Wie gefährlich ist eine solche Op?

Mit nur 25 Jahren: Brite stirbt an den Folgen einer Magenband-Operation

10. März 2020 - 10:49 Uhr

Die preisgünstige Magenband-OP wurde ihm zum Verhängnis

Joe Thornley aus South Normanton, einem kleinen Dorf im Norden von Großbritannien, wurde nur 25 Jahre alt. Der junge Mann starb wenige Stunden nach einer Magenband-Op, die er in einem türkischen Krankenhaus hatte durchführen lassen. 3000 Pfund (rund 3400 Euro) hat ihn die Operation bei Medicana Bahcelievler in Istanbul gekostet - etwa halb so viel wie eine vergleichbare Operation in seiner Heimat Großbritannien.

In seiner tragischen letzten Textnachricht sagte er seinen Eltern nach dem zweistündigen Eingriff, dass er "große Schmerzen" habe. Die ganze Geschichte und was seine am Boden zerstörte Mutter dazu sagt - im Video.

Immer mehr Menschen sind extrem fettleibig

In Deutschland leiden immer mehr Menschen unter extremem Übergewicht (Adipositas). 2017 waren 25 Prozent der Deutschen stark adipös – Tendenz steigend. Mittlerweile ist Adipositas von der Weltgesundheitsorganisation sowie vom Bundessozialgericht sogar als Krankheit anerkannt. Fettleibigkeit liegt ab einem Body-Mass-Index (BMI) über 30 vor. Dabei wird unterschieden zwischen:

  • Adipositas Grad I: BMI 30-34,9
  • Adipositas Grad II: BMI 35-39,9
  • Extremer Adipositas Grad III: BMI über 40

Bei krankhafter Fettleibigkeit und einem Body-Mass-Index über 40 fällt den Betroffenen das Abnehmen oft schwer. Wenn alle Diäten und Versuche, Gewicht zu reduzieren, gescheitert sind und der Jo-Jo-Effekt der treueste Begleiter ist, sehen viele Betroffene eine Operation am Magen als letzten Ausweg. Auch "Grill den Henssler"-Juror und XXL-Managerlegende Reiner Calmund hat sich den Magen verkleinern lassen. 

Operative Methoden wie ein Magenband, ein Magenbypass oder ein Schlauchmagen, sollen den krankhaft übergewichtigen Menschen beim Abnehmen helfen. Was der Unterschied zwischen einem Magenbypass und einem Magenband ist, erfahren Sie hier. Ein Magenband ist meist ein Band aus Silikon. Es wird um den oberen Teil des Magens gelegt, um die Nahrungsaufnahme zu begrenzen.

Wie genau funktioniert ein Magenband?

Das Magenband gehört mit dem Schlauchmagen zu den sogenannten restriktiven Techniken. Bei diesen geht es darum, das Fassungsvermögen des Magens zu verringern. Bei einem Magenband wird eine Schlinge aus Silikon um den oberen Teil des Magens gelegt, um einen sogenannten "Vormagen" zu bilden. Dieser kleinen Vormagen kann nur wenig Nahrung aufnehmen und ist dementsprechend schneller gefüllt. Dadurch fühlt sich der Patient früher satt und nimmt weniger Nahrung zu sich. Versucht ein Patient, mehr zu essen, bekommt er ein Druckgefühl im Oberbauch - schlimmstenfalls muss er erbrechen.

Die modernen Magenbänder sind heutzutage verstellbar. Das heißt, die Menge, die der verkleinerte Teil des Magens an Nahrung aufnehmen kann, wird individuell genau festgelegt und kann nach und nach angepasst werden.

Im Video: So wird eine Magenbypass-Operation durchgeführt

Mögliche Komplikationen und Risiken der Operation

Grundsätzlich bestehen beim Einsetzen eines Magenbands die üblichen Operationsrisiken. Dazu gehören Blutungen, Organverletzungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen und Probleme aufgrund der Narkose. Vor allem rund um das eingepflanzte Kunststoffmaterial können Entzündungen entstehen. Außerdem kann jeder Eingriff im Bereich des Bauchraums dazu führen, dass sich Verwachsungen bilden. Allerdings ist häufig nicht die Operation selbst das Problem, sondern die Komplikationen, welche erst nach Monaten oder Jahren auftreten können.

Als besonders häufige Komplikationen werden dabei genannt:

  • Verschluss des Magendurchgangs durch zu große Nahrungsbrocken
  • Vergrößerung des Vormagens durch die dauerhafte Zufuhr zu großer Nahrungsmengen
  • Verschiebung des Magenbands ("Bandslippage")

Die größte Herausforderung ist es vor allem, dass Patienten neue Verhaltensweisen lernen und viel Disziplin aufbringen müssen. Beispielsweise sollte Betroffene weitgehend den Konsum von Süßigkeiten oder kalorienhaltiger Getränke vermeiden. Denn sowohl die Getränke als auch zum Beispiel Schokolade können die Engstelle leicht passieren, wodurch kein Sättigungsgefühl ausgelöst wird. Werden die Essenspläne nicht befolgt, drohen Komplikationen, die erneute Operationen nach sich ziehen können.

Viele Patienten werden psychisch krank

Darüber hinaus haben übergewichtige Menschen nach einer Magen-Operation zur Gewichtsreduktion ein höheres Risiko für psychische Probleme und Suizidgedanken. Einer Studie zufolge ist die Suizidrate bei Patienten mit einem Magenband oder Magenbypass zehnmal so hoch wie bei nicht operierten Menschen mit ähnlichem Gewicht, erklärt Endokrinologe Privatdozent Jens Aberle im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Durch die Operationen wird das Essen als Kompensationsmechanismus für Frustrationserlebnisse deutlich erschwert". erklärt der Experte.