Die Fenster hing er ab, damit sie keine Männer ansehen konnte

Mann soll Partnerin aus Eifersucht jahrelang in Wohnung eingesperrt und sie vergewaltigt haben

Prozess am Landgericht in München: Ein Mann hat seine Partnerin angeblich jahrelang aus Eifersucht in einer Wohnung eingesperrt.
Prozess am Landgericht in München: Ein Mann hat seine Partnerin angeblich jahrelang aus Eifersucht in einer Wohnung eingesperrt.
© deutsche presse agentur

21. September 2021 - 14:26 Uhr

Angeklagter bestreitet, seine Partnerin eingesperrt zu haben

Vor Gericht hat der 63 Jahre alte Angeklagte bestritten, seine Partnerin jahrelang eingesperrt und vergewaltigt zu haben. "Das stimmt alles nicht", sagte der Mann am Dienstag vor dem Landgericht München. Seine Lebensgefährtin habe doch einen Schlüssel gehabt und hätte die Wohnung verlassen können. Er behauptet, die Frau lüge.

Er soll sie gezwungen haben, 500 Mal in ein Heft zu schreiben: „Ich schaue keine Männer an.“

Jahrelang soll die Frau, laut Anklage, von dem Mann daran gehindert worden sein, das Haus zu verlassen. 2014 soll der 63-Jährige die Fenster der Münchner Wohnung mit Papier und Folie zugeklebt haben, damit sie nicht nach draußen schauen und dort andere, jüngere Männer sehen konnte. Der Angeklagte soll seine Freundin gezwungen haben, 500 Mal in ein Heft zu schreiben: "Ich schaue keine Männer an."

Außerdem soll er Überwachungskameras und Bewegungsmelder installiert und ihr Festnetztelefon abgemeldet haben, damit sie keinen Kontakt mehr zu ihren Freundinnen aufnehmen konnte. Im gemeinsamen Italien-Urlaub soll er sie sogar nachts mit dem Fuß ans Bett gefesselt haben, damit sie das Zimmer nicht verlassen kann.

Eingesperrte Frau konnte von Polizei aus der Wohnung in München befreit werden

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Freiheitsberaubung und Vergewaltigung in 30 Fällen vor. Sie ginge zwar davon aus, dass der 63-Jährige paranoid und schizophren sei, er aber mindestens in Bezug auf den Vergewaltigungsvorwurf, schuldfähig sei. Immer wieder soll der Angeklagte seine Freundin vergewaltigt haben, um sie zu bestrafen.

Aus ihrer Situation befreit wurde die Frau nach Angaben der Staatsanwaltschaft von der Polizei. Die Hausverwaltung hatte die Beamten informiert, weil die Frau nur noch per Post geantwortet hatte, aber lange nicht mehr gesehen wurde und die Tür nicht öffnete, wenn jemand klingelte. (dpa/ mca)