Ehemalige KZ-Sekretärin wegen Beihilfe zu 11 000 Morden vor Gericht

Nach Prozessflucht: Hier wird Irmgard F. (96) zur Anklage gefahren

Irmgard F. wird Dienstagmorgen mit dem Rettungsdienst zum Prozess gefahren.
Irmgard F. wird Dienstagmorgen mit dem Rettungsdienst zum Prozess gefahren.
© RTL Nord

19. Oktober 2021 - 14:34 Uhr

Mit dem Rettungsdienst zum Prozess

Kurz vor 8 Uhr am Dienstagmorgen warten die Journalisten vor dem Pflegeheim Quickborn-Heide. Hier lebt die ehemalige KZ-Sekretärin Irmgard F. (96), die sich wegen Beihilfe zu 11 000 Morden vor Gericht verantworten muss. Bereits Ende September war Prozessauftakt, Irmgard F. ergriff jedoch die Flucht und floh mit einem Taxi.

Polizei kontrolliert jedes Auto

Jedes Auto, das sich vom Gelände entfernt, jedes Auto, das aufs Gelände fährt: Sie alle werden von der Polizei kontrolliert, um sicherzugehen, dass Irmgard F. (96) dieses Mal keine Chance hat zu fliehen. Um halb 9 fährt ein Rettungswagen vor, Irmard F. wird in ihrem Rollstuhl hinter einem großen Tuch abgeschirmt. Das geblümte Tuch, was ihren Kopf bedeckt, fällt bis über ihre Augen. Eine FFP2-Maske verdeckt den restlichen Teil ihres Gesichts. Selbst aufstehen kann sie nicht, sie wird von den Sanitätern in den Wagen gehoben. Um 8:45 Uhr fahren sie dann los. Etwa 35 Minuten dauert die Fahrt bis nach Itzehoe.

Womöglich letzter NS-Prozess in Deutschland

Der Prozess könnte einer der letzten sein, um Verantwortliche aus der NS-Zeit zur Rechenschaft zu ziehen.

Irmgard F. wird Beihilfe zum Mord in mehr als 11.000 Fällen vorgeworfen. Als Stenotypistin und Schreibkraft in der Kommandantur von Stutthof soll sie zwischen Juni 1943 und April 1945 den Verantwortlichen des Lagers bei der systematischen Tötung von Gefangenen Hilfe geleistet haben. (fst/agi)