Familiendrama in Mörlenbach

Eigene Kinder ermordet: Zahnarzt muss lebenslang in Haft

21. Juni 2019 - 10:49 Uhr

Ehepaar brachte eigene Kinder um

Das Landgericht Darmstadt hat ein Zahnärzte-Ehepaar aus dem hessischen Mörlenbach am Mittwoch zu mehreren Jahren Haft wegen Mordes und Beihilfe zum Mord verurteilt. Am 31. August 2018 hat die Feuerwehr bei Löscharbeiten im südhessischen Mörlenbach zwei Kinderleichen geborgen: Einen 13 Jahre alten Jungen und seine zehn Jahre alte Schwester. Wenig später fanden sie in einer geschlossenen Garage die beiden Eltern im Auto – der Motor lief.

„Der Deal war: Alle oder keine“

Das Gericht sah als erwiesen an, dass der Vater seine zehn Jahre alte Tochter und den dreizehn Jahre älteren Sohn im eigenen Haus getötet hat. Die Kinder starben durch 25 Schläge auf den Kopf. Dann wurde ihnen ein Messer zwischen die Rippen gestoßen. Zuerst starb der kleine Anton. Danach seine Schwester Emilia. Dann legten die Eltern Feuer und gingen in die Garage, um auch sich zu töten. Doch bevor sie starben, kam die Feuerwehr.

"Getötet durch die Hände eines Arztes, das ist der nüchterne Befund dieses Urteils", sagte der Richter. Im Gerichtssaal herrschte daraufhin angespannte Stille. Auch die Eltern der Angeklagten blieben regungslos. "Der Deal zwischen mir und meinem Mann war: Alle oder keine. Und jetzt sind wir beide übrig",so zitierte der Richter die Angeklagte.

Der Vater wurde nun wegen Mordes in zwei Fällen und schwerer Brandstiftung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht erkannte die besondere Schwere der Schuld an. Die Mutter der Kinder wurde wegen Beihilfe zum Mord und schwerer Brandstiftung zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

„Ich mach das schon, du musst mich nur begleiten“

"Ich mach das schon, du musst mich nur begleiten", soll der Angeklagte zu seiner Frau gesagt haben, "die Kinder werden im Schlaf sterben." Das Paar entschloss sich offenbar aufgrund finanzieller Probleme zu der Bluttat. Die Kinder seien nicht in die Entscheidung miteinbezogen gewesen, meinte der Richter.

Die Kinder schliefen, bevor sie getötet wurden. "Um einen schlafenden Menschen vom Leben in den Tod zu befördern, braucht es keinen Hammer oder ein Messer, gerade nicht, wenn man Arzt ist", sagte der Richter.

Laut Mutter hat Vater die Kinder allein getötet

Vater muss lebenslang in Haft
Urteil im Prozess gegen Zahnärztepaar
© dpa, Arne Dedert, ade lop

Der Verteidiger der Ehefrau plädierte auf Freispruch. Sie behauptete in dem Verfahren, ihr Mann habe die Kinder getötet, als sie kurz aus dem Haus war. Das Familienleben sei um seine Bedürfnisse "herumdrapiert" worden und er habe ihr Vertrauen und ihre Gutgläubigkeit "missbraucht". Weil ihr nicht nachgewiesen werden konnte, dass sie wirklich an dem Mord an Anton und Emilia beteiligt war, wurde sie nur wegen Beihilfe zum Mord verurteilt.

Der Anwalt des Vaters forderte eine mehrjährige Haftstrafe, ohne ein genaues Strafmaß zu nennen. Er wertete die Tat als heimtückischen Mord, weil der geständige Angeklagte die schlafenden Kinder erschlagen und erstochen habe. Sein Mandant sei allerdings vermindert schuldfähig gewesen, weil er zuvor Schlaftabletten genommen habe. In seinem letzten Wort bereute der Angeklagte die Tat und entschuldigte sich bei seiner Frau.

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