Chefarzt-Visite soll sofort verbessert werden

Nach Psychiatrie-Skandal in Frankfurt Höchst: Das hat sich seit der "Team Wallraff“-Reportage geändert

12. September 2019 - 13:28 Uhr

Erster Zwischenbericht informiert über aktuelle Lage in Frankfurt Höchst

Überfordertes Personal, Patienten, die tagelang ans Bett gefesselt werden und ein rüder Umgangston – das haben verdeckt arbeitende RTL-Reporter in der Akutpsychiatrie in Frankfurt Höchst dokumentieren können. Die Reportage von Team Wallraff im März 2019 hat sowohl die Politik als auch die Zuständigen wachgerüttelt: Am Mittwoch wurde ein erster Zwischenbericht über die aktuelle Lage der Klinik vorgestellt.

"Wir nehmen diese Themen als Herausforderung an"

Vor etwa sechs Monaten sorgte die verdeckte Reportage, über die Missstände der Psychiatrie in Frankfurt Höchst, bei zahlreichen Zuschauern für Entsetzen. Sozialminister Kai Klose (Grüne) hat am Mittwoch zu einer Pressekonferenz in Wiesbaden eingeladen. Der externe Berater und Psychiater Hans Joachim Kirschenbauer hat seinen Zwischenbericht zu den Missständen in der Klinik vorgestellt. Auch die Leiterin der Klinik, Dorothea Dreizehnter, äußert sich zu den aufgedeckten Szenen.

"Wir machen das Buch nicht zu. Wir werden unseren Weg auch weitergehen und zwar losgelöst vom Wallraff-Bericht. Wir nehmen vielmehr diese Themen als Herausforderung wahr, es wird von vielen auch als Chance begriffen", sagt Dreizehnter am Mittwoch in der Pressekonferenz.

Inhalte der RTL-Reportage wurden mit einem Ampelsystem bewertet

In der RTL-Reportage wurden insgesamt zwölf Situationen aus der Klinik gezeigt. Für diese hat Berater Kirschenbauer bei seiner Analyse ein "Ampelsystem" eingefügt. "Von den zwölf Themen wurden fünf mit Grün, drei mit Gelb und vier mit Rot bewertet," erklärt der externe Berater.

Grün bedeutet Entwarnung, Gelb sind die relevanten Themen, die angepasst werden müssen. Und Rot sind dramatische Zustände, die sofort verbessert werden sollten. Darunter fällt der Mangel an Therapieangeboten, die zu geringe Gartennutzung für die Patienten, die Stationsüberbelegung und die viel zu kurze Chefarzt-Visite, die insgesamt 16 Sekunden dauerte.

Zu der umstrittenen Fixierungs-Szene sagt Kirschenbauer: "Nach intensiver Aktenstudie, auch nach dem Kontakt mit den Mitarbeitern und während meiner Tätigkeit, auch mit dem Kontakt mit dem Patienten, ist diese Einordnung, für mich, sehr deutlich in einem grünen Bereich."

Räumliche Bedingungen konnten bereits verbessert werden

Im zweiten der Teil der Analyse geht Kirschenbauer auf die Ist-Situation der Klinik ein. "Teilweise sind Empfehlungen jetzt schon, aufgrund der Bestandsaufnahme entstanden. Und teilweise hat die Klinik bereits reagiert und Dinge im Einzelnen angefangen oder sogar umgesetzt", erklärt Kirschenbauer. Aufgrund seiner Untersuchungen sind ihm insbesondere Probleme aufgefallen, die "mit Strukturen und Prozessqualität zu tun haben". So könnten räumliche Rahmenbedingungen verbessert oder die Abläufe angepasst werden. Auch habe das Aufnahme- und Entlass-Management noch Potenzial.

"Wir haben einige Themen bereits bearbeitet: Die Verbesserung der räumlichen Situationen auf der betroffenen Station. Wir haben sehr viel getan um das Thema 'Deeskalation', den Umgang mit aggressiven Patienten, auf noch breiteren, noch sicheren Füßen zu stellen", erklärt Dreizehnter.

Die Reportage des "Team Wallraff" war der Anstoß für diese Veränderungen in der Akutpsychiatrie in Frankfurt Höchst. Man wolle nun in den nächsten Monaten den eingeschlagenen Weg weitergehen und das "mit großer Überzeugung".