Forscher untersuchen Superspreader-Event in Oslo

Drosten über Omikron: „Sieht nicht nach einer milderen Erkrankung aus“

ARCHIV - 17.09.2020, Berlin: Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, spricht beim 17. Kommunikationskongress 2020. (zu dpa Faktencheck "Sind die Virologen in zwei große Lager gespalten?") Foto: Christophe Gat
Christian Drosten ist Mitglied des neu gegründeten Corona-Expertenrats der Bundesregierung
bsc, dpa, Christophe Gateau

Weihnachtsfeier in Oslo führt zu Ausbruch

Der Wildtyp des Coronavirus Sars-CoV-2 sorgte auf einer Karnevalsfeier 2020 in Gangelt bei Heinsberg für einen Superspreader-Event, der Wissenschaftler lange beschäftigte. Jetzt gibt es auch bei der neuen Variante Omikron ein solches Event, das sogar schon wissenschaftlich aufbereitet wurde. Auf einer Weihnachtsfeier in Oslo infizierten sich Dutzende Menschen mit der Variante. Für Deutschlands Corona-Experten Christian Drosten ist klar: Von einem milden Verlauf kann nicht die Rede sein.

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Alle Corona-Regeln wurden eingehalten

Es geschah auf einer Weihnachtsfeier Ende November in einem Restaurant in Oslo: Dutzende Menschen stecken sich dort mit der Omikron-Variante des Coronavirus an. Alle Teilnehmer waren geimpft und wurden vorher getestet. Tine Ravlo, Gesundheitsbeauftragte von Oslo, sagte damals: Für die Feier wurden alle Corona-Regeln befolgt. Mindestens einer der Teilnehmer war kurz zuvor aus Südafrika zurückgekehrt. Also von dort, wo die Variante wegen eines sprunghaften Anstiegs der Inzidenzen und ungewöhnlicher Covid-19-Symptome erst entdeckt worden war.

Das fanden die Wissenschaftler heraus

Forscher und Forscherinnen des Norwegian Institute of Public Health haben das Ereignis nun wissenschaftlich aufbereitet. Dazu trugen sie Daten über die betroffenen Personen zusammen. Mit ihren Ergebnissen bestätigen sie die bisherigen Befürchtungen: Omikron ist hochinfektiös und auch Menschen, die bereits zweifach gegen Sars-CoV-2 geimpft sind, können sich anstecken.

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Von den 117 Personen, die auf der Weihnachtsfeier waren, nahmen 111 an der Befragung der Forschenden teil. 96 Prozent waren vollständig, also zweifach, geimpft. Eine Booster-Impfung hatte niemand erhalten. Bei 66 Teilnehmenden wurde eine Ansteckung mit Omikron nachgewiesen. Bei 15 gilt eine Ansteckung mit der Mutante als wahrscheinlich, ihr PCR-Test fiel positiv aus.

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Am häufigsten hatten die 81 Personen (Altersmedian: 36) folgende Symptome: Husten (83 Prozent), laufende/verstopfte Nase (78 Prozent), Müdigkeit/Abgeschlagenheit (74 Prozent), Halsschmerzen (72 Prozent), Kopfschmerzen (68 Prozent) und Fieber (54 Prozent). Nur eine Person hatte einen asymptomatischen Verlauf. Die "gute" Nachricht: Keiner der Untersuchten wurde, jedenfalls bis zum 13. Dezember, wegen einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert.

Geht man davon aus, dass sich die Teilnehmer auf der Party infiziert haben, lässt das auf eine mittlere Inkubationszeit von drei Tagen schließen. Zum Vergleich: Bei Alpha beträgt die Inkubationszeit etwa fünf Tage, bei Delta rund vier Tage.

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