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Mord unter deutschen Auswanderern in Südafrika: Tanja Schröder will endlich wissen, wo ihr Mann begraben ist

Jens L. fuhr mit anderem Auswanderer in den Busch und kam nie wieder

Mord unter deutschen Auswanderern in Südafrika: Tanja Schröder will endlich wissen, wo ihr Mann begraben ist

Brutaler Mord unter deutschen Auswanderern in Südafrika Jetzt spricht die Witwe
03:26 min
Jetzt spricht die Witwe
Brutaler Mord unter deutschen Auswanderern in Südafrika

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"Ich würde sehr gerne wissen, was mit dem Claus passiert ist"

Für Tanja Schröder und ihre Familie wurde der Traum vom Leben in Südafrika zum Albtraum. Es ist zwölf Jahre her, als sie ihren Mann Claus das letzte Mal sah. Er fuhr mit Jens L., einem ebenfalls deutschen Auswanderer, in den afrikanischen Busch und kam von dort nie wieder zurück. Jens L. und seine Frau Kristina A. gerieten schnell ins Visier der Ermittler. Doch erst vor vier Wochen – 12 Jahre nach Claus Verschwinden – wurde das Auswanderer-Paar wegen Mord und Beihilfe zum Mord, verurteilt. Mit dem Urteil ist zwar Recht gesprochen, aber Tanja Schröder will mehr: endlich Gewissheit! "Ich würde sehr gerne wissen, was mit dem Claus passiert ist“, sagt die Witwe. Wie Sie die Zeit in Südafrika erlebt hat, sehen Sie im Video.

"Wir haben so viele Pläne gehabt"

Familie Schröder
Claus und Tanja Schröder mit ihren beiden Söhnen
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Der Fall um Claus Schröder beschäftigt die südafrikanische Justiz zehn Jahre – und das trotz erdrückender Beweise. "Wir haben so viele Pläne gehabt für die Zukunft und ich fühle mich da sehr betrogen, dass mein Leben absolut nicht mehr so ist, wie wir uns das vorgestellt hatten“, erzählt Tanja Schröder im RTL-Interview.

Rückblick: Tanja und Claus Schröder wandern mit ihren zwei Söhnen im Jahr 2000 nach Südafrika aus. Die Vorstellung eines Lebens am Meer inmitten einer malerischen Landschaft zog die Familie in die Nähe der Stadt Port Elizabeth im Südosten des Landes. Die gebürtigen Bayern machen sich mit dem Bau von Campingwagen selbstständig. Sie leben in einem Haus an der Küste und besitzen auch eine Farm auf dem Land in der Provinz Eastern Cape.

Deutsches Auswanderer-Paar möchte ihre Farm kaufen

Jens L. und Kristina A.
Deutsche Auswandererfamilie Jens L. und Kristina A. mit ihren beiden Söhnen
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2008 entscheiden sich die Schröders dazu ihre 5,5 Millionen Euro teure Landfarm samt Fuhrpark und Ausstattung zu verkaufen. Und wie der Zufall so will: Ausgerechnet ein deutsches Paar hat sogar Interesse. "Dann haben wir gedacht, mei, da kommen die ja wirklich gerade richtig", erinnert sich Tanja Schröder. Die Auswanderer Jens L. und Kristina A. wollen mit ihren zwei Söhnen in Südafrika neu starten und das am liebsten in der Farm der Schröders. Sie weisen Bankbürgschaften vor. „Wir sind zum Anwalt gegangen. Haben Verträge unterschrieben. Also es war alles ganz legal. Wie es eben läuft, wenn man was verkauft“, erinnert sich Tanja.

Da Jens L. und Kristina A. den gesamten Kaufpreis noch nicht verfügbar hatten, wohnten sie auf der Farm vorerst zur Miete. Die ersten drei Monatsraten kamen verlässlich, doch dann "hat´s plötzlich ausgesetzt und sie haben nichts mehr bezahlt“, erzählt die Witwe. Jens L. begründete den Zahlungsausfall mit Bankproblemen in Deutschland, versicherte jedoch, dass er schnellstmöglich zahle. Die Schröders vertrauten dem deutschen Paar. Ein Neuanfang im Ausland ist ja nicht immer leicht.

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"Ich vertraue denen nicht mehr, da ist irgendwas nicht in Ordnung"

Ein Jahr verging. "Am 13. August 2009 nach dem Abendessen sind wir auf den Balkon gegangen und mein Mann hat seinen Arm auf meine Schulter gelegt und gesagt: Weißt du, ich vertraue denen nicht mehr, da ist irgendwas nicht in Ordnung." Einen Tag später fährt Claus zu Jens L. auf die Landfarm. Unter einem Vorwand soll Jens L. Claus in das angrenzende Buschland gelockt haben. Angeblich sei eines seiner Fahrzeuge hier steckengeblieben und Claus solle helfen, es rauszuziehen. Die beiden fahren gemeinsam in den Busch. Zurück kommt aber nur Jens L.

"Ich glaube, dass Jens L. ein kompletter Psychopath ist“

Kristina A. und Jens L. im Gerichtssaal in Port Elizabeth
Kristina A. und Jens L. im Gerichtssaal in Port Elizabeth
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Die Polizei in Südafrika findet unter anderem Blutspuren von Claus Schröder in einem Fahrzeug von Jens L. Auch stellt sich heraus, dass die Bankbürgschaften gefälscht sind. Augenzeugen belasten Jens L. schwer: "Ein Landarbeiter der Farm sagte aus, dass Claus Schröder mit Jens L. runtergefahren ist und dass Jens L. alleine zu Fuß zurückkam. Und die Haushälterin sah, dass Jens L.s Kleidung blutig war", schildert ein Ermittler vor Ort. Jens L. wird festgenommen. Ihm wird Betrug und Mord vorgeworfen. Seit 2011 sitzt er in Untersuchungshaft. Auch Kristina A. nehmen die Ermittler fest. Der Vorwurf: Betrug, Beihilfe und Vertuschung des Mordes, doch sie kommt auf Kaution wieder frei. „Das war aus humanitären Gründen, damit sie noch für ihre Kinder sorgen kann“, erklärt Oberstaatsanwalt Marius Stander die Entscheidung des Gerichts.

Trotz erdrückender Beweise dauert der Prozess knapp zehn Jahre. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass Jens L. mehrmals seinen Anwalt gewechselt hat. Und dass er dem Gericht immer wieder neue Lügen auftischt. "Ich glaube, dass Jens L. ein kompletter Psychopath ist“, sagt Oberstaatsanwalt Marius Stander. „Das ist das erste Mal in meiner Karriere, dass ein Angeklagter das Verfahren in ein Schachfeld verwandelt“.

"Ich muss ihn noch nicht mal ausgraben"

Claus Schröder
Claus Schröder
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Anfang März fällt endlich das Urteil: Jens L. wird wegen Mordes verurteilt, Kristina A. wegen Beihilfe zum Mord. Über das genaue Strafmaß wird aktuell noch verhandelt. Kristina A. droht eine Freiheitsstrafe von bis zu acht Jahren, Jens L. lebenslänglich. Für Tanja Schröder ist das Urteil nur ein Trostpflaster. Denn auch zwölf Jahre nach dem Verschwinden ihres Ehemanns fehlt weiterhin jede Spur von seiner Leiche. "Selbst wenn sie sagen würden: Er ist da und da vergraben – ich muss ihn noch nicht mal ausgraben, aber es wäre mir wichtig, dass ich wüsste, wo er ist."