Worauf Sie beim Kauf von Naturkosmetik-Produkten achten sollten

Naturkosmetik ist nicht automatisch gut für die Haut: Vorsicht bei diesen Inhaltsstoffen!

Nur weil etwas aus der Natur kommt, muss es nicht auch für die Hautpflege geeignet sein.
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17. Juli 2020 - 9:40 Uhr

Nur weil etwas aus der Natur kommt, muss es noch lange nicht gut für uns sein!

Die Vorteile der Naturkosmetik liegen klar auf der Hand: Viele Naturkosmetik-Unternehmen nutzen Rohstoffe aus biologischem Anbau, beschäftigen sich mit nachhaltigeren Verpackungsmöglichkeiten, testen ihre Produkte nicht an Tieren oder verzichten auf bedenkliche oder umweltschädliche Inhaltsstoffe wie Erdöle oder PEG. Kein Wunder, dass bereits seit einigen Jahren ein regelrechter Hype um Naturkosmetik herrscht. Was viele Verbraucher bei all der berechtigten Begeisterung um Naturkosmetik jedoch vergessen: Nur weil etwas aus der Natur kommt, muss es noch lange nicht gut für uns sein. Auch in Natur- und Bio-Kosmetika verbergen sich nämlich Inhaltsstoffe, die unserer Haut schaden können. Dr. Andreas Kleinheinz, Chefarzt am Dermatologischen Zentrum Buxtehude, verrät, bei welchen Inhaltsstoffen Sie vorsichtig sein sollten.

Bei diesen natürlichen Inhaltsstoffen ist Vorsicht geboten

Um synthetische Duftstoffe und Parfüms zu vermeiden, setzen Hersteller bei Naturkosmetik häufig auf ätherische Öle. Doch auch die können der Haut schaden: Sie erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut und können zu Kontaktallergien oder Hautreizungen führen. "Häufige Inhaltsstoffe aus Naturkosmetik, die zu Kontaktallergien führen können, sind Propolis, Teebaumöl und ätherische Duftstoffe wie Isoeugenol oder Eichenmoos", erklärt der Dermatologe Dr. Andreas Kleinheinz. Auch Korbblütler wie Arnika oder Kamille könnten solche Hautreaktionen auslösen.

Die Symptome seien dann juckende Ekzeme, im Gesicht könne auch eine Verschwellung der Augen auftreten. "Wenn Shampoos oder Haarfärbemittel zu einer Kontaktallergie führen, dann können nässende Ekzeme an der Kopfhaut und im Nacken mit Lymphknotenschwellungen auftreten", so Dr. Kleinheinz.

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„Naturkosmetik“ ist kein geschützter Begriff

Zudem sollten Sie beachten, dass die Bezeichnung "Naturkosmetik" nicht gesetzlich geschützt ist. Jedes Kosmetikunternehmen kann seine eigene Interpretation davon entwickeln, was als "natürlich" gilt oder kann die Bezeichnung einfach zu Werbezwecken nutzen. "Kosmetik mit Abbildungen von Pflanzen oder Früchten auf der Packung oder mit entsprechender Werbung –  z.B. mit Aloe Vera - kann trotzdem überwiegend aus chemisch-synthetischen Substanzen wie Kunststoffen oder Silikonöl bestehen", warnt die Verbraucherzentrale.

Wie erkenne ich, welche Inhaltsstoffe meiner Haut guttun - und welche nicht?

Leider bleibt Verbrauchern nur die müßige Aufgabe, sich genau über die Inhaltsstoffe ihrer Produkte zu erkundigen. Ätherische Öle verbergen sich in der Inhaltsliste von Produkten zum Beispiel unter Bezeichnungen wie Citral, Citronellol, Limonene, Eugenol, Geraniol oder Linalool.

Wenn Sie nicht jeden Inhaltsstoff einer schier endlos langen Liste auf mögliche Risiken abklopfen möchten, fangen Sie damit an, sich auf die ersten fünf bis zehn genannten Inhaltsstoffe zu konzentrieren. Denn die sind im jeweiligen Produkt in der größten Menge vertreten. Im Netz finden Sie einige Webseiten, die erklären, welche Stoffe sich hinter ominösen Bezeichnungen wie "Capric triglyceride" oder "Helianthus Annuus Seed Oil" verbergen und ob diese als hautschädlich eingestuft werden. Auch mit Apps wie Codecheck oder ToxFox können Kunden Produkte in der Drogerie scannen und bekommen eine Auflistung bedenklicher Inhaltsstoffe.

Ist Naturkosmetik deshalb schlecht?

All das bedeutet natürlich nicht gleich, dass Naturkosmetik schlecht für die Haut ist. Es kommt einfach immer auf die verwendeten Inhaltsstoffe an. Indischer Wassernabel, Grüntee-Extrakt oder Aloe Vera sind nur drei Beispiele für viele pflanzliche Inhaltsstoffe, die pflegend und beruhigend auf die Haut wirken und gemeinhin gut verträglich sind.

Man sollte nur nicht vergessen: Nur weil etwas aus der Natur kommt, bedeutet das nicht, dass es ungefährlich ist. Oder würden Sie sich Quecksilber auf die Haut schmieren, nur weil es ein in der Natur vorkommender Stoff ist?

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