucht, hunderte Einsatzkräfte suchen seit dem Vorfall die Wälder in und um Oppenau ab – bisher ohne Erfolg. Hinweise auf eine politische Verstrickung oder Helfer des Mannes gibt es derzeit nicht.

Wie kann sich der Schwarzwald-Rambo so lange verstecken?

Mit einem Großaufgebot sucht die Polizei seit Sonntag in den dichten Wäldern rund um Oppenau nach Yves Rausch.
Mit einem Großaufgebot sucht die Polizei seit Sonntag in den dichten Wäldern rund um Oppenau nach Yves Rausch.
© dpa, Philipp von Ditfurth, pvd bsc

Die Ermittler vermuten, dass sich Yves Rausch in den Wäldern rund um Oppenau versteckt. Hier hat er schon vorher gelebt, hier kennt er sich aus. Doch wie kann das funktionieren? "Es ist natürlich die Frage, inwieweit er den Verzicht auf manche Dinge aushalten kann", sagt Profiler Axel Petermann. "Wenn er sehr genügsam und mit dem zufrieden ist, was er bei sich hat, dann kann das schon lange Zeit anhalten. Er braucht ja offensichtlich niemanden."

Das glaubt auch Thomas Gast, der 17 Jahre bei der Fremdenlegion, einer der härtesten Elitetruppen der Welt, beschäftigt war. "Wir haben Sommer, es gibt Beeren, Wurzeln, die Rinde von Bäumen, Insekten und so weiter. Mir reicht eine Hand voll Erdnüsse, um fünf Tage im Wald zurecht zu kommen", so Gast. 

Wie tickt der Schwarzwald-Rambo?

Yves Rausch wird in diversen Berichten als Einzelgänger beschrieben – ein Bild, das auch Uwe Hauser, Gastronom und ehemaliger Arbeitskollege von Rausch, im Interview mit RTL bestätigt. "Yves ist ein schräger Vogel", so Hauser. "Er hat seinen eigenen Willen und ist eher jemand, der gerne alleine ist. Er hat nur wenige Freunde." Für gefährlich halte er ihn nicht: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Yves irgendjemandem was antut!"

Rausch Mutter beschreibt ihren Sohn in einem Facebook-Statement als "höflich und freundlich", er sei vielleicht ein kleiner "Exot", aber trotzdem "hilfsbereit, kreativ und sensibel". Außerdem liebe er die Natur. "Er hat sich sehr in den Wald zurückgezogen, ab und zu schreiben wir miteinander", erklärte sie außerdem im Interview mit der "Mittelbadischen Presse".

Die Hütte, in der Yves Rausch bis zu seiner Flucht gewohnt hat, liegt abgeschottet und wurde verwahrlost verlassen. RTL war vor Ort und hat sich ein Bild von dem einstigen Zuhause des Schwarzwald-Rambos gemacht: Im Garten stapelt sich der Müll und auch das Innere seiner Holzhütte ist verwüstet.

In Oppenau ist Rausch immer wieder wegen seines langen, schwarzen Mantels aufgefallen, den er sogar bei sommerlichen Temperaturen nie ausgezogen hat, erinnert sich ein ehemaliger Vermieter. Außerdem trägt Rausch den Adler einer römischen Legion als Tattoo auf dem rechten Oberarm.

Die Strafakte des Schwarzwald-Rambos

Schwarzwald-Rambo Yves R.
Schwarzwald-Rambo Yves R. entwaffnete vier Polizisten.
© RTL

Yves Rausch ist laut einer Aussage des Vaters eines ehemaligen Klassenkameraden bereits in seiner Kindheit oft negativ aufgefallen, er galt als Störenfried. Wegen seines Faibles für Waffen – in Rauschs früherer Wohnung stand ein Schießstand – war er der Polizei schon vor seiner Flucht bekannt. 

2010 wurde er in Pforzheim wegen gefährlicher Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Jugendarrest verurteilt. Demnach hat er 2009 mit einer Armbrust auf eine Frau geschossen und diese schwer verletzt. "Es war ein Unfall und keine Absicht", beteuert seine Mutter gegenüber der "Mittelbadischen Presse". Während seiner Haftstrafe hat Rausch eine Schreinerausbildung absolviert, er war einer der Jahrgangsbesten, wie seine Mutter erzählt.

Doch die Zeit im Gefängnis war für den heute 31-Jährigen eine große Herausforderung. "Ich glaube, er hat dort furchtbare Dinge erlebt", erklärt seine Mutter. Was genau vorgefallen sei, wisse sie bis heute nicht. "Er sagt nur: Eines Tages werde ich dir das mal erzählen."

Yves Rausch: Seine Familie ist in großer Sorge

Für Rauschs Familie sind die letzten Tage besonders kräftezehrend, sie machen sich große Sorgen. Seine Tante fürchtet sogar um das Leben ihres Neffen, gegenüber RTL sagte sie: "Ich habe Sorge, dass er da nicht mehr lebend rauskommt." Sie fürchtet um ihr Familienmitglied und glaubt, dass Yves einfach nur Angst hatte, als die Polizei am Sonntag plötzlich vor ihm stand. "Er ist eigentlich ein ruhiger Mensch", so ihre Erklärung. "Die machen ihn jetzt einfach nur zu einem Monster, das er nicht ist. Eigentlich ist er ein hilfsbereiter Mensch."

Das vermutet auch seine Mutter: "Ich glaube, er hatte Torschlusspanik, als er die Polizisten sah. Er will nicht wieder ins Gefängnis." Gegenüber RTL beteuert sie: "Ich hoffe nur, dass niemand zu Schaden kommt!"

Die Akte Yves Rausch: Was wir nicht wissen

Obwohl die Flucht von Yves Rausch seit Tagen die Nachrichten dominiert und hunderte Spezialkräfte Tag und Nacht im Einsatz hält, ist über die Motive des Einzelgängers kaum etwas bekannt. Auch das Versteck des Schwarzwald-Rambos stellt die zuständigen Beamten vor ein Rätsel: Wer sich im Wald gut auskennt, kann Wärmebildkameras und Co. gekonnt austricksen.

Die Polizei sucht mit einem Großaufgebot nach dem verschwundenen Yves Rausch. Außerdem hofft die Polizei auf Hilfe aus der Bevölkerung, es wurde ein Hinweistelefon eingerichtet. Unter 0781 / 21-3333 und 0781 / 21-3334 nehmen die Beamten Hinweise entgegen. Im Rathaus ist eine Anlaufstelle für besorgte Oppenauer eingerichtet worden.