Weil er offenbar eine Patientin nicht behandeln wollte

Morddrohungen von Impfgegnern: Arzt unter Polizeischutz

Ein Hausarzt aus Wallenhorst wird massiv bedroht. Er und sein Team müssen deshalb nun von der Polizei beschützt werden. (Symbolbild)
Ein Hausarzt aus Wallenhorst wird massiv bedroht. Er und sein Team müssen deshalb nun von der Polizei beschützt werden. (Symbolbild)
© dpa, Oliver Berg

05. August 2021 - 11:25 Uhr

Ernstzunehmende Bedrohungen

Es ist sein gutes Recht als Arzt, doch nun wird er dafür massiv bedroht: Nachdem ein Hausarzt aus Wallenhorst im Landkreis Osnabrück einer nicht impfwilligen Patientin nahegelegt hat, sich einen anderen Hausarzt zu suchen, bekommt er Gewaltdrohungen. Sogar Morddrohungen sollen darunter sein. Die Polizei müsse ihn schützen, sagte eine Sprecherin der Polizeiinspektion Osnabrück: "Wir nehmen die Bedrohung ernst, so dass wir zum Schutz des Arztes und seines Teams Maßnahmen eingeleitet haben."

Hasskriminalität "keine Form der Meinungsfreiheit"

Er bekomme mehrere Nachrichten per Telefon und E-Mail im Stundentakt, sagte der Arzt der Deutschen Presse-Agentur. Es handele sich um verstörende Gewaltfantasien, die sich gegen ihn und sein Team richteten. Für seine Familie und seine Mitarbeiterinnen sei das sehr belastend. Er selber müsse das aushalten. "Ich habe nicht damit gerechnet, wie wir inzwischen in dieser Republik miteinander umgehen." Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) zitiert eine dieser Hassmails, in der der Verfasser schreibt: "Ich komme in Kürze als Patient in deine Praxis und werde dich hinrichten".

Nach Angaben der Polizei wurden gegen die Verfasser der Gewaltnachrichten von Amts wegen Ermittlungsverfahren eingeleitet. "Wir warnen ausdrücklich davor, sich dieser Form der Hasskriminalität anzuschließen. Das ist keine Form der Meinungsfreiheit", sagte die Polizeisprecherin.

Abgelehnt, weil Patientin sich nicht impfen lassen will?

Eine seiner Patientinnen hatte sich vor wenigen Tagen an die Presse gewandt mit der Aussage, der Arzt wolle sie nicht mehr behandeln, weil sie sich wegen eines Kinderwunsches nicht impfen lassen wollte. Er könne aufgrund der Schweigepflicht zu dem Fall nichts sagen, sagte der Arzt. Ein legitimer Grund, ein Arzt-Patienten-Verhältnis zu beenden, sei aber ein gestörtes Vertrauensverhältnis.

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Verstoß gegen Behandlungspflicht wird geprüft

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) verurteilte die Gewaltandrohungen und Verunglimpfungen. Ihr zufolge liegt inzwischen eine Beschwerde einer Patientin über den Hausarzt aus dem Landkreis Osnabrück vor. Im Rahmen ihrer Aufsichtspflicht prüfe die KVN daher jetzt wie in jedem Beschwerdefall, ob ein Verstoß gegen das Vertragsarztrecht vorliege, das eine Behandlungspflicht vorsieht. "Dafür stehen uns definierte Verfahren zur Verfügung, nach denen wir vorgehen", sagte der stellvertretende KVN-Vorsitzende Jörg Berling. Alle Beteiligten würden zu dem Vorfall befragt.

Die Flut von Drohungen und Schmähungen, die über den Kollegen hereingebrochen sei, stelle eine unerträgliche Vorverurteilung dar, betonte Berling, der selbst Hausarzt in Lüneburg ist. Mit seinem kompromisslosen Eintreten für die Corona-Impfung stehe der Kollege letztlich für die Ziele ein, die auch die Gesundheitspolitik weltweit verfolgt.

Arzt überzeugt von Richtigkeit der Impfung

Der bedrohte Arzt sagte, er sei überzeugt, dass sich ein Großteil der noch unsicheren Impfskeptiker mit Argumenten zu einer Impfung überzeugen lasse. "Wir müssen gucken, dass wir von den Skeptikern die Vernünftigen kriegen." Denen mache er das Angebot zum Dialog, spreche viele Stunden mit ihnen und gehe auch auf ihre Argumente ein: "Ich glaube, dass ich im Kern für das Richtige stehe, und deshalb muss die Stimme, die aus dieser Richtung kommt, lauter sein als das Krakeelen der Idioten."

Wie mit Impfskeptikern und Verschwörungstheoretikern umgehen?

Der Impfskepsis liegt oft ein Mangel an Desinformation zu Grunde. Auch Verschwörungserzählungen tragen ihren Teil dazu bei. "Einer der Gründe, warum wir uns Verschwörungserzählungen zuneigen, ist, dass wir Kontrolle über unser Leben zurückerlangen", sagt Tobias Meilicke. Er ist Leiter von "Veritas" in Berlin, einer Beratungsstelle für Angehörige von Menschen, die an Verschwörungen glauben. Im Gespräch mit "heute wichtig"-Host Michel Abdollahi sagt Meilicke, man müsse ergründen, wie man die Verschwörungserzählung mit etwas anderem ersetzen kann.

Ein Tipp vom Experten: nicht immer direkt auf Konfrontation gehen. Dadurch schaukelt sich der Konflikt direkt hoch. Und: Grenzen setzen. Wer über das Thema nicht mehr sprechen möchte, muss das ganz klar auch sagen und stattdessen etwas anderes ins Gespräch bringen. Dennoch hilft in solchen Fällen nur der Dialog, um die Fronten nicht noch mehr zu verhärten, wie im Fall der nicht impfwilligen Patientin aus dem Landkreis Osnabrück. (dpa/mba/csc)

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