"Sie sind ein riesengroßer Versager"

Laschet wird im Hochwassergebiet gegrillt

04. August 2021 - 11:40 Uhr

Wortgefecht in Swisttal

Hochwasserhilfe oder doch medienwirksamer Wahlkampfauftritt? Diese Frage musste sich heute CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet gefallen lassen, als er die Hochwassergebiete in Swisttal in Nordrhein-Westfalen besuchte. Bei einem geplanten Aufeinandertreffen mit den Opfern kam es dann zu einem hitzigen Wortgefecht.

"Wenn wir keine Freunde bei der Feuerwehr gehabt hätten, wären meine Eltern jetzt tot"

Den Besuch hatten sich CDU-Chef Armin Laschet und die Bürgermeisterin von Swisttal (Rhein-Sieg-Kreis) Petra Kalkbrenner sicher anders vorgestellt. Als Ministerpräsident von NRW und Kanzlerkandidat der Union wollte sich Laschet nach dem Stand der Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten erkundigen. Doch einigen Bewohnern schmeckte der Auftritt als "Macher in der Flutkatastrophe" so gar nicht. Der Vorwurf: Keine ausreichende Alarmierung vor dem herannahenden Hochwasser. "Wenn wir keine Freunde bei der Feuerwehr gehabt hätten, wären meine Eltern jetzt tot", ruft ein Bürger Armin Laschet entgegen. "Wo war die Warnung einen halben Tag vorher", ruft ein anderer.

+++ Mehrheit der Deutschen will Sirenen für Katastrophen-Warnung +++

Nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW hatte es viel Kritik an den Warnsystemen der Länder und des Bundes gegeben. Teilweise hatte die eigens für den Katastrophenfall entwickelte "NINA App" keine ausreichende Warnung gegeben. Vor allem in ländlichen Gebieten mit schlechtem Handyempfang wurde der Abbau der Sirenen kritisiert.

Laschet verteidigt sich

Doch trotz der scharfen Kritik gibt sich Armin Laschet hilfsbereit und verteidigt sich. "Was tut man denn als erstes, in dem Moment, wo es (das Hochwasser/ Anm. der Redaktion) passiert ist?, fragt Laschet und versucht damit darauf einzugehen, wie schnell das Hochwasser vor etwas mehr als zwei Wochen die betroffenen Orte erreicht hatte. Doch der CDU-Chef kommt nicht dazu zu Ende zu sprechen, denn ein wütender Bürger unterbricht ihn. "Nein, was tut man vorher?", schreit er Laschet an und kritisiert damit das Krisenmanagement im Vorfeld der Katastrophe.

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Armin Laschet im Hochwassergebiet in Swisttal
Ein geplantes Aufeinandertreffen mit den Opfern der Hochwasserkatastrophe wird für Laschet zum Desaster.
© RTL

"Sie sind ein riesengroßer Versager"

Doch der Höhepunkt des Wortgefechts ist da noch nicht erreicht. Der Einwohner redet sich in Rage und greift Laschet persönlich an. Als der CDU-Kanzlerkandidat versucht die Diskussion zu beruhigen, bekommt er dafür eine verbale Ohrfeige. "Es ist eine Unverschämtheit. Sie sind ein riesengroßer Versager und Sie werden es bei der Wahl merken."

Auch für den Versuch das Gespräch auf die Problemlösung zurückzubringen, erntet Laschet nur Hohn und Spott. "Da ist kein Problem mehr zu lösen: Das Wasser war da (...) und bisher sehe ich keinen von der Landesregierung niemanden bei mir helfen und auch keinen von der Verwaltung (Gemeindeverwaltung, untersteht der Bürgermeisterin / Anm. der Redaktion) bei mir helfen. Es ist keiner da und wir sind zweieinhalb Wochen durch. Es ist zu spät." Und der Laschet-Kritiker setzt noch einen drauf: "Haben Sie mal eine Woche im Schlamm gebuddelt?"

Armin Laschets Patzer bringen CDU in die Bredouille

Ein Auftritt, der für Armin Laschet zur Unzeit kommt. Denn gerade erst war die Welle der Entrüstung über seinen Lacher während der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in den Flutgebieten abgeebbt.

Für sein Verhalten bekam der CDU-Chef auch bereits die Quittung. Im aktuellen RTL-Trendbarometer stürzt die CDU noch einmal zwei Prozent gegenüber der Vorwoche ab und liegt nun nur noch bei 26 Prozent. Im direkten Kanzlervergleich wird es sogar noch deutlicher. Dort fällt Armin Laschet in der Beliebtheit sogar um sechs Prozent auf kommt jetzt nur noch auf 17 Prozent Zustimmung. Ein historischer Tiefflug.

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